Ge­krön­ter Vo­gel-Be­ob­ach­ter

Rheinische Post Goch - - KULTUR -

Trotz der gren­zen­lo­sen To­le­ranz, die un­ter Bü­cher­men­schen schon aus Prin­zip herrscht, exis­tiert auf der Frank­fur­ter Mes­se nach wie vor ei­ne Min­der­heit. Das sind die we­ni­gen Au­to­ren, die oh­ne Preis und Eh­rung nach Hau­se fah­ren müs­sen. So opu­lent liest sich zu­min­dest die Lis­te all der Frank­fur­ter Prä­mie­run­gen.

An­de­rer­seits ist es auch ei­ne schö­ne Lern­er­fah­rung, was al­les so ge­wür­digt wird. Et­wa bei Prei­sen wie (und kei­ner der nach­fol­gen­den ist er­fun­den) dem Pre­mio ENIT, der Gi­ga-Maus und Über­set­zer­bar­ke, dem getAbstract In­ter­na­tio­nal Book Award, The Be­au­ty and the book Award so­wie der Vi­ren­schleu­der. Weit we­ni­ger ge­for­dert ist un­se­re Vor­stel­lungs­kraft bei Be­lo­bi­gun­gen für die „Schnells­te Buch­händ­le­rin“und „Bü­cherFrau des Jah­res“.

Be­son­ders mo­dern – wenn nicht gar post­mo­dern – sind je­ne Eh­run­gen auf der Buch­mes­se, die sich ent­we­der voll­stän­dig vom Buch oder der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung dis­tan­zie­ren. Und so lie­ße sich über den „Non Book Award“glei­cher­ma­ßen lang und breit phi­lo­so­phie­ren wie über den deut­schen Car­toonp­reis – mit dem zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen recht hüb­schen Ti­tel: „Hof­fent­lich sieht das kei­ner“. Mein ab­so­lu­ter Lieb­lings­preis aber ist je­ner, der ein we­nig ab­seits der Mes­se jetzt dem US-Schrift­stel­ler Jo­na­than Fran­zen lob­re­dend zu­er­kannt wur­de. So emp­fing der be­ken­nen­de Bird-Wat­cher den Eu­roNa­tur-Preis. Schließ­lich ha­be der Au­tor da­zu bei­ge­tra­gen, „die star­ke Be­dro­hung der eu­ro­päi­schen Wild­vö­gel durch Le­bens­raum­ver­lus­te und Jagd ins Blick­feld der in­ter­na­tio­na­len Öf­fent­lich­keit zu rü­cken“, sagt die Ju­ry.

Da­ge­gen kann und soll­te man nichts sa­gen, wenn man nicht gleich als Öko-Un­hold gel­ten will. Der Preis mar­kiert zu­gleich ei­ne er­heb­li­che Kon­flikt­si­tua­ti­on im Le­ben des Jo­na­than Fran­zen, der von sich sa­gen kann, nicht nur ful­mi­nan­te Best­sel­ler ge­schrie­ben, son­dern auch 3300 Vo­gel­ar­ten ge­sich­tet zu ha­ben. So trägt er je­den Mor­gen den ein­sa­men Kampf mit sich aus, ob er nun schrei­ben oder lie­ber Vö­gel an­schau­en soll. Letz­te­res ma­che ihn aber sehr viel mehr Freu­de, sagt er. Pro­ble­me gibt’s.

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