Fünf-Rin­ge-Haus zeigt Schmug­gel-Ge­schich­te

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON NA­TAL­JA BRUCK

Bei der Aus­stel­lungs-Er­öff­nung plau­der­te Bun­des­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks aus dem Schmug­gel-Näh­käst­chen.

GOCH 1995 ver­schwan­den die Grenz­pos­ten und Zöll­ner zwi­schen den Nie­der­lan­den und Deutsch­land im Rah­men der Um­set­zung des „Schen­ge­ner Ab­kom­mens“und Nie­der­rhei­ner auf bei­den Sei­ten der Gren­ze konn­ten oh­ne Kon­trol­len ins Nach­bar­land ein­rei­sen, dort nach Her­zens­lust ein­kau­fen und an­schlie­ßend un­ge­hin­dert wie­der nach Hau­se fah­ren. Dass das nicht im­mer so war, dar­an er­in­nert die Aus­stel­lung „20 Jah­re Schen­ge­ner Ab­kom­men: Auf Schmugg­ler­pfa­den zur Rei­se­frei­heit“im Haus zu den fünf Rin­gen am Go­cher Markt.

Ne­ben zahl­rei­chen Do­ku­men­ten und ei­ner um­fang­rei­chen Zeit­ta­fel, die die Schmugg­ler­ge­schich­te am Nie­der­rhein nach­zeich­net, ha­ben die Mit­glie­der des Hei­mat­ver­eins his­to­ri­sche Aus­stel­lungs­stü­cke wie beim Grenz­über­tritt be­schlag­nahm­te Wa­ren und Zoll­uni­for­men zu­sam­men­ge­tra­gen. Eben­falls zu se­hen: Igel­ket­ten und Krä­hen­fü­ße. Da­bei ha­ben Igel­ket­ten nichts mit den pos­sier­li­chen klei­nen Tie­ren zu tun und Krä­hen­fü­ße sind kein kos­me­ti­sches Pro­blem. Viel­mehr wa­ren die sta­che­li­gen Me­tall­tei­le ein pro­ba­tes Mit­tel der Zöll­ner ge­gen mo­to­ri­sier­te Schmugg­ler. Denn ne­ben dem „klei­nen Grenz­ver­kehr“, an dem fast je­der Nie­der­rhei­ner in ir­gend­ei­ner Wei­se An­teil hat­te, zeigt die Aus­stel­lung auch je­ne, die in ganz an­de­ren Grö­ßen­ord­nun­gen geschmuggelt ha­ben. Da­bei wur­den ton­nen­wei­se Ge­trei­de oder Ta­bak über die Gren­ze ge­bracht, auch Kaf­fee oder Fahr­rä­der wa­ren be­lieb­tes Schmugg­ler­gut. Ge­ra­de in den 1930er Jah­ren wa­ren Ver­fol­gungs- jag­den zwi­schen Schmugg­lern und Zoll­be­am­ten auf der Go­cher Hei­de nicht un­ge­wöhn­lich, teil­wei­se kam es so­gar zu Schie­ße­rei­en.

Wil­li Va­egs, Vor­sit­zen­der des Hei­mat­ver­eins Goch, nutz­te die Aus­stel­lungs­er­öff­nung, um sich für das En­ga­ge­ment und die Ar­beit der Mit­glie­der des Hei­mat­ver­eins und die Un­ter­stüt­zung und Hilfs­be­reit­schaft des Haupt­zoll­am­tes Duis­burg und der Po­li­zei­in­spek­ti­on Kle­ve zu be­dan­ken. Er be­ton­te die Be­deu­tung des Schen­ge­ner Ab­kom­mens für die Re­gi­on: „Der Weg­fall der Grenz­kon­trol­len war ei­ne gro­ße Er­leich­te­rung für die Nie­der­rhei­ner auf bei­den Sei­ten der Gren­ze.“

Ei­ne Mei­nung, die Bun­des­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks als ge­bür­ti­ge und hei­mat­ver­bun­de­ne Nie­der­rhei­ne­rin teilt. Auch sie konn­te sich noch gut an die Au­to­schlan­ge vor der Gren­ze und den kri­ti­schen Blick der Zöll­ner er­in­nern, aber auch an die Fahrt nach Nim­we­gen mit der Fa­mi­lie, wenn Win­ter­klei­dung ein­ge­kauft und auf dem Rück­weg gleich un­ter der al­ten Klei­dung ge­tra­gen wur­de: „Wir wa­ren zwar auf der Rück­fahrt et­was di­cker als auf der Hin­fahrt, aber das ist nie je­man­den auf­ge­fal­len.“Vor dem Hin­ter­grund der ge­gen­wär­ti­gen Flücht­lings­kri­se in Eu­ro­pa wur­de die Mi­nis­te­rin ernst und be­ton­te den gro­ßen Frei­heits­ge­winn, der durch den Weg­fall der Grenz­kon­trol­len für die Men­schen vor 20 Jah­ren ent­stan­den war. „Gren­zen wa­ren oft Grund und Ort blu­ti­ger Krie­ge und stan­den für Feind­schaft. Bei dem Ge­dan­ken, dass Leu­te heu­te wie­der nach Gren­zen ru­fen, bin ich be­stürzt.“

Jür­gen Hoy­mann vom Haupt­zoll­amt Duis­burg Mit­in­itia­tor ver­wies als Mit­in­itia­tor der Aus­stel­lung auf das Gäs­te­buch am Ein­gang des Fünf-Rin­ge-Hau­ses: „Wir wür­den uns in Zu­kunft über die ei­ne oder an­de­re Schmugg­le­ra­n­ek­do­te der Be­su­cher freu­en.“

Die Aus­stel­lung ist bis zum 20. De­zem­ber je­weils sams­tags und sonn­tags von 10 bis 17 Uhr ge­öff­net, der Ein­tritt ist kos­ten­los.

FOTO: KLAUS-DIE­TER STA­DE

Auf Ein­la­dung des Hei­mat­ver­eins Goch, der die Aus­stel­lung or­ga­ni­siert hat, kam auch Bar­ba­ra Hend­ricks (vor­ne, 2.v.l.) zur Er­öff­nung.

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