Vom Sport­ma­na­ger zum So­zi­al­ex­per­ten

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE – REGIONAL - VON JÜR­GEN STOCK

Andre­as Fateh be­ginnt beim Pa­ri­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­band. Er tritt das Er­be Hart­mut Hoh­manns an.

NIE­DER­RHEIN Andre­as Fateh lässt sein Ge­gen­über ger­ne ra­ten, wie alt er denn ist. Meist wird der 55-Jäh­ri­ge für jün­ger ge­hal­ten als er tat­säch­lich ist. Dar­in un­ter­schei­det er sich von sei­nem Vor­gän­ger Hart­mut Hoh­mann, der im­mer ziem­lich ge­nau so alt aus­sah, wie er war. Äu­ßer­lich al­so ein deut­lich sicht­ba­rer Wech­sel in der Ge­schäfts­füh­rung des Pa­ri­tä­ti­schen, der un­ter Hoh­mann zum dritt­größ­ten So­zi­al­ver­band in den Krei­sen We­sel und Kle­ve her­an­ge­wach­sen war.

Pio­nier­ar­beit muss Fateh am Nie­der­rhein je­den­falls nicht mehr leis­ten. Sein Job wird es viel­mehr sein, beim Dach­ver­band für mehr als 100 Ver­ei­ne und Selbst­hil­fe­grup­pen in den Krei­sen Kle­ve und We­sel die Kon­ti­nui­tät si­cher­zu­stel­len.

Da­für bringt er al­ler­dings die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen mit. Neun Jah­re lang war Fateh Ge­schäfts­füh­rer beim Pa­ri­tä­ti­schen in Duis­burg und zu­vor drei Jah­re in ver­ant­wort­li­cher Po­si­ti­on beim Pa­ri­tä­ti­schen in Kre­feld tä­tig. Bei­de Or­ga­ni­sa­tio­nen ko­ope­rie­ren in­ner­halb des Be­zirks Düsseldorf eng mit der am Mo­er­ser Hanns-Al­beck-Platz lie­gen­den Ge­schäfts­stel­le des Pa­ri­tä­ti­schen der Krei­se We­sel und Kle­ve.

Für ei­nen So­zi­al­ma­na­ger hat Fateh ei­ne un­ge­wöhn­li­che Vi­ta vor­zu­wei­sen. Der ge­bür­ti­ge Dort­mun­der woll­te näm­lich ur­sprüng­lich Sport­leh­rer wer­den. Weil die An­stel­lungs­chan­cen zu Be­ginn der 80er Jah­re als Päd­ago­ge be­grenzt wa­ren, wech­sel­te der di­plo­mier­te Sport­wis­sen­schaft­ler nach dem Stu­di­um als Re­fe­rent für Leis­tungs­sport zum deut­schen Schwimm­ver­band. Von dort wech­sel­te er 1993 zu­rück an den Nie­der­rhein nach Rheinberg. Als Sport­di­rek­tor des in Duis­burg an­säs­si­gen Deut­schen Ka­nu-Ver­bands konn­te er mit den Ath­le­ten Dut­zen- de in­ter­na­tio­na­le Ti­tel fei­ern. Hö­he­punkt war da­bei die Teil­nah­me als Team­lei­ter der Ka­nu­ten an den Olym­pi­schen Spie­len in At­lan­ta.

Doch ir­gend­wann ein­mal hat­te Andre­as Fateh den Leis­tungs­sport satt. Er such­te, wie man das so schön sagt, ei­ne neue Her­aus­for­de­rung. Und er fand sie nach ei­ner Wei­ter­bil­dung zum Non-Pro­fit-Ma­na­ger beim Pa­ri­tä­ti­schen in Kre­feld. Um­zie­hen muss­te er da­für nicht. Seit 1993 lebt Fa­mi­lie Fateh, zu der Frau und zwei Kin­der ge­hö­ren, in Rheinberg.

„In Kre­feld ha­be ich das Ge­schäft von der Pi­ke auf ge­lernt“, er­in­nert sich der 55-Jäh­ri­ge. „Ganz wich­tig war für mich, zu se­hen, wie die Ar­beit an der Ba­sis funk­tio­niert.“So küm­mer­te Fateh sich um die Selbst­hil­fekon­takt­stel­le so­wie um die Be­ra­tung von Men­schen mit geis­ti­ger Be­hin­de­rung. Seit die­ser Zeit hat er auch ei­nen gu­ten Draht zum SCI, der in Mo­ers im sel­ben Ge­bäu­de wie der Pa­ri­tä­ti­sche un­ter­ge­bracht ist.

2006 folg­te dann der Wech­sel in die Duis­bur­ger Ge­schäfts­stel­le und zum 1. Ok­to­ber dann die Über­nah- me der Lei­tung des Ver­ban­des in Mo­ers. War­um der Wech­sel? Am Ge­halt je­den­falls hat sich nichts ge­än­dert. Fateh nennt drei Grün­de: Zum ei­nen sei es nach fast zehn Jah­ren in Duis­burg Zeit für ei­nen Wech­sel ge­we­sen, zum an­de­ren reiz­te ihn die Über­nah­me ei­ner Stel­le, in der er auf die Be­dürf­nis­se von Men­schen im länd­li­chen Raum ein­ge­hen muss. Und schließ­lich spiel­ten auch die Dau­er­staus vor den Au­to­bahn-Rhein­brü­cken ei­ne Rol­le. „Die ha­be ich auf dem Weg nach Mo­ers nun nicht mehr.“

Wo sieht Fateh die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für die Zu­kunft? Spon­tan nennt er zwei Ar­beits­fel­der: Zum ei­nen sieht er mit Sor­ge, dass in NRW bei der Be­treu­ung von al­ten Men­schen das Gleich­ge­wicht zwi­schen am­bu­lan­ter Ver­sor­gung und sta­tio­nä­ren An­ge­bo­ten zu­un­guns­ten letz­te­rer ge­fähr­det wird.

Und mit Blick auf das der­zei­ti­ge so­zi­al­po­li­ti­sche Dau­er­the­ma mahnt er: „Wir dür­fen über die Be­schäf­ti­gung mit der Zu­wan­de­rung durch Flücht­lin­ge nicht an­de­re In­te­gra­ti­ons­the­men ver­ges­sen.“

RP-FOTO: KLAUS DIEKER

Andre­as Fateh vor dem Ge­bäu­de der Mo­er­ser Volks­schu­le am Hanns-Al­beck-Platz. Dort sind die Ge­schäfts­stel­len des Pa­ri­tä­ti­schen der Krei­se We­sel und Kle­ve un­ter­ge­bracht.

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