„Tat­ort“zeigt die Fol­gen von Het­ze

Rheinische Post Goch - - FERNSHEN -

Die El­tern der klei­nen Em­ma ver­ge­hen vor Schmerz über den Tod der Sechs­jäh­ri­gen durch Ko­ka­in, das afri­ka­ni­sche Dea­ler im Sand­kas­ten ver­bud­delt hat­ten. Sie kla­gen an, sind ver­bit­tert, dass sie un­ter den Fol­gen ge­schei­ter­ter In­te­gra­ti­ons­ver­su­che lei­den müs­sen. Der „Tat­ort: Kol­laps“zeigt sie als be­sorg­te Bür­ger. Aber eben nicht mehr. Selbst­jus­tiz­fan­ta­si­en ih­res Freun­des ver­ur­tei­len sie.

Zum Rä­cher, der die mut­maß­li­che Tä­te­rin so­wie ei­nen völ­lig un­be­tei­lig­ten wei­te­ren afri­ka­ni­schen Dea­ler per Tot­schlä­ger um­bringt, wird statt­des­sen der Sohn des Het­zers, Oli­ver Lahn­stein (Axel Schrei­ber). Der Sa­ni­tä­ter, der die klei­ne Em­ma kann­te und sie un­ter Schock zu spät zu re­ani­mie­ren ver­such­te. Der Mann, der an sei­nen Kar­rie­re- und Le­bens­zie­len schei­ter­te und den der ei­ge­ne Va­ter für ei­nen Ver­sa­ger hält.

Ohn­macht, Wut und Frust su­chen sich ein Ven­til: Ge­walt ge­gen Sün­den­bö­cke. Die Klein­dea­ler sol­len für al­les bü­ßen, was in sei­nem Le­ben schief­ge­lau­fen ist. Die­sel­ben Klein­dea­ler, bei de­nen er selbst einst gern ein­kauf­te – was zum Schei­tern sei­nes Me­di­zin­stu­di­ums bei­ge­tra­gen ha­ben dürf­te. Das Le­ben mag ihm übel mit­ge­spielt ha­ben, aber an ei­nem Teil sei­ner Pro­ble­me ist er al­lein Schuld. An­statt das an­zu­er­ken­nen, ver­kriecht er sich selbst­ge­recht in der Op­fer­rol­le – bis es ins Ge­gen­teil um­schlägt, er ak­tiv wird, zum Tä­ter.

Die­ser „Tat­ort“hat be­ein­dru­ckend ge­zeigt, wie Het­ze wirkt, wen sie zum Mör­der ma­chen kann. to­jo

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.