Goe­the hei­ra­tet Chris­tia­ne Vul­pi­us

Rheinische Post Goch - - UN­TER­HAL­TUNG -

Die ho­he Ge­sell­schaft und der Wei­ma­rer Hof konn­ten der Le­bens­ge­fähr­tin von Jo­hann Wolf­gang von Goe­the kaum et­was ab­ge­win­nen. Chris­tia­ne Vul­pi­us stamm­te aus ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen und galt als eher un­ge­bil­det. Die­se Frau, die­ses Mäd­chen al­so, hat­te sich der hoch an­ge­se­he­ne Ge­heim­rat von Goe­the zur Ge­lieb­ten ge­wählt. 1788 hat­ten sie ein­an­der ken­nen­ge­lernt. Die 23-Jäh­ri­ge hat­te sich bei dem 39 Jah­re al­ten Goe­the für ih­ren Bru­der, ei­nen Schrift­stel­ler, ein­set­zen wol­len. Schnell ent­wi­ckel­te sich ei­ne Lie­bes­ge­schich­te. Goe­the nahm Chris­tia­ne of­fi­zi­ell als Haus­häl­te­rin auf, schon ein Jahr dar­auf wur­de der ge­mein­sa­me Sohn ge­bo­ren. Wei­te­re Kin­der folg­ten, sie star­ben je­doch schon im Säug­lings­al­ter. Goe­the und Vul­pi­us blie­ben fast zwei Jahr­zehn­te lang ein Ehe­paar oh­ne Ze­re­mo­nie, bis 1806 nach Na­po­le­ons Sieg bei Je­na und Au­er­stedt fran­zö­si­sche Sol­da­ten in Wei­mar ein­fie­len. Nach die­ser ge­mein­sam durch­ge­stan­de­nen Er­fah­rung woll­te Goe­the Chris­tia­ne auch of­fi­zi­ell zu der Sei­nen ma­chen. Am 19. Ok­to­ber 1806 folg­te die Hoch­zeit. Goe­the setz­te sich nun da­für ein, dass auch die fei­ne Ge­sell­schaft Chris­tia­ne ak­zep­tier­te – nur zum Teil mit Er­folg. Als sie 1816 starb, blieb er der Be­er­di­gung fern; er wid­me­te ihr aber die Zei­len, die ih­ren Gr­ab­stein schmü­cken: „Du ver­suchst, o Son­ne, ver­ge­bens, durch die düstren Wol­ken zu schei­nen. Der gan­ze Ge­winn mei­nes Le­bens ist, ih­ren Ver­lust zu be­wei­nen.“

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