NRW plant schnel­le Ab­schie­bung von Al­ba­nern

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON E. QUADBECK UND T. REISENER

Über of­fen­sicht­lich un­be­grün­de­te Asyl­an­trä­ge soll in­ner­halb von zwei Ta­gen ent­schie­den wer­den.

DÜSSELDORF Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung in NRW will die Ab­schie­bung von Flücht­lin­gen aus si­che­ren Bal­kan-Staa­ten deut­lich be­schleu­ni­gen. Das geht aus der noch un­ver­öf­fent­lich­ten Ant­wort von NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) auf ei­ne An­fra­ge von CDU-Frak­ti­ons­vi­ze An­dré Ku­per her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt.

Dem­nach wur­de vor knapp drei Wo­chen mit der Um­set­zung ei­nes ent­spre­chen­den Ak­ti­ons­plans be­gon­nen. Im Fo­kus ste­hen als ers­tes „al­ba­ni­sche Asyl­su­chen­de, al­so Men­schen aus ei­nem Land mit ei­ner re­la­tiv ho­hen An­zahl von Asyl­su­chen­den bei zu­gleich be­son­ders nied­ri­ger Schutz­quo­te“, so Jä­ger. Die Schutz­quo­te be­schreibt, wie vie­le der Flücht­lin­ge vor Ver­fol­gung, Krieg und Ter­ror in ih­rer Hei­mat ge­schützt wer­den müs­sen.

Die Lan­des­re­gie­rung will die für ein be­schleu­nig­tes Ver­fah­ren vor­ge- se­he­nen Flücht­lin­ge auf vier Lan­des­ein­rich­tun­gen ver­tei­len, ei­ne da­von in Wil­lich. In die­sen vier Ein­rich­tun­gen sind laut Jä­ger jetzt 1200 Plät­ze für al­ba­ni­sche Flücht­lin­ge re­ser­viert. „Of­fen­sicht­lich un­be­grün­de­te Asyl­an­trä­ge sol­len in be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren in der Re­gel in­ner­halb von zwei Ta­gen ent­schie­den wer­den“, so Jä­ger wei­ter. Soll­ten die Be­trof­fe­nen da­nach nicht frei­wil­lig zu­rück­rei­sen, „wür­de ei­ne Rück­füh­rung aus den Lan­des­ein­rich­tun­gen her­aus ver­an­lasst wer­den“. Seit Jah­res­an­fang hät­ten 6507 Al­ba­ner in NRW Asyl be­an­tragt – die größ­te Be­völ­ke­rungs­grup­pe aus dem künf­tig als si­cher gel­ten­den West­bal­kan. Die CDU kri­ti­siert die Maß­nah­men als un­zu­rei­chend. „Der Ak­ti­ons­plan der Lan­des­re­gie­rung greift zu kurz, da er sich nur auf die al­ba­ni­schen Asyl­su­chen­den kon­zen­triert und nicht auf sämt­li­che Asyl­su­chen­den aus Bal­kan­staa­ten“, so die Uni­on.

Bun­des­re­gie­rung und EU set­zen in­des dar­auf, dass die Tür­kei ih­re Gren­zen so ab­rie­gelt, dass we­ni­ger Flücht­lin­ge nach Eu­ro­pa kom­men. Da­für wol­len die Eu­ro­pä­er der Tür­kei po­li­tisch und fi­nan­zi­ell ent­ge­gen­kom­men. „Ich hal­te es für ver­nünf­tig, der Tür­kei fi­nan­zi­ell zu hel­fen“, sag­te EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz un­se­rer Re­dak­ti­on. Es sei auch rich­tig, Vi­sa-Er­leich­te­run­gen, die ge­ra­de für die Ge­schäfts­welt wich­tig sei­en, zu schaf­fen und die Tür­kei als si­che­res Her­kunfts­land ein­zu­stu­fen. „Die Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en sind in der Tür­kei si­cher.“

FOTO: AFP

Ei­ne Be­hör­de in Gre­ven re­gis­triert Flücht­lin­ge aus Al­ba­ni­en.

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