Die Stra­ße ist kein gu­ter Ort für Auf­klä­rung

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON LOTHAR SCHRÖ­DER

Sei­en wir ehr­lich: Die meis­ten von uns ha­ben Pegida, als der Zu­spruch ge­rin­ger wur­de und ver­ein­zel­te De­mons­tra­tio­nen ab­ge­sagt wer­den muss­ten, be­lä­chelt – als ei­ne Art rechts­po­pu­lis­ti­sche Folk­lo­re, die uns nur noch nerv­te, weil sie pünkt­lich zum Fei­er­abend den Stra­ßen­ver­kehr be­hin­der­te. Un­ter­schätzt ha­ben wir da­bei das Aus­maß der Em­pö­rung. Die näm­lich ist mit der Zeit nicht ge­rin­ger ge­wor­den, sie war zwi­schen­zeit­lich nur wie­der et­was mehr un­ter der Ober­flä­che ver­schwun­den. Un­se­re Miss­ach­tung schien so­gar et­was Gu­tes zu ha­ben, als wür­de Pegida jetzt me­di­al aus­ge­hun­gert. Ein Trug­schluss. Weil Pegida in sei­ner Tie­fen­schicht ein Aus­druck von Angst und Ohn­macht de­rer ist, die mit­lau­fen. Angst vor Ve­rän­de­rung und Glo­ba­li­sie­rung, vor Ent­frem­dung und dem Ver­lust al­ter Si­cher­hei­ten. Ih­re Sehn­sucht ist ei­ne ho­mo­ge­ne Ge­sell­schaft, die es für ein paar Jahr­zehn­te al­len­falls im künst­lich er­zeug­ten Sperr­ge­biet der DDR ge­ben konn­te. Mit Pegida um­zu­ge­hen, ist dar­um schwer, weil den dif­fu­sen Ängs­ten mit Ar­gu­men­ten kaum bei­zu­kom­men und die Stra­ße kein gu­ter Ort für Auf­klä­rung ist. Pegida bleibt al­so ra­di­kal und ge­fähr­lich. Ein scha­ler Trost zum Jah­res­tag: Die­se Ge­fahr wird für uns al­le we­nigs­tens wei­ter im Blick­feld blei­ben. BE­RICHT

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.