Kac­zyn­ski hetzt ge­gen Mi­gran­ten

Rheinische Post Goch - - POLITIK -

Po­lens Op­po­si­ti­ons­füh­rer nutzt die Flücht­lings­kri­se für sei­nen Wahl­kampf. In Umfragen liegt er vorn.

WAR­SCHAU (jma) Am Sonn­tag wählt Po­len ein neu­es Par­la­ment. Ja­roslaw Kac­zyns­kis Par­tei „Recht und Ge­rech­tig­keit“(PiS) führt vor der Re­gie­rungs­par­tei „Bür­ger­platt­form“(PO) in den Umfragen mit et­wa zehn Pro­zent­punk­ten. Der 66-jäh­ri­ge Kac­zyn­ski ist Hoff­nungs­trä­ger oder Schreck­ge­spenst für die pol­ni­schen Wäh­ler, gleich­gül­tig lässt er nie­man­den. Er ver­spricht viel: die Ein­füh­rung von 500 Zlo­ty (et­wa 125 Eu­ro) Kin­der­geld, ei­ne Sen­kung des Ren­ten­al­ters, ei­ne Steu­er­be­frei­ung für Nied­rig­ver­die­ner so­wie ei­ne kos­ten­lo­se Ver­sor­gung mit Me­di­ka­men­ten bis zum 75. Le­bens­jahr – kurz: das wür­di­ge Le­ben, das die PO, seit 2007 an der Re­gie­rung, den ge­wöhn­li­chen Po­len vor­ent­hal­ten ha­be.

Ein an­de­res The­ma ist die Flücht­lings­kri­se. Zwar hat die Re­gie­rung nur die Auf­nah­men von ins­ge­samt 7000 Flücht­lin­gen zu­ge­sagt, doch Kac­zyn­ski warnt vor Pa­ra­si­ten und der Scha­ria, die die Men­schen aus Nah­ost mit­brin­gen kön­nen. Zu­dem will er „ein bis zwei Hol­ly­wood­fil­me“dre­hen las­sen, um der Welt zu zei­gen, wel­che Rol­le Po­len im Zwei­ten Welt­krieg ge­spielt hat. Vor die­ser Na­tio­na­li­sie­rung der pol­ni­schen Po- li­tik fürch­tet sich das li­be­ra­le Mi­lieu. In der Re­gie­rungs­zeit der PiS von 2005 bis 2007 ließ Kac­zyn­ski mit­tels der staat­li­chen Me­di­en sei­ne Geg­ner an den Pran­ger stel­len. Dies kann er­neut ge­sche­hen – das staat­li­che Fern­se­hen TVP soll künf­tig dem „Mi­nis­te­ri­um für Kul­tur und Na­tio­na­les Er­be“un­ter­ste­hen und von ihm be­stimmt wer­den. Das letz­te Wort wird der Par­tei­chef ha­ben.

Kac­zyn­ski do­mi­niert die Par­tei. Ob­wohl sei­ne Par­tei­kol­le­gin Bea­ta Szydlo of­fi­zi­ell für den Pos­ten des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten no­mi­niert ist, hat kaum je­mand Zwei­fel dar­an, dass Kac­zyn­ski sie bald im Amt be­er­ben wird, da er mitt­ler­wei­le im Wahl­kampf deut­lich prä­sen­ter ist. Ja­roslaw Kac­zyn­ski ist der Zwil­lings­bru­der des frü­he­ren pol­ni­schen Prä­si­den­ten Lech Kac­zyn­ski, der 2010 bei ei­nem Flug­zeug­ab­sturz starb.

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