Thys­senK­rupp will ein neu­es Image

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS REISENER

Am 19. No­vem­ber soll ei­ne neue Ära be­gin­nen. Nach fast fünf Jah­ren Kon­zern­um­bau will Vor­stands­chef Hein­rich Hie­sin­ger den Wan­del mit ei­nem noch streng ge­hei­men Mar­ken­kon­zept für Mit­ar­bei­ter und Kun­den sicht­bar ma­chen.

DÜSSELDORF Das groß ge­schrie­be­ne „T“am An­fang ver­schwin­det. Und das „K“in der Mit­te erst recht. Vom 19. No­vem­ber an wird aus dem wich­ti­gen NRW-Kon­zern, der seit der Fu­si­on von Thys­sen und Krupp im Jahr 2000 welt­weit „Thys­senK­rupp“heißt, ein we­sent­lich schlan­ke­res und be­schei­de­ne­res „thys­senk­rupp“. Zeit­gleich soll sich auch das Lo­go än­dern. Der al­te Rhe­in­stahl-Bo­gen, der seit der Fu­si­on schwer und be­hä­big über den mehr als 100 Jah­re al­ten Krupp-Rin­gen thront, wird wohl mit ih­nen ver­schmel­zen (sie­he Grafik).

Wie un­se­re Re­dak­ti­on aus dem Um­feld der Thys­senK­rupp-Wer­ber er­fuhr, wird der noch streng ge­hei­me neue Mar­ken­auf­tritt auch von ei­ner neu­en Wer­be­bot­schaft flan­kiert – ei­nem „Claim“, wie die Wer­ber sa­gen: „en­gi­nee­ring. to­mor­row. to­ge­ther.“In der deut­schen Über­set­zung et­wa: „Tech­ni­sche Pla­nung. Mor­gen. Zu­sam­men.“

Thys­senK­rupp woll­te die In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on zum neu­en Mar­ken­auf­tritt ges­tern nicht kom­men­tie­ren. Aber der Kon­zern hat sich die Lo­gos und Wort­mar­ken beim Deut­schen Pa­tent- und Mar­ken­am­tes un­ter den Re­gis­ter­num­mern 302014074813, 302014074817 und 014560692 schüt­zen las­sen. Auf der Haupt­ver­samm­lung im Ja­nu­ar hat­te Hie­sin­ger be­reits an­ge­kün­digt, dass der Tra­di­ti­ons­kon­zern sei­nen Au­ßen­auf­tritt neu or­ga­ni­siert. Dass auch ein neu­es Lo­go in Ar­beit ist, be­rich­te­te kürz­lich die „Süd­deut­sche Zei­tung“.

„Die For­men­spra­che ist klar: Das neue Lo­go soll be­schei­de­ner wir­ken. Die Rin­ge und der Bo­gen im al­ten Lo­go wa­ren ja schon sehr auf­ge­dun­sen“, ana­ly­siert der Düs­sel­dor­fer Pro­fes­sor für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign, Wil­fried Korf­ma­cher, das neue Lo­go. Das hier­ar­chi­sche Über­ein­an­der im al­ten Lo­go wer­de durch die Ver­schmel­zung des Bo­gens mit den Rin­gen „zu ei­nem stär­ke­ren Mit­ein­an­der, was ja wohl auch die ver­än­der­te Un­ter­neh­mens­kul­tur spie­geln soll“.

Aber der Ex­per­te fin­det das neue Lo­go trotz­dem nicht gut: „Viel zu kom­pli­ziert“, meint Korf­ma­cher, „gu­te Lo­gos kann man mit ei­nem Zeh in den Sand­kas­ten ma­len.“Wie zum Bei­spiel den Mer­ce­des-Stern oder den welt­be­rühm­ten Ni­keSwoosh. Korf­ma­cher: „Ei­gent­lich scha­de, weil Thys­senK­rupp frü­her ja so­gar mal zwei Lo­gos von die­ser Qua­li­tät hat­te: Die al­ten Krupp-Rin­ge und der al­te Rhe­in­stahl-Bo­gen, den Thys­sen dann über­nom­men hat. Das wa­ren bei­des Spit­zen­lo­gos.“

1852 hat­te Fir­men­grün­der Al­f­red Krupp sich den naht­lo­sen Ra­drei­fen als bruch­si­che­res Ei­sen­bahn­rad pa­ten­tie­ren las­sen. Die drei Rin­ge des 1875 ein­ge­führ­ten Krupp-Lo­gos er­in­nern noch heu­te dar­an. Das Bo­gen-Lo­go des Stahl­ko­chers Rhe­in­stahl ge­fiel Thys­sen wie­der­um so gut, dass der Kon­zern ihn gleich mit über­nahm, als er den klei­ne­ren Kon­kur­ren­ten in den 1970er Jah­ren schluck­te. Als Thys­sen und Krupp dann im Jahr 2000 fu­sio­nier­ten, re­gier­te der Arg­wohn: Auf kei­ner Sei­te woll­ten die Ruhr­ba­ro­ne an Ein­fluss und Be­deu­tung ver­lie­ren. Zu den bi­zar­ren Aus­wüch­sen des Starr­sinns ge­hör­te da­mals das neue „Türm­chen-Lo­go“, bei dem die Fir­men­si­gnets von Thys­sen und Krupp schlicht ge­sta­pelt wur­den. Als Hie­sin­ger vor knapp fünf Jah­ren die Füh­rung von Thys­senK­rupp über­nahm, fand er ei­nen von Seil­schaf­ten ge­präg­ten Kon­zern vor, der we­gen zahl­rei­cher Kor­rup­ti­ons- und Kar­tell­af­fä­ren am Ab­grund stand. Ne­ben ei­nem um­fas­sen­den Kon­zern­um­bau trieb Hie­sin­ger auch den Wan­del der Un­ter­neh­mens­kul­tur vor­an und trieb dem Ma­nage­ment über­kom­me­nen Dün­kel aus. Auch die­sen Wan­del soll der neue Mar­ken­auf­tritt sym­bo­li­sie­ren.

Den Pa­tent-Ein­tra­gun­gen zu­fol­ge wur­den auch kaum auf­fäl­li­ge Mo­di­fi­ka­tio­nen der Mar­ken ge­si­chert. Ne­ben ei­ner ech­ten Al­ter­na­ti­ve: Der Schrift­zug „thys­senk­rupp“ne­ben zwei zum Qua­drat an­ge­ord­ne­ten Win­keln, die als Abs­trak­ti­on des neu­en Haupt­quar­tier-Ge­bäu­des in Es­sen ver­stan­den wer­den kön­nen. Aber die­se Idee wur­de of­fen­bar wie­der ver­wor­fen.

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