Künst­ler Wolf­gang Laib er­hält mor­gen Pra­e­mi­um Im­pe­ria­le

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON DO­RO­THEA HÜLS­MEI­ER

DÜSSELDORF (dpa) Das Ma­te­ri­al für die leuch­tend gel­ben Farb­tep­pi­che von Wolf­gang Laib passt in ei­ni­ge we­ni­ge Weck­glä­ser. Doch es dau­ert bis zu 20 Jah­re, bis er ge­nug Pol­len für ein sol­ches Kunst­werk zu­sam­men hat. Laib streut in den re­nom­mier­ten Mu­se­en der Welt Farb­fel­der aus Blü­ten­staub. Ei­gen­hän­dig sam­melt er je­des Jahr auf den Wie­sen sei­ner schwä­bi­schen Hei­mat na­he dem Bo­den­see Pol­len von Lö­wen­zahn, Ha­sel­nuss und Kie­fern.

Nicht nur sein in der Kunst wohl ein­zig­ar­ti­ges Ma­te­ri­al macht den 65-Jäh­ri­gen zu ei­ner Aus­nah­me­er­schei­nung in der Kunst­sze­ne. Ei­ne Kunst­aka­de­mie hat Laib nie be­sucht, er stu­dier­te einst Me­di­zin und ist „Dr. med“. Mor­gen wird der welt­weit ge­frag­te Künst­ler, der in New York, In­di­en und in Hoch­dorf an der Riß bei Bi­be­rach lebt, mit dem wohl wich­tigs­ten Kunst­preis der Welt, dem ja­pa­ni­schen Pra­e­mi­um Im­pe­ria­le, ge­ehrt.

Das Größ­te, was er je­mals ge­macht hat, war ein 7 mal 8 Me­ter gro­ßer Farb­tep­pich im Mu­se­um of Mo­dern Art in New York. „Da hat­te ich den Ha­sel­nuss-Blü­ten­staub von 20 Jah­ren.“Nach ei­ner Aus­stel­lung sam­melt er die Pol­len wie­der ein und be­wahrt sie in Weck­glä­sern auf.

Ge­prägt ist Laibs me­di­ta­ti­ve Kunst von der in­di­schen Phi­lo­so­phie. Schon als Kind hat­te der 1950 ge­bo­re­ne Laib über sei­ne El­tern, die ein Dorf in Süd­in­di­en un­ter­stütz­ten, ei­ne en­ge Be­zie­hung zu dem Land. Laib stu­dier­te auch In­do­lo­gie und San­s­krit.

Laib trägt ei­ne klei­ne kreis­run­de Horn­bril­le und hat schma­le Lip­pen. Nicht nur we­gen die­ser Bril­le und der fei­nen Ge­sichts­zü­ge wird ihm häu­fig ei­ne Ähn­lich­keit mit dem Schrift­stel­ler Her­mann Hes­se (1877-1962) zu­ge­schrie­ben. Auch Hes­se stamm­te aus ei­ner schwä­bi­schen pie­tis­ti­schen Fa­mi­lie, Hes­ses El­tern wa­ren eben­so wie Laibs El­tern in In­di­en tä­tig, und in Hes­ses be­rühm­tem Buch „Sid­dhar­tha“fließt die in­di­sche Weis­heits­leh­re ein. Doch auch wenn Laib in sei­ner hel­len schlich­ten Klei­dung und dem lei­sen Auf­tre­ten wie ein Mönch wirkt, lebt er im Hier und Jetzt. „Ich bin frei, ich bin ein Künst­ler.“

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