„Ich bin ein hal­ber Rö­mer“

Rheinische Post Goch - - SPORT - STE­FA­NIE SANDMEIER UND SI­MON JANSSEN FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

Bay­er Le­ver­ku­sen trifft in der Cham­pi­ons Le­ague heu­te auf AS Rom. Für den Sport­di­rek­tor ist es auch ei­ne Be­geg­nung mit der Ver­gan­gen­heit.

LE­VER­KU­SEN An sei­ne Zeit in Rom denkt der 55-Jäh­ri­ge ger­ne zu­rück. Sport­li­cher Hö­he­punkt war der Ge­winn des na­tio­na­len Po­kals (1991). Seit 2005 ar­bei­tet Völ­ler als Sport­di­rek­tor in Le­ver­ku­sen. In der Qua­li­fi­ka­ti­on hat­te sich der Bun­des­li­gist in die­ser Sai­son ge­gen La­zio Rom durch­ge­setzt, nun war­tet Völ­lers Ex­Klub AS Rom. Herr Völ­ler, Sie spiel­ten fünf Jah­re lang für den AS Rom, sind in Rom Welt­meis­ter ge­wor­den und lern­ten Ih­re Frau dort ken­nen. Ei­ne Stadt für die be­son­de­ren Mo­men­te al­so? VÖL­LER Ja, ich bin so­zu­sa­gen ein hal­ber Rö­mer. Ich rei­se zwar nicht mehr so oft dort­hin wie noch vor ei­ni­gen Jah­ren, aber die Ver­bin­dung zur Stadt be­steht nach wie vor. In­zwi­schen stört mich nur die Schlan­ge am Flug­ha­fen ein we­nig (lacht). Nach Ih­rer letz­ten An­kunft in Rom vor we­ni­gen Wo­chen und dem Spiel ge­gen La­zio ris­sen sich die rö­mi­schen Fans dar­um, ein Foto mit Ih­nen zu er­gat­tern. Ein schö­nes Ge­fühl? VÖL­LER Wenn ich zu­rück­kom­me, wer­de ich je­des Mal herz­lich emp­fan­gen. Rom ist für mich nach wie vor die schöns­te Stadt der Welt. Ich ha­be ger­ne dort ge­lebt und ge­spielt. Zu ei­ni­gen Ver­ant­wort­li­chen im Ver­ein hal­te ich noch im­mer den Kon­takt – na­tür­lich mit der nö­ti­gen Dis­tanz. Aber mit Sport­di­rek­tor Wal­ter Sa­ba­ti­ni zum Bei­spiel tau­sche ich mich ab und zu aus. Ich hat­te in Rom ein­fach ei­ne wun­der­schö­ne Zeit. Auch wenn die Ent­schei­dung, als Trai­ner ein­zu­sprin­gen, ein gro­ßer Feh­ler war. Ihr En­ga­ge­ment an der Sei­ten­li­nie dau­er­te da­mals nur 25 Ta­ge... VÖL­LER Die Frau des da­ma­li­gen Trai­ners Cesa­re Pran­del­li war schwer krank. Der AS Rom brauch­te je­man­den, der ein­springt. Die dach- ten wohl, da kommt der ty­pi­sche Deut­sche und bringt Dis­zi­plin ins Team, ei­ner, der da­zwi­schen haut. Doch da­mit war es nicht ge­tan, das war nicht das ei­gent­li­che Pro­blem. In der Mann­schaft hat es nicht ge­stimmt, die Si­tua­ti­on war ver­fah­ren. Ich selbst woll­te nach mei­nem Job bei der Na­tio­nal­mann­schaft ja ei­gent­lich erst ein­mal ei­ne Pau­se ein­le­gen. Dann kam die An­fra­ge. Zu dem Zeit­punkt gab es ne­ben Bay­er 04 nur die­sen Ver­ein, für den ich schwach ge­wor­den wä­re. Ver­mis­sen Sie das Trai­ner-Da­sein? VÖL­LER Über­haupt nicht, auch wenn ei­ni­ge An­fra­gen ka­men. Letzt- lich bin ich als Ver­eins­trai­ner im­mer nur ein­ge­sprun­gen, wenn Not am Mann war. Ich bin ehr­lich zu mir selbst: Je­den Tag auf dem Trai­nings­platz, das wä­re nichts mehr für mich. Da­für fin­de ich die Her­aus­for­de­run­gen im Ma­nage­ment zu span­nend. Wel­chen Tipp ge­ben Sie dem neu­en Trai­ner Ste­fan Ef­fen­berg mit auf den Weg? VÖL­LER Vor ei­ni­gen Wo­chen ha­be ich mit Ste­fan noch zu­sam­men­ge­ses­sen und ihm ge­sagt, dass es Zeit wird für ei­nen Trai­ner-Job. Mit Pa­der­born hat er ei­ne Mann­schaft mit viel Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. Was ha­ben Sie wäh­rend Ih­rer Zeit in Ita­li­en ge­lernt? VÖL­LER Ich mag die­ses lo­cke­re ita­lie­ni­sche Le­bens­ge­fühl. Bei al­lem Stress und Druck ha­be ich ver­sucht, mir das bei­zu­be­hal­ten. Nun tre­ten Sie in der Cham­pi­ons Le­ague aus­ge­rech­net ge­gen Ih­ren ExVer­ein an. Ist das ein ko­mi­sches Ge­fühl? VÖL­LER Der Pro­fi­fuß­ball ist schon ver­rückt. Seit Jah­ren spie­len wir nicht mehr ge­gen die bei­den rö­mi­schen Ver­ei­ne und jetzt, in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen, ge­gen La­zio in der Qua­li­fi­ka­ti­on und nun ge­gen den AS Rom in der Grup­pe. Wir wol­len bei- de Spie­le ge­win­nen. Im Kampf um Platz zwei wird si­cher ent­schei­dend sein, wer sich in die­sen Du­el­len durch­setzt. Da­für wün­sche ich Rom, dass sie Meis­ter wer­den. Der ers­te Platz in der Grup­pe scheint an den FC Bar­ce­lo­na ver­ge­ben. VÖL­LER Ja, auch wenn sich Bar­ce­lo­na ge­gen Rom und uns zwei­mal schwer ge­tan hat, ist Platz eins un­ter nor­ma­len Um­stän­den weg. Ich den­ke, dass Rom und wir uns um die Po­si­ti­on da­hin­ter strei­ten – bei al­lem Re­spekt vor Ba­te Bo­ris­sow, das ge­gen Rom ge­win­nen konn­te. Sie ha­ben ei­ne der jüngs­ten Mann­schaf­ten in der Bun­des­li­ga. Reicht das vor­han­de­ne Per­so­nal, um in drei Wett­be­wer­ben zu be­ste­hen? VÖL­LER Die vie­len jun­gen Spie­ler ge­hö­ren zu un­se­rem Kon­zept. Das Be­son­de­re an ih­nen ist, dass sie kör­per­lich meis­tens mehr aus­hal­ten als Äl­te­re. Das ist ge­ra­de in den Eng­li­schen Wo­chen sehr wich­tig. Aber es ist ja nicht so, dass wir kei­ne er­fah­re­nen Ak­teu­re in un­se­rer Mann­schaft hät­ten. Müs­sen Sie an­ge­sichts der Zahl der Ta­len­te mehr als zu­vor kämp­fen, den Ka­der zu­sam­men­zu­hal­ten? VÖL­LER Dass Ta­len­te um­wor­ben wer­den, ist ja nicht nur bei Bay­er Le­ver­ku­sen so. Ich se­he es als Be­leg für un­se­re Ar­beit. Dass Spie­ler wie bei­spiels­wei­se Charles Arán­guiz oder Chicha­ri­to sa­gen, ,wir wol­len be­wusst zu Bay­er Le­ver­ku­sen’ ist et­was, was wir uns er­ar­bei­tet ha­ben. Wir ge­nie­ßen welt­weit ei­nen gu­ten Ruf. Die jun­gen Spie­ler wis­sen, dass sie sich bei uns ent­wi­ckeln kön­nen und auch zum Ein­satz kom­men – noch da­zu in der Cham­pi­ons Le­ague.

FOTO: RAU­CHEN­STEI­NER

Mai 1991: Ru­di Völ­ler im Tri­kot des AS Rom im Stadt­der­by ge­gen La­zio.

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