Zwei­jäh­ri­ger tot – Ärz­tin ver­tei­digt ge­fähr­li­che The­ra­pie

Rheinische Post Goch - - PANORAMA -

DÜSSELDORF (dpa) Ei­ne we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung an­ge­klag­te Ärz­tin hat in Düsseldorf ei­ne Stamm­zell­the­ra­pie für geis­tig be­hin­der­te Kin­der ver­tei­digt. Sie ha­be da­mit „un­glaub­li­che Er­fol­ge“er­zielt, sag­te die 59-Jäh­ri­ge vor dem Düs­sel­dor­fer Land­ge­richt. Der schwer­be­hin­der­te Ri­car­do aus Ita­li­en aber, da­mals zwei Jah­re alt, war gestor­ben, als ihm kör­per­ei­ge­ne Stamm­zel­len ins Hirn ge­spritzt wur­den. Es sei klar ge­we­sen, dass es sich nur um ei­nen Heil­ver­such ge­han­delt ha­be, al­so ei­ne ex­pe­ri­men­tel­le, nicht an­er­kann­te Me­tho­de, so die Ärz­tin. Die El­tern sei­en um­fas­send auf­ge­klärt wor­den, auch über das To­des­ri­si­ko von 0,5 Pro­zent.

Die An­ge­klag­te wirk­te beim Pro­zess­auf­takt mit­ge­nom­men. Staats- an­walt Chris­toph Kum­pa sag­te, ih­re Me­tho­de sei schon da­mals wis­sen­schaft­lich höchst um­strit­ten ge­we­sen und die Auf­klä­rung der El­tern vor der Ope­ra­ti­on un­zu­rei­chend.

Nach ei­ner Tä­tig­keit bei ei­ner For­schungs­stel­le an der Uni Köln wur­de die Ärz­tin von der Düs­sel­dor­fer Pri­vat­kli­nik der Fir­ma X-Cells an­ge­wor­ben. Dort be­han­del­te sie nach ei­ge­nen An­ga­ben er­folg­reich geis­tig schwer­be­hin­der­te Kin­der mit Stamm­zel­len, meh­re­re Hun­dert ins­ge­samt. Dass Ri­car­do nach Hirn­blu­tun­gen starb, sei ei­ne sehr sel­te­ne Kom­pli­ka­ti­on bei der Punk­ti­on ge­we­sen; die Stamm­zel­len sei­en nicht die Ur­sa­che.

Die Kli­nik ist in­zwi­schen ge­schlos­sen, die Be­trei­ber­fir­ma plei­te.

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