Luft­han­sa droht Streik von drei Sei­ten

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON LUD­WIG KRAU­SE

13-mal leg­ten die Pi­lo­ten die Ar­beit nie­der, jetzt er­wä­gen auch die Flug­be­glei­ter ei­nen Aus­stand. Ab dem 1. No­vem­ber könn­ten drei Ge­werk­schaf­ten gleich­zei­tig in den Ar­beits­kampf ein­tre­ten, wenn sie nicht vor­her die Grä­ben über­win­den.

FRANK­FURT/MAIN Pas­sa­gie­re der Luft­han­sa müs­sen sich auf neue Ar­beits­kämp­fe ein­stel­len. Nach bis­lang 13 Strei­krun­den der Pi­lo­ten ste­hen nun auch die Ver­hand­lun­gen für die rund 19.000 Flug­be­glei­ter vor dem Schei­tern. De­ren Ge­werk­schaft Ufo will künf­tig mit den zwei an­de­ren Luft­ver­kehrs­ge­werk­schaf­ten Ver­di und Ver­ei­ni­gung Cock­pit (VC) ge­mein­sam vor­ge­hen, wie UfoChef Ni­coley Baublies un­se­rer Re­dak­ti­on sag­te. „Die Ver­hand­lun­gen sind nach zwei Jah­ren ko­los­sal ge­schei­tert. Da muss man sein ei­ge­nes Ego her­un­ter­schlu­cken und sa­gen: Wir sind al­le be­trof­fen.“Ein Dau­er­streik, bei dem sich die Be­rufs­grup­pen ab­wech­seln, wä­re ein Hor­ror­Sze­na­rio für Luft­han­sa. „Wir hal­ten un­se­ren Vor­schlag für at­trak­tiv und möch­ten die Ge­sprä­che fort­füh­ren“, sag­te ein Spre­cher. Was for­dern die Ge­werk­schaf­ten? In den Ver­hand­lun­gen für das Ka­bi­nen­per­so­nal geht es vor al­lem um die Um­stel­lung der Al­ters­ver­sor­gung der Mit­ar­bei­ter. Luft­han­sa ha­be sämt­li­che dis­ku­tier­ten Spar­maß­nah­men ver­schärft, wäh­rend man die Schutz­me­cha­nis­men für die Be­schäf­tig­ten her­aus­ge­nom­men ha­be, kri­ti­siert Ufo. Die Ge­werk­schaf­ten sind sich aber kei­nes­wegs ei­nig, wie sie zur Re­form der Be­triebs- und Über­gangs­ver­sor­gun­gen ste­hen. VC und Ver­di ha­ben die von Luft­han­sa ge­wünsch­te Um­stel­lung auf Fest­bei­trä­ge zu den Be­triebs­ren­ten bis­lang strikt ab­ge­lehnt. Ufo woll­te hin­ge­gen die fes- ten Ren­ten­zu­sa­gen auf­ge­ben und ver­han­del­te nur noch über die Hö­he der Zu­schüs­se. Wel­che Rol­le spielt Eu­ro­wings? An­ders als die Pi­lo­ten war Ufo nicht ge­ne­rell ge­gen die Grün­dung der Bil­lig­schie­ne. Schmerz­lich ist für die Ge­werk­schaft aber die ge­plan­te Ver­la­ge­rung von bis­he­ri­gen Ger­m­anwings-Jets an ei­ne ös­ter­rei­chi­sche Luft­han­sa-Toch­ter au­ßer­halb des deut­schen Ta­rif­rechts. Die Ge­werk­schaft ver­langt bis­lang ver­geb­lich die Zu­si­che­rung, da­bei so­zia­le Min­dest­stan­dards ein­zu­hal­ten. Was bie­tet die Luft­han­sa? Das Un­ter­neh­men hält das bis­he­ri­ge Sys­tem der Be­triebs­ren­ten we­gen der nied­ri­gen Zin­sen und der län­ge­ren Ren­ten­zei­ten für nicht mehr be­zahl­bar. Es hat­te ein An­ge­bot vor­ge­legt, dass von der Ufo als „Pro­pa­gan­da“zu­rück­ge­wie­sen wur­de. Als Ren­te könn­ten der Luft­han­sa zu­fol­ge bis zu 100 Pro­zent des letz­ten Grund­ge­halts er­reicht wer­den. Bei der Ver­gü­tung ge­he es um Ver­bes­se­run­gen: für die­ses Jahr 2000 Eu­ro Ein­mal­zah­lung für al­le Ka­bi­nen­mit­ar­bei­ter, ab 2016 und 2017 je ei­ne Er­hö­hung um 1,7 Pro­zent für Mit­ar­bei­ter, die vor 2013 ein­ge­stellt wur­den. Wie schnell kann ge­streikt wer­den? Die Ge­sprä­che mit der Luft­han­sa sind bis zum 1. No­vem­ber be­fris­tet. Ei­ne gül­ti­ge Ur­ab­stim­mung der Ufo-Mit­glie­der zum Streik liegt vor, al­ler­dings hat­te Ufo der Luft­han­sa im Som­mer schon ein­mal mit Streiks ge­droht, um dann doch wie­der in Ver­hand­lun­gen ein­zu­stei­gen. Auf wel­chen Stre­cken und wie lan­ge könn­te ge­streikt wer­den? Wenn der Ar­beits­kampf kommt, dann soll er laut Ufo-Chef Baublies flä­chen­de­ckend ge­führt wer­den. „Die Flug­gäs­te kön­nen nicht da­mit rech­nen, dass wir den Streik zeit­lich und auf ein­zel­ne Be­rei­che be­schrän­ken.“ Wie wahr­schein­lich ist der Me­gaS­treik der Ge­werk­schaf­ten? Auf den ers­ten Blick scheint es auf der Hand zu lie­gen, dass die drei Luft­ver­kehrs­ge­werk­schaf­ten bei der Luft­han­sa zu­sam­men­ar­bei­ten. Cock­pit ist aber ver­är­gert dar­über, dass Ufo wäh­rend der Pi­lo­ten­streiks da­mit ge­droht hat, über die neue, von ihr do­mi­nier­te „In­dus­trie­ge­werk­schaft Luft­ver­kehr (IGL)“selbst Ab­schlüs­se für Luft­han­sa-Pi­lo­ten an­zu­stre­ben. Der IGL-Plan rich­tet sich zu­dem ex­pli­zit ge­gen Ver­di, die per­spek­ti­visch aus dem Luft­han­saKon­zern ge­drängt wer­den soll.

FO­TO: DPA

Flug­be­glei­ter, die in der Ge­werk­schaft Ufo or­ga­ni­siert sind, be­streik­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der die Luft­han­sa.

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