Go­cher Fa­mi­lie kauft Schul­ge­bäu­de in Kal­kar

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON AN­JA SETTNIK

Nach der Sa­nie­rung des al­ten Schul­ge­bäu­des an der Kück­ste­ge plant Fa­mi­lie Eck­artz die Ein­rich­tung von Fe­ri­en­woh­nun­gen.

GOCH/KAL­KAR Die al­te Schul­ta­fel, die an der Stirn­sei­te des ehe­ma­li­gen Klas­sen­raums hängt, hat Pe­ter Eck­artz für ein paar Eu­ro bei E-Bay er­stei­gert, sagt er. So alt wie das Schul­ge­bäu­de ist sie auf kei­nen Fall, aber sie gibt dem Raum ei­nen ge­wis­sen au­then­ti­schen Cha­rak­ter und ist zu­dem sehr ge­eig­net, al­te Fo­tos und Plä­ne fest­zu­hal­ten. Die stu­diert Bau­herr Pe­ter Eck­artz der­zeit sehr in­ten­siv, denn der Go­cher ist da­bei, die ehe­ma­li­ge Ele­men­tar­schu­le an der Kück­ste­ge in Ab­stim­mung mit dem Denk­mal­schutz zu re­stau­rie­ren. Sei­ne Frau Lis und Sohn Jo­hann un­ter­stüt­zen ihn da­bei. Ein Wohn­haus soll ent­ste­hen. Erst ein­mal ist an zwei Fe­ri­en­woh­nun­gen ge­dacht, lang­fris­tig er­wägt das Ehe­paar Eck­artz, dort selbst ein­zu­zie­hen.

Die Kück­ste­ge ver­bin­det Jan-Joest- und Mon­re­stra­ße, liegt al­so im his­to­ri­schen Kern der Stadt. Vor 175 Jah­ren, als die Ele­men­tar­schu­le ge­baut wur­de, ka­men dort vie­le Kin­der zu­sam­men, um das ABC und das Ein­mal­eins zu er­ler­nen. Rund 90 Jah­re lang dien­te das ein­ge­schos­si­ge Ge­bäu­de die­sem Zweck, dann über­nah­men an­de­re Nut­zer die et­wa 200 eben­er­dig nutz­ba­ren Qua­drat­me­ter. Der heu­ti­ge Ei­gen­tü­mer weiß ei­ni­ges über die Im­mo­bi­lie, aber längst noch nicht ge­nug. Er hofft, dass es Kal­ka­rer gibt, die ihm viel­leicht noch et­was er­zäh­len kön­nen oder – noch bes­ser – die ihm al­te Fo­tos über­las­sen könn­ten. Kürz­lich, am Tag des of­fe­nen Denk­mals, be­such­ten ei­ni­ge Kal­ka­rer das

Pe­ter Eck­artz Haus an der Kück­ste­ge, wei­ter zu­rück als bis in die 70er Jah­re gin­gen die Er­in­ne­run­gen aber nicht.

Pe­ter Eck­artz ist Schrei­ner­meis­ter mit Zu­satz­aus­bil­dung zum Bo­den­denk­mal­pfle­ger. Des­halb in­ter­es­siert ihn al­les, was his­to­risch ist, und wenn Holz mit im Spiel ist – um­so bes­ser. Be­son­ders hat es ihm des­we­gen der Dach­bo­den des Ge­bäu­des an­ge­tan, denn der ist noch weit­ge­hend so, wie er im Jahr 1841 an­ge­legt wur­de. Im Bo­den ist als Dämm­stoff Riet, die Dach­bal­ken sind noch von Hand ge­schla­gen. Al­les ist dicht und in gu­tem Zu­stand, so dass dort oben erst ein­mal kei­ne Ar­bei­ten nö­tig sind. Zu tun gibt es im Erd­ge­schoss ge­nü­gend. Bis­her wur­den Zwi­schen­wän­de ent­fernt, der al­te Putz ab­ge­schla­gen, und die La­ter­ne aus dem Ober­licht der Haus­tür liegt zur Über­ar­bei­tung auf ei­nem Tisch.

„Im Lau­fe der Zeit sind na­tür­lich Ve­rän­de­run­gen vor­ge­nom­men, die nicht zu dem Haus pas­sen“, sagt Eck­artz. Die Fens­ter­öff­nun­gen wur­den zum Teil ver­klei­nert, mo­der­ne Flie­sen und di­ver­se Wand­far­ben muss­ten im­mer zur je­wei­li­gen Nut­zung pas­sen. Und da­von gab es ei­ni­ge: erst die Schu­le mit zwei Klas­sen­räu­men, in de­nen ver­mut­lich bis zu 100 Kin­der dicht an dicht sit­zend Platz fan­den, dann soll sich die Hit­ler­ju­gend dort ge­trof­fen ha­ben, nach dem Krieg über­nah­men die Al­li­ier­ten das Ge­bäu­de. Ei­ni­ge Kal­ka­rer er­in­nern sich dar­an, dass dort ei­ne Es­sens­aus­ga­be ein­ge­rich­tet war. Das Bau­amt der Stadt soll zur Kück­ste­ge aus­ge­la­gert ge­we­sen sein, dann zog ein Glas­blä­ser ein. „Ein paar Glasstan­gen ha­be ich noch auf dem Dach­bo­den ge­fun­den, und ei­ne Nach­ba­rin brach­te mir ro­te Christ­baum­ku­geln, die sie beim Aus­ver­kauf der Werk­statt 1968 er­wor­ben hat­te.“Ei­ne Schuh­ma­che­rei und zu­letzt ei­ne Pra­xis für Phy­sio- und Er­go­the­ra­pie zo­gen ein. Ei­ne Wei­le stand das Ge­bäu­de leer, bis die Go­cher auf das Kauf­an­ge­bot stie­ßen.

Die Kück­ste­ge ge­hört zu dem Sys­tem von schma­len We­gen, die im Mit­tel­al­ter auf die Kal­ka­rer Was­ser­läu­fe zu führ­ten. Fe­ri­en­gäs­te wer­den sich in dem eben­er­di­gen Back­stein­ge­bäu­de (auch für Be­hin­der­te ge­eig­net) mit sei­nen gro­ßen Fens­tern und dem Vor­platz si­cher­lich wohl­füh­len. Auch als Grup­pen­un­ter­kunft lässt sich das Haus nut­zen, weil die bei­den Woh­nun­gen ver­bun­den wer­den sol­len. Fer­tig wird es viel­leicht im kom­men­den Jahr.

„Ein paar Glasstan­gen ha­be ich noch auf dem Dach­bo­den ge­fun­den“

Haus­be­sit­zer und Bau­herr

RP-FO­TO: GOTT­FRIED EVERS

Bau­herr Pe­ter Eck­artz aus Goch über­prüft den Holz­dach­stuhl der ehe­ma­li­gen Ele­men­tar­schu­le in Kal­kar.

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