Schu­bert kann in Tu­rin wei­ter für sich wer­ben

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON KARSTEN KELLERMANN

TU­RIN Wür­de Max Eberl, der Sport­di­rek­tor von Borussia Mön­chen­glad­bach, vor dem Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel bei Ju­ven­tus Tu­rin (heu­te, 20.45 Uhr/ZDF) per Volks­ent­scheid den neu­en Trai­ner be­stim­men las­sen, dann wür­de es nur ei­nen ge­ben: „The In­te­rims One“wie An­dré Schu­bert in An­leh­nung an zwei deut­lich eta­blier­te­re Kol­le­gen, Jo­sé Mour­in­ho („The Spe­cial One“) und Jür­gen Klopp („The Nor­mal One“), in­zwi­schen ge­nannt wird. Das Vo­tum wür­de mög­li­cher­wei­se na­he­zu ein­stim­mig aus­fal­len. Die Ar­gu­men­ta­ti­on pro Schu­bert: Eberl sucht den „neu­en per­fek­ten Trai­ner“Und wel­cher Trai­ner ist per­fekt? Der, der Er­folg hat.

So macht Schu­bert Wer­bung in ei­ge­ner Sa­che: Er ge­winnt ganz ein­fach. Vier Bun­des­li­ga­spie­le am Stück, und das 5:1 sei­nes Teams in Frank­furt, das war sein bis­he­ri­ges Meis­ter­stück, fuß­bal­le­risch und tak­tisch. In der ers­ten Halb­zeit ge­dul­dig-do­mi­nant wie in bes­ten Fav­re-Zei­ten, nach der Pau­se fu­ri­os kon­ternd und tor­hung­rig. Spie­len die Bo­rus­sen nun „Fa-Schu“(Fav­reSchu­bert-Stil) oder schon „Schu­Fa“(Schu­bert-Fav­re-Stil)? So oder so: „Die Mi­schung passt ge­nau“, stellt Tor­wart Yann Som­mer fest, sagt aber auch: „Wir ha­ben bei Lu­ci­en Fav­re ähn­lich ge­spielt, nur in den ers­ten fünf Spie­len der Sai­son hat es nicht ge­passt.“So sieht es auch Gra­nit Xha­ka: „Wir ha­ben grund­sätz­lich nicht viel ge­än­dert, wir pres­sen viel­leicht jetzt et­was mehr als vor­her. Der ent­schei­den­de Un­ter­schied ist, dass wir jetzt ein­fach die To­re ma­chen.“14 schos­sen er und sei­ne Kol­le­gen in vier Li­ga­spie­len, vor­her wa­ren es zwei in fünf Par­ti­en. Nur in ei­nem Spiel un­ter Schu­bert klapp­te die Tor­pro­duk­ti­on nicht so recht – in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen Man­ches­ter Ci­ty (1:2). Da wur­den bes­te Chan­cen und ein Elf­me­ter ver­ge­ben, und es gab die ein­zi­ge Nie­der­la­ge, seit der 44-jäh­ri­ge Trai­ner ist.

In­te­rims­trai­ner, ge­nau­er ge­sagt. Ein Mann für den Über­gang. Aber, und da soll es mal haar­spal­te­risch wer­den: Was ge­nau be­deu­tet „In­te­rims“, wenn der Zei­t­raum nicht klar de­fi­niert ist, so wie in Glad­bach? Und ist letzt­lich nicht je­der Trai­ner nur ei­ner für den Über­gang? Der Trai­ner sei ein Pas­sant, ei­ner der kommt und geht, so hat es Bo­rus­si­as Prä­si­di­ums­mit­glied Hans Mey­er mal for­mu­liert. Schu­bert ist Trai­ner und bleibt es, bis ein an­de­rer kommt. Dass er sich mit je­dem wei­te­ren Sieg den Sta­tus­wech­sel zum Chef­trai­ner nä­hert, ist ei­ne Denk- op­ti­on. Zu­mal, wenn er jetzt auch noch in der Cham­pi­ons Le­ague Er­folg ha­ben soll­te.

Heu­te be­treut er die Bo­rus­sen zum zwei­ten Mal in Eu­ro­pas Top­Li­ga, so oft wie kein an­de­rer Glad­ba­cher Trai­ner vor ihm. Die Meis­ter­trai­ner Weis­wei­ler und Lat­tek star­te­ten im Vor­gän­ger­wett­be­werb, dem Eu­ro­pa­po­kal der Lan­des­meis­ter. Fakt ist: So, wie die Bo­rus­sen zu­letzt spiel­ten, sind sie auch für das Star­ensem­ble von Ju­ven­tus Tu­rin ein un­an­ge­neh­mer Spiel­part­ner. „Tu­rin wird si­cher nicht er­freut ge­we­sen sein, uns aus Los­topf vier be­kom­men zu ha­ben“, ver­mu­tet Eberl. Al­ler­dings merk­te Vi­ze-Prä­si­dent Rai­ner Bon­hof an, dass „Juve“in der Cham­pi­ons Le­ague auch ei­ne an­de­re Num­mer sei als in der Se­rie A, wo es der­zeit et­was rum­pelt bei der „al­ten Da­me“. Den­noch: Glad­bach will zum ers­ten Mal punk­ten.

FO­TO: AP

An­zug statt Pull­over: An­dré Schu­bert in der Cham­pi­ons Le­ague

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