Lan­des­fürs­ten ma­chen Niers­bach Druck

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA UND RO­BERT PE­TERS

Die DFB-Ba­sis ver­langt Auf­klä­rung dar­über, was mit den omi­nö­sen 6,7 Mil­lio­nen Eu­ro ge­sche­hen ist.

DÜSSELDORF Am Mon­tag­abend sind in Frank­furt am Main die Lan­des­fürs­ten des Deut­schen Fuß­ball­Bun­des ( DFB) zu­sam­men­ge­kom­men. Es war ei­ne tur­nus­mä­ßi­ge Sit­zung des Gre­mi­ums, die Ta­ges­ord­nung wur­de al­ler­dings nur von ei­nem The­ma be­stimmt: Gab es „schwar­ze Kas­sen“rund um die Welt­meis­ter­schaft 2006 in Deutsch­land? Die Stim­mung soll auf­ge­wühlt ge­we­sen sein. Ei­ne Mi­schung aus Sor­ge, Wut und Un­ver­ständ­nis.

In die­sem Gre­mi­um der fünf Re­gio­nal- und 21 Lan­des­ver­bän­de sit­zen aus­schließ­lich Ver­tre­ter des Ama­teur­sports. Sie re­prä­sen­tie­ren den über­wäl­ti­gen­den Teil der fast sie­ben Mil­lio­nen Mit­glie­der im größ­ten Sport­ver­band der Welt. Ih­nen vor al­lem ist der Prä­si­dent ver­pflich­tet, oh­ne die Stim­men der Ama­teu­re geht nichts.

Eu­gen Geh­len­borg ver­tritt als ei­ner von fünf Re­gio­nal­prä­si­den­ten den Nor­den. Der 67-Jäh­ri­ge sagt: „Die Stim­mung ist na­tür­lich nicht die al­ler­bes­te im Au­gen­blick.“Wolf­gang Niers­bach war auch in der Ver­bands­zen­tra­le an der Ot­to-FleckSchnei­se – zwi­schen Kri­sen­sit­zun­gen und vor der Rei­se zum Fi­fa-Exe­ku­tiv­ko­mi­tee nach Zü­rich.

Der DFB-Prä­si­dent ha­be vor al­lem um Ver­ständ­nis ge­wor­ben, be­rich­tet ei­ner der Teil­neh­mer. Er ha­be ver­sucht, Vor­wür­fe zu ent­kräf­ten. Aber er sag­te auch, wie schwie­rig es sei, ei­ni­ge Geld­flüs­se nach­zu­voll­zie­hen. For­mal kön­ne bei der Über­wei­sung von 6,7 Mil­lio­nen Eu­ro auf ein Kon­to der Fi­fa so­gar al­les mit rech­ten Din­gen ge­lau­fen sein. Auf dem Über­wei­sungs­trä­ger könn­te al­so als Ver­wen­dungs­zweck: „Kul­tur­pro­gramm bei der WM“an­ge­ge­ben wor­den sein.

Aber was ist mit je­nen 6,7 Mil­lio­nen Eu­ro pas­siert, die der „Spie­gel“als Haupt­in­diz da­für sieht, dass Stim­men für die WM-Ver­ga­be 2006 ge­kauft wor­den sei­en? Das Kul­tur­pro­gramm hat es je­den­falls nicht ge­ge­ben, die da­mit zu viel ge­zahl­te Sum­me wur­de nie zu­rück­ge­for­dert.

„Die er­ho­be­nen An­schul­di­gun­gen tref­fen uns al­le schwer. Es gibt Din­ge, die nun ge­klärt wer­den müs­sen. Es muss ei­ne schnel­le und gründ­li­che Un­ter­su­chung ge­ben. Das sind wir dem Fuß­ball schul­dig“, sagt Geh­len­borg. „Ne­ben ex­ter­ner Hil­fe durch die Kanz­lei Fresh­fiel­ds set­ze ich auch gro­ßes Ver­trau­en in die Ar­beit des DFB-Kon­troll­aus­schus­ses. Die nö­ti­ge Kom­pe­tenz ist in dem Gre­mi­um vor­han­den. Was schief ge­lau­fen ist, muss auf­ge­klärt wer­den.“Niers­bach hat­te noch am Frei­tag be­haup­tet, der DFB un­ter­su­che den Vor­gang seit Mo­na­ten.

Doch we­der der Kon­troll­aus­schuss des Ver­bands, noch Fresh­fiel­ds wa­ren dar­an be­tei­ligt. Das be­haup­tet je­den­falls das Fach­ma­ga­zin „Juve“. Die in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Kanz­lei soll da­nach erst seit Kur­zem mit dem Fall be­traut ge­we­sen sein. Hat Niers­bach auf ei­ge­ne Faust re­cher­chiert – vor­bei an al­len sei­nen Ver­trau­ten? Das ist schwer zu glau­ben, auch wenn die Mehr­zahl der Prä­si­di­ums­mit­glie­der erst am Frei­tag von der in­ter­nen Un­ter­su­chung er­fah­ren ha­ben will. Noch kann sich Niers­bach der Loya­li­tät des Prä­si­di­ums si­cher sein. Doch wie lan­ge? „Ich ge­he da­von aus, dass die Vor­wür­fe ge­gen den DFB zeit­nah ent­kräf­tet wer­den kön­nen“, er­klärt Geh­len­borg, im höchs­ten Ver­bands­gre­mi­um zu­stän­dig für So­zi­al- und Ge­sell­schafts­po­li­tik. Von Niers­bach wer­de zeit­nah Auf­klä­rung ver­langt. Am bes­ten schon am nächs­ten Frei­tag. Dann tagt das Prä­si­di­um in Dort­mund.

Der­zeit ist nicht ab­seh­bar, wie es um die Lei­dens­fä­hig­keit der Lan­des­ver­bän­de be­stel­lt ist. Es ge­be kei­ne Rück­tritts­for­de­run­gen aus den Rei­hen der Lan­des­ver­bän­de, be­teu­ern Teil­neh­mer des Ge­sprächs in Frank­furt. Viel­sa­gend hin­zu­ge­fügt wird aber auch: Die­se Fra­ge müs­se Niers­bach für sich ent­schei­den.

In Er­klä­rungs­not ge­rät auch sein Vor­gän­ger. Theo Zwan­zi­ger ge­hört zu je­nen, die laut­stark Auf­klä­rung über den Ver­bleib der 6,7 Mil­lio­nen Eu­ro ver­lan­gen. Da­bei war er im WM-Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee für die Fi­nan­zen zu­stän­dig und un­ter­zeich­ne­te die Über­wei­sung an die Fi­fa. Er hat das Geld nie zu­rück­ge­for­dert, auch nicht in sei­ner Prä­si­dent­schaft von 2006 bis 2012. Aber er ver­spricht für das Wo­che­n­en­de ei­ne um­fang­rei­che Er­klä­rung.

Der DFB de­men­tiert un­ter­des­sen Me­dien­be­rich­te, nach de­nen er ei­ne An­zei­ge we­gen des Ver­dachts der Un­treue ge­gen Zwan­zi­ger prü­fe. „Das ent­behrt je­der Grund­la­ge“, sagt Rai­ner Koch, ei­ner der Vi­ze­prä­si­den­ten. Der Ver­band weist frei­lich auch Zwan­zi­gers Darstel­lung zu­rück, er ha­be Niers­bach seit drei Jah­ren um Auf­klä­rung ge­be­ten. „Das kann schon des­halb nicht stim­men, weil der letz­te per­sön­li­che Kon­takt aus dem No­vem­ber 2013 da­tiert“, sagt Me­di­en­di­rek­tor Ralf Kött­ker der „Bild“-Zei­tung, „wenn es aus der Sicht von Dr. Zwan­zi­ger et­was auf­zu­klä­ren gab, dann stellt sich die Fra­ge, war­um er es nicht in sei­ner Amts­zeit als Prä­si­dent ge­macht hat.“

FO­TO: AP

Im Mit­tel­punkt: DFB-Prä­si­dent Wolf­gang Niers­bach.

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