215 Bür­ger­meis­ter aus NRW for­dern Asyl-Ober­gren­ze

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON DET­LEV HÜWEL

Die Ver­wal­tungs­chefs be­kla­gen in ih­rem Brief an Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, ih­re Städ­te sei­en bei der Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen am En­de ih­rer Leis­tungs­fä­hig­keit.

DÜSSELDORF Die Städ­te schla­gen Alarm: In dem Brief, der auch an Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) ge­rich­tet ist, er­klä­ren die 215 Mit­glie­der des Städ­te- und Ge­mein­de­bun­des NRW, dass bei ih­nen na­he­zu al­le Un­ter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft sei­en, so dass kaum noch Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men wer­den könn­ten. Der Be­trieb der Un­ter­künf­te bin­de schon jetzt so viel Per­so­nal, dass „vie­le an­de­re Pflicht­auf­ga­ben nicht oder nur noch sehr ein­ge­schränkt“er­füllt wer­den könn­ten.

In ei­nem Acht-Punk­te-Plan for­dern die Bür­ger­meis­ter vom Bund, ei­ge­ne Erst­auf­nah­me­zen­tren zu er­rich­ten, in de­nen al­le Flücht­lin­ge re­gis­triert wer­den sol­len, be­vor sie auf Ein­rich­tun­gen des Bun­des und der Län­der ver­teilt wer­den. Nur so kön­ne der un­kon­trol­lier­te Zu­zug un­ter­bun­den wer­den. Der Bund sol­le min­des­tens die Hälf­te al­ler Flücht­lin­ge auf­neh­men, be­treu­en und sie bei Ab­leh­nung des Asyl­an­trags in ih­re Hei­mat­län­der zu­rück­füh­ren. Für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen müs­se es Ober­gren­zen ge­ben, die von der EU fest­ge­legt wer­den und an die sich al­le EU-Mit­glieds­län­der zu hal­ten hät­ten. Ge­for­dert wird auch ei­ne EU-wei­te Har­mo­ni­sie­rung der na­tio­na­len Asyl­ge­set­ze.

Im Streit um die Flücht­lings­pau­scha­le in NRW hat das Land ges­tern den Städ­ten für das nächs­te Jahr 10.000 Eu­ro pro Flücht­ling (833 Eu­ro im Mo­nat) an­ge­bo­ten. Da­mit kom­men In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger und Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (bei­de SPD) der For­de­rung der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de nach. Al­ler­dings gibt es laut In­nen­mi­nis­te­ri­um noch kei­ne Über­ein­kunft über das Ge­samt­pa­ket, weil für 2017 noch ver­han­delt wer­den müs­se. Das Land, so heißt es, wür­de 2016 knapp zwei Mil­li­ar­den Eu­ro für Flücht­lin­ge aus- ge­ben. Der Bund wol­le zwar mo­nat­lich 670 Eu­ro pro Kopf zah­len, aber nur für fünf­ein­halb Mo­na­te wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens.

Die Bun­des­re­gie­rung hat un­ter­des­sen laut „Bild“-Zei­tung ein Maß­nah­men­pa­ket zur Be­schleu­ni­gung von Asyl­ver­fah­ren und für schnel­le­re Ab­schie­bun­gen be­schlos­sen. Dem­nach plant der Bund Ver­hand­lun­gen mit den Her­kunfts­staa­ten über Rück­füh­run­gen von ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern. Für Ab­schie­bun­gen sol­len ne­ben Li­ni­en­flü­gen auch „Trans­all“Ma­schi­nen und Pi­lo­ten der Bun­des­wehr ein­ge­setzt wer­den.

Ab­schie­bun­gen sol­len nicht mehr an­ge­kün­digt wer­den, da­mit Asyl­be­wer­ber kei­ne Ge­le­gen­heit hät­ten un­ter­zu­tau­chen. Um die ho­he Zahl an ge­dul­de­ten Flücht­lin­gen zu ver­rin­gern, wol­le der Bund die ent­spre­chen­den Kri­te­ri­en über­prü­fen. Ge­plant sei­en auch die Ein­rich­tung von Tran­sit­zo­nen so­wie ei­ne Aus­set­zung des Win­ter-Ab­schie­be­stopps in den Bun­des­län­dern. Auch über Mög­lich­kei­ten, recht­li­che Ein­sprü­che ge­gen ge­plan­te Ab­schie­bun­gen ein­zu­schrän­ken, wer­de nach­ge­dacht.

Mer­kel und wei­te­re eu­ro­päi­sche Staats- und Re­gie­rungs­chefs wer­den am Sonn­tag bei ei­nem Spit­zen­tref­fen in der Brüs­se­ler EU-Kom­mis­si­on über ei­ne Ent­schär­fung der chao­ti­schen Zu­stän­de auf der Bal­kan­rou­te spre­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.