Wer ar­bei­tet am meis­ten?

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON STE­PHAN RICH­TER

In der Eu­ro-Kri­se ist im­mer wie­der die Re­de da­von ge­we­sen, in ei­ni­gen Staa­ten wer­de nicht ge­nug ge­ar­bei­tet. Der flei­ßi­ge Deut­sche müs­se schuf­ten und da­bei zu­se­hen, wie all­zu be­que­me EU-Part­ner es sich gut ge­hen las­sen oder so­gar Un­ter­stüt­zung for­dern, statt selbst mehr zu ar­bei­ten. Un­se­re Fra­ge: In wel­chem Land wer­den pro Jahr die meis­ten Ar­beits­stun­den ge­leis­tet?

B USA

C Deutsch­land

D Süd­ko­rea

Im Jahr 2013 ar­bei­te­te je­der Ame­ri­ka­ner im Durch­schnitt 1788 St­un­den. Vor dem Be­ginn der Fi­nanz- und Wirt­schafts­kri­se wa­ren es 1800. Die Ame­ri­ka­ner kom­men rein rech­ne­risch auf 44,7 Ar­beits­wo­chen à 40 Wo­chen­stun­den. Da­bei ist die Pro­duk­ti­vi­tät sehr hoch. Die Wohl­stands­ge­win­ne wer­den al­ler­dings sehr un­gleich ver­teilt. Vor al­lem ha­ben die Löh­ne mit dem Pro­duk­ti­vi­täts­wachs­tum nicht mehr Schritt ge­hal­ten. Auf die­se Wei­se ha­ben die Fir­men über Jah­re Re­kord­ge­win­ne er­zie­len kön­nen und ih­re Füh­rungs­eta­gen fürst­lich ent­lohnt. Zwar er­zie­len die Ame­ri­ka­ner mit ei­nem Bei­trag zum Brut­to­in­lands­pro­dukt pro Ar­beits­stun­de in Hö­he von 66 Dol­lar ei­nen Wert weit jen­seits des grie­chi­schen. Sie müs­sen aber, an­ders als die Deut­schen, viel Ar­beits­zeit in­ves­tie­ren, weil sie an Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­nen nicht an­ge­mes­sen be­tei­ligt wer­den. FALSCH Deut­sche Ar­beit­neh­mer brach­ten es im Schnitt 2013 nur auf 1363 Ar­beits­stun­den pro Jahr. Das ist der nied­rigs­te Wert al­ler 34 OECD-Staa­ten. Über­tra­gen auf ei­ne 40-St­un­den-Wo­che er­gibt sich rech­ne­risch, dass je­der Deut­sche nur 34 Wo­chen im Jahr ar­bei­tet. Die­se Wer­te ge­hen vor al­lem dar­auf zu­rück, dass mehr als ein Fünf­tel al­ler Be­schäf­tig­ten Teil­zeit ar­bei­tet. Ähn­lich we­nig ar­bei­te­ten Nor­we­ger (1408) und Nie­der­län­der (1421). Die Fran­zo­sen ar­bei­ten im­mer­hin 1489, die Bri­ten so­gar 1669 St­un­den. Auf der an­de­ren Sei­te über­tref­fen die Deut­schen mit ih­rer Pro­duk­ti­vi­tät den Zu­wachs der Wirt­schafts­leis­tung je Ar­beits­stun­de der Grie­chen um 72 Pro­zent. Da die Löh­ne an die Pro­duk­ti­vi­tät ge­kop­pelt und die Wohl­stands­ge­win­ne re­la­tiv breit ver­teilt sind, ar­bei­ten die Deut­schen we­ni­ger und er­zie­len den­noch hö­he­re Re­al­ein­kom­men. FALSCH Die meis­ten Ar­beits­stun­den wur­den 2013 in Süd­ko­rea ge­leis­tet: Mit 2163 St­un­den lie­gen die Süd­ko­rea­ner an der Spit­ze der OECD-Staa­ten. Noch vor kaum ei­nem hal­ben Jahr­hun­dert war das Land ein ar­mer Agrar­staat und hat dann mit mu­ti­gen Re­for­men ei­nen Auf­hol­pro­zess ge­star­tet, der sei­ner Be­völ­ke­rung mas­siv ver­bes­ser­te Le­bens­be­din­gun­gen ge­bracht hat. Da­zu ist ei­ne be­son­ders aus­ge­präg­te Ar­beits­mo­ral er­for­der­lich. Heu­te be­trägt das ProKopf-Ein­kom­men laut Welt­bank fast 35.000 US-Dol­lar – fast schon der EUDurch­schnitt. Noch be­mer­kens­wer­ter ist, dass Süd­ko­rea schon bald zu Ja­pan auf­schlie­ßen wird. Die Ja­pa­ner er­ar­bei­ten sich ihr Ein­kom­men al­ler­dings mit nur 1734 Ar­beits­stun­den pro Jahr. RICH­TIG

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