Mer­kel setzt IG Me­tall we­gen TTIP zu

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

Die Kanz­le­rin be­män­gelt die Ab­leh­nung des Frei­han­dels­ab­kom­mens.

FRANK­FURT/M. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ist gut ge­launt, als sie ans Red­ner­pult in der Frank­fur­ter Mes­se vor Hun­der­te IG-Me­tall-De­le­gier­te tritt. Ge­ra­de hat ein Hel­fer der 1,65 Me­ter gro­ßen CDU-Po­li­ti­ke­rin das ver­stell­ba­re Po­di­um her­un­ter­ge­fah­ren, da frot­zelt die Re­gie­rungs­che­fin fröh­lich: „Dan­ke, so klein bin ich auch nicht.“Und fügt spöt­telnd hin­zu, we­gen ih­rer Kurz­sich­tig­keit wer­de sie nun eher Pro­ble­me ha­ben, den Text ih­rer Re­de zu ent­zif­fern.

Doch von text­li­cher Un­si­cher­heit ist an­schlie­ßend nichts zu spü­ren. Mer­kel ab­sol­viert ei­nen Par­force­ritt durch die The­men, die der Ge­werk­schaft der­zeit un­ter den Nä­gel bren­nen: Werk­ver­trä­ge, Leih­ar­beit, Di­gi­ta­li­sie­rung, Flücht­lings­fra­ge, ab­neh­men­de Ta­rif­bin­dung.

Doch es ist ins­be­son­de­re ein Kom­plex, bei dem sich die Kanz­le­rin der­art in Ra­ge re­det, dass sich ih­re Stim­me fast über­schlägt und man ih­re Wut spürt: Es geht um TTIP, das von Ge­werk­schafts­sei­te ab­ge­lehn­te Frei- han­dels­ab­kom­men zwi­schen Eu­ro­pa und den USA. Die Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen hat­ten erst vor we­ni­gen Ta­gen in Berlin mehr als 150.000 Men­schen mo­bi­li­siert, die das Ab­kom­men für Teu­fels­zeug hal­ten. Nicht ge­ra­de Rü­cken­wind für die Ver­hand­lun­gen mit den Ame­ri­ka­nern.

„Sie ha­ben nie gro­ßen Ein­spruch ein­ge­legt zum Bei­spiel bei Han­dels­ab­kom­men mit Süd­ko­rea, nie gab es gro­ße ge­werk­schaft­li­che Pro­tes­te“, warf Mer­kel ih­ren Zu­hö­rern vor. „Und jetzt plötz­lich to­ta­le Ab­leh- nung.“Es wer­de so ge­tan, als sei­en die USA ein Land, von dem man nur das Schlimms­te er­war­ten müss­te. Bei TTIP ge­he es nicht nur um den Ab­bau von Zöl­len, son­dern viel­mehr um ein­heit­li­che Tech­nik­stan­dards – et­wa im Fahr­zeug­bau, aber auch im Ver­brau­cher- und Um­welt­schutz. All dies wer­de zu er­heb­li­chen Kos­ten­vor­tei­len füh­ren. Sie hal­te das an­ge­streb­te Ab­kom­men für ei­nen ver­nünf­ti­gen Schritt, die Glo­ba­li­sie­rung zu gestal­ten. Ein Ab­kom­men zwi­schen den bei­den größ­ten Wirt­schafts­räu­men der Welt wür­de welt­weit ho­he Stan­dards set­zen. Mer­kel warn­te die Ge­werk­schaft da­vor, bei Fest­hal­ten an der ab­leh­nen­den Hal­tung der Volks­wirt­schaft ein Ei­gen­tor zu schie­ßen.

Ge­gen En­de ih­rer TTIP-Aus­füh­rung blitzt dann noch ein­mal der Hu­mor der Kanz­le­rin auf. Mit Blick auf die Buh-Ru­fe bei ih­rem Auf­tritt auf dem Ver­di-Bun­des­kon­gress vor we­ni­gen Wo­chen zum glei­chen The­ma sagt Mer­kel schmun­zelnd: „Es ist bei Ih­nen stil­ler als bei Ver­di. Da bin ich ganz be­ru­higt.“

FOTO: DPA

An­ge­la Mer­kel beim Ge­werk­schafts­tag der IG Me­tall.

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