Der Schön­heit ei­ne Chan­ce ge­ben

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON PE­TER KLUCKEN

Der Künst­ler Heinz Mack stellt im Duis­bur­ger Mu­se­um Küp­pers­müh­le bis­lang nie aus­ge­stell­te Wer­ke aus.

DUIS­BURG Am 8. März 1931 er­blick­te Heinz Mack das Licht der Welt. Und das „Licht der Welt“ist seit mehr als 60 Jah­ren sein künst­le­ri­sches The­ma. Längst ist Mack, der 1957 mit Ot­to Pie­ne die Künst­ler­be­we­gung „Ze­ro“grün­de­te (Gün­ther Ue­cker kam vier Jah­re spä­ter hin­zu), ei­ne le­ben­de Künst­ler­le­gen­de. In sei­ner Vi­ta kann er mehr als 300 gro­ße Ein­zel­aus­stel­lun­gen auf­lis­ten. Den­noch sei die Schau, die ges­tern im Duis­bur­ger Mu­se­um Küp­pers­müh­le er­öff­net wur­de, et­was Be­son­de­res, sagt Mack. Ge­zeigt wer­den mit ganz we­ni­gen Aus­nah­men nur Wer­ke, die bis­lang noch nie zu­vor öf­fent­lich aus­ge­stellt wor­den sind.

Mack sieht sich sel­ber als „Hand­wer­ker“. Be­zeich­nen­der­wei­se zeigt das ers­te Foto im Ka­ta­log die vor ei­nem Ar­beits­kit­tel ver­schränk­ten Hän­de des Künst­lers. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Grö­ßen der in­ter­na­tio­na­len Kunst, die ei­ne Viel­zahl von „As­sis­ten­ten“be­schäf­ti­gen, ma­che er „al­les sel­ber“. Im Pres­se­ge­spräch er­zähl­te Mack, dass er jüngst wie­der ein­mal vier Wo­chen in sei­nem Ate­lier auf Ibi­za täg­lich sechs bis sie­ben St­un­den ge­ar­bei­tet ha­be, „un­ge­stört durch Han­dy-An­ru­fe, da ich kein Han­dy be­sit­ze“.

In der Duis­bur­ger Aus­stel­lung wer­den zum ei­nen Macks groß­for­ma­ti­ge, farb­in­ten­si­ve Ge­mäl­de ge­zeigt. Zum an­de­ren aber auch sei­ne Skulp­tu­ren, die auf geo­me­tri­schen Gr­und­for­men be­ru­hen oder als ki­ne­ti­sche Ob­jek­te kon­stru­iert sind. Ab­ge­run­det wird die Aus­stel­lung mit do­ku­men­ta­ri­schem Ma­te­ri­al, schließ­lich kann man in Mack ei­ne ver­kör­per­te Kunst­ge­schich­te von 1957 bis zur Ge­gen­wart se­hen.

Mack will als Künst­ler dem Elend der Welt et­was ent­ge­gen­set­zen. Er ver­sucht, op­ti­mis­tisch in die Welt zu bli­cken. Er sei al­lein des­halb schon froh, „dass ich noch im­mer hier sein kann“. Vie­le sei­ner Künst­ler­freun­de sei­en ge­stor­ben, zu­letzt Ot­to Pie­ne (1928–2014). Zu sei­nem Op­ti­mis­mus ge­hört aber auch, dass er der „Schön­heit in der Kunst ei­ne Chan­ce ge­ben“möch­te.

In die­sem Sin­ne kann man Macks Wer­ke tat­säch­lich mit dem alt­mo­di- schen Wort „far­benfroh“be­zeich­nen. Sei­ne Ar­bei­ten schei­nen das Licht beim Durch­gang durch ein Spek­trum in ab­ge­stuf­ten To­na­li­tä­ten ein­zu­fan­gen. Die For­men schei­nen da­bei spon­ta­ne Er­fin­dun­gen zu sein. „Far­ben sind nicht nur et­was für die Au­gen, son­dern auch et­was für den Geist“, so Mack. Ein Hö­he­punkt der Aus­stel­lung ist ein be­geh­ba­rer Far­b­raum, eben je­nes im Ti­tel be­zeich­ne­te Ate­lier für Apol­lo: Sie­ben Farbs­te­len, mit in­ten­si­ven Far­ben be­mal­te Wän­de und ein spe­zi­el­ler Tep­pich­bo­den (Stö­ckel­schu­he ver­bo­ten!) sol­len für ei­ne po­si­ti­ve Au­ra sor­gen, was stim­men könn­te.

So freund­lich wie Heinz Mack ges­tern über die Schön­heit sprach, so harsch war sei­ne Kri­tik ge­gen­über ei­ni­gen Mu­se­en; dar­un­ter das Duis­bur­ger Lehm­bruck-Mu­se­um, das sich im Un­ter­ti­tel Zen­trum für Skulp­tur nennt. Die­ses Mu­se­um be­fin­de sich im Win­ter­schlaf, glei­che ei­nem Fried­hof, sag­te Mack. Auf Nach­fra­ge zeig­te er sich nach­hal­tig er­zürnt dar­über, dass im Lehm­bruck-Mu­se­um ei­ne Aus­stel­lung zum 80. Ge­burts­tag von Ot­to Pie­ne nicht zu­stan­de ge­kom­men sei. In­fo bis 31. Ja­nu­ar. An­schrift: Phi­lo­so­phen­weg 55 in Duis­burg. Öff­nungs­zei­ten: mitt­wochs von 14 bis 18 Uhr, don­ners­tags bis sonn­tags von 11 bis 18 Uhr. Tel. 0203 30194810. In­fo im In­ter­net: www.mu­se­um-kuep­pers­mu­eh­le.de

FOTO: C. REICHWEIN

Der be­geh­ba­re Far­b­raum von Heinz Mack.

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