Drei Mon­ar­chen und ein Kanz­ler

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Drei Mon­ar­chen wa­ren am 22. Ok­to­ber 1873 zu­sam­men­ge­tre­ten. Wil­helm I., zwei­ein­halb Jah­re zu­vor in Ver­sailles zum deut­schen Kai­ser ge­krönt, Franz-Jo­seph I., Herr­scher über die Dop­pel­mon­ar­chie Ös­ter­reich-Un­garn, so­wie der rus­si­sche Zar Alexander II. Der vi­el­leicht mäch­tigs­te Mann am Ver­hand­lungs­tisch war aber ein an­de­rer: Ot­to von Bis­marck. Der deut­sche Reichs­kanz­ler setz­te an die­sem Tag mit dem so­ge­nann­ten Drei­kai­ser­ab­kom­men ei­nen wich­ti­gen Teil sei­ner Au­ßen­po­li­tik durch. Das Bünd­nis zwi­schen dem deut­schen Reich, Ös­ter­reich-Un­garn und Russ­land soll­te den Frie­den in Eu­ro­pa si­chern. Die Ver­trags­part­ner ver­spra­chen in all­ge­mein ge­hal­te­nen For­mu­lie­run­gen, sich im Fal­le ei­nes Kon­flikts mit ei­ner vier­ten Groß­macht ge­gen­sei­tig zu kon­sul­tie­ren und ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie zu be­spre­chen. Bis­marck ver­hin­der­te da­durch die dro­hen­de An­nä­he­rung zwi­schen Frank­reich und Russ­land; Frank­reich war nun weit­ge­hend iso­liert in Eu­ro­pa. Lang­fris­tig Be­stand hat­te der Pakt aber nicht. Als Russ­land wäh­rend der Ori­ent­kri­se 1875–1878 die Bal­kan­staa­ten ge­gen das Os­ma­ni­sche Reich un­ter­stütz­te, brach das Ab­kom­men aus­ein­an­der. Ab 1880 be­müh­te sich Bis­marck er­neut um ein Bünd­nis der drei Mon­ar­chen: 1881 setz­te er dies mit dem Drei­kai­ser­bund, ei­nem ge­hei­men Neu­tra­li­täts­ver­trag zwi­schen Deutsch­land, Ös­ter­reich-Un

garn und Russ­land, durch.

TEXT: JENI / FOTO: DPA

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