Le­go ge­hen zu Weih­nach­ten die St­ei­ne aus

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON AN­DRÉ AN­WAR

Der dä­ni­sche Spiel­zeug­her­stel­ler kommt mit der Pro­duk­ti­on nicht nach. Das Fei­er­tags­ge­schäft ist ge­fähr­det.

STOCK­HOLM Vor gut zehn Jah­ren stand der dä­ni­sche Spiel­zeug­her­stel­ler Le­go noch vor dem Un­ter­gang. Die al­ter­tüm­li­chen Plas­tik­stein­chen er­schie­nen Spiel­zeu­gen wie dem Game­boy und der Play­sta­ti­on un­ter­le­gen. Dann ge­lang dem Kon­zern – mit­ten im di­gi­ta­len Zeit­al­ter – ei­ne na­he­zu mär­chen­haf­te Auf­hol­jagd.

Doch die Nach­fra­ge nach den bun­ten Klötz­chen ist in­zwi­schen so groß, dass man­che Kin­der zu die­sem Weih­nachts­fest leer aus­ge­hen könn­ten. Der Kon­zern kom­me nicht hin­ter­her mit der Pro­duk­ti­on, sagt Kat­ha­ri­na Red­monds, Le­go-Spre­che­rin für Deutsch­land, Ös­ter­reich und die Schweiz. „Wir und auch die Händ­ler ha­ben nicht mit ei­nem so gro­ßen Be­darf ge­rech­net. Al­lein im ers­ten Halb­jahr ist der Ver­kauf um 18 Pro­zent ge­stie­gen“, sagt sie. „Zwar kön­nen wir noch al­le be­reits ein­ge­gan­ge­nen Be­stel­lun­gen recht­zei­tig aus­lie­fern, aber bei al­len wei­te­ren ist das un­ge­wiss“, sagt sie.

In wel­chen eu­ro­päi­schen Län­dern der Eng­pass am größ­ten sein wird, kön­ne das Un­ter­neh­men noch nicht ab­se­hen. Der­zeit gibt es Fa­b­ri­ken in Me­xi­ko, Un­garn und in Dä­ne­mark. De­ren Ka­pa­zi­tä­ten sol­len laut der ak­tu­el­len Kon­zern­mel­dung bis zum Jahr 2022 kräf­tig aus­ge­baut wer­den, da­mit es in Zu­kunft kei­ne Pro­ble­me mehr zur Weih­nachts­zeit gibt. Hin­zu kommt ei­ne neue Fa­b­rik in Chi­na. Le­go ist in­zwi­schen von den Ver­kaufs­zah­len her der größ­te Spiel­zeug­kon­zern der Welt. Er ist so­gar grö­ßer als der ExMarkt­füh­rer Mat­tel aus den USA, der un­ter an­de­rem die in der Ver­gan­gen­heit häu­fig kri­ti­sier­ten Bar­bie­pup­pen pro­du

ziert. Im ers­ten Halb­jahr die­ses Jah­res stei­ger­te Le­go sei­nen welt­wei­ten Um­satz auf um­ge­rech­net 1,9 Mil­li­ar­den Eu­ro mit ei­nem Vor­steu­er­ge­winn von 618 Mil­lio­nen Eu­ro. Kon­kur­rent Mat­tel kam auf 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz und der US-Spiel­zeug­kon­zern Has­bro, der un­ter an­de­rem Mo­no­po­ly, die Trans­for­mers und Com­pu­ter­spie­le her­stellt, kam auf 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz.

Der Er­folg des noch heu­te im Fa­mi­li­en­be­sitz be­find­li­chen Le­go-Kon­zerns hängt mit drei Fak- to­ren zu­sam­men. 2004 be­rief der Ei­gen­tü­mer Kjeld Kirk Kris­ti­an­sen den da­mals erst 35-jäh­ri­gen McKin­sey-Be­ra­ter Jör­gen Knud­storp zum Fir­men­chef. Der re­no­vier­te das alt­ba­cke­ne Un­ter­neh­men grund­le­gend. In knall­har­ter McKin­sey-Ma­nier er­höh­te er die Ef­fi­zi­enz des in den Jahr­zehn­ten des Er­folgs wie ein Staats­ap­pa­rat auf­ge­bläh­ten Un­ter­neh­mens. Er ent­ließ mas­sen­haft Mit­ar­bei­ter, trenn­te sich von Mehr­heits­an­tei­len an schwa­chen Ge­schäfts­be­rei­chen wie den Le­goParks. Das Kin­der­klei­der­ge­schäft wur­de aus­ge­la­gert, ei­ne zu teu­re Fa­b­rik in der Schweiz ge­schlos­sen, die Pro­duk­ti­on in Bil­lig­lohn­län­der ver­la­gert. Wei­ter streif­te Knud­storp das al­ter­tüm­li­che Plas­tik­stein- Image ab und ver­schaff­te Le­go ei­nen Kult­sta­tus, in­dem er die Le­go­welt mit der ak­tu­el­len Ki­no­welt und der Ära der Com­pu­ter­spie­le ver­band.

Die drit­te und wich­tigs­te Säu­le des Er­folgs­re­zep­tes je­doch bleibt das seit der Pa­ten­tie­rung des Le­go­steins 1958 gleich­blei­ben­de Kon­zept, das auch heu­te noch funk­tio­niert: ein­fach zu­sam­men­setz­ba­re Kunst­stoff­s­tei­ne.

FO­TOS: DPA

Für die De­ko­ra­ti­on hat es noch ge­reicht, doch für den pri­va­ten Ge­brauch wer­den

die Le­go­Stei­ne knapp.

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