Theo Brau­er nahm Ab­schied vom Amt

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON MAT­THI­AS GRASS

Nach dem Zug der Ver­ei­ne durch die Kle­ver Ci­ty für ih­ren Bür­ger­meis­ter und dem Zap­fen­streich auf dem Ge­län­de der Hoch­schu­le Rhein-Waal fei­er­te Brau­er mit Weg­ge­fähr­ten sein Di­ens­ten­de. Blu­men­strauß für Son­ja Nort­hing.

KLE­VE Für ihn wa­ren die elf Jah­re im Amt als Bür­ger­meis­ter der Stadt Kle­ve ein Ge­schenk. „Ein Ge­schenk, ei­ne Gna­de“, sag­te Kle­ves schei­den­der Bür­ger­meis­ter Theo Brau­er am Abend nach dem Zap­fen­streich am En­de ei­ner teils aus­ge­las­se­nen, teils auch nach­denk­li­chen Ab­schieds­fei­er in der Kle­ver Stadt­hal­le. Brau­er re­de­te aus dem Ste­g­reif, re­de­te sich in Ra­ge und ließ so am En­de sei­ner Di­enst­zeit noch ein­mal das gro­ße Re­de-Ta­lent des Kle­ver Bür­ger­meis­ters auf­blit­zen.

Der Bür­ger­meis­ter a. D. blick­te zu­rück auf sei­ne po­li­ti­sche Ar­beit eben­so, wie auf sei­ne schu­li­sche Lauf­bahn als Leh­rer, streu­te auch im­mer wie­der Bon­mots ein: Er ha­be mit sei­nem Kol­le­gen ei­ne Un­ter- richts­stun­de oh­ne zu spre­chen ein­ge­übt – und das ihm, der doch so ger­ne re­det (die La­cher im Saal wa­ren ihm si­cher). Er freu­te sich noch­mals über die Wäh­ler, die ihm zwei­mal ihr Ver­trau­en ge­schenkt ha­ben. Wäh­ler, die es ihm wohl dank­ten, dass er ei­gent­lich nie das Amt vor sich her­trug, son­dern im­mer ver­such­te, stets auf Au­gen­hö­he mit sei­nem Ge­gen­über zu dis­ku­tie­ren, im­mer der „Theo“zu sein, nicht der „Herr“Bür­ger­meis­ter.

Sein Dank galt sei­nen Mit­ar­bei­tern, galt den „tol­len Leu­ten“, die er ken­nen­ge­lernt ha­be in sei­ner Zeit als Ers­ter Bür­ger der Stadt. Po­li­tisch er­in­ner­te er sich ger­ne an die An­fän­ge der schwarz-grü­nen Zu­sam­men­ar­beit, die schon über zehn Jah­re währt. Den­noch ha­be er stets ver­sucht, im Rat al­le Par­tei­en mit­zu- neh­men. „Wo­bei ei­ni­ge gar nicht mit­ge­nom­men wer­den woll­ten“, sag­te Brau­er. Je­dem Rats­mit­glied gel­te sein Dank für die gu­te Ar­beit für die Stadt Kle­ve. Es sei­en Rats­mit-

Joa­chim Schmidt glie­der, die für die­ses Eh­ren­amt ih­re Frei­zeit her­ge­ben. „Das ist ein Eh­ren­amt, das man un­ter­stüt­zen muss und nicht in Blogs nie­der­ma­chen darf“, brach Brau­er ei­ne Lan­ze für die so wich­ti­ge Kom­mu­nal­po­li­tik. Ihm ge­he es jetzt nach ei­ner so er­eig­nis­rei­chen Amts­zeit bes­tens: „Ich ha­be kei­ne Mi­nu­te be­reut, das Amt an­ge­nom­men zu ha­ben“, sag­te er. Er wünsch­te sei­ner Nach­fol­ge­rin viel Er­folg: „Es geht um Kle­ve, nicht um Per­so­nen“, riet er der neu­en Bür­ger­meis­te­rin Son­ja Nort­hing und über­reich­te ihr ei­nen di­cken Blu­men­strauß.

Zu­vor hat­te Kle­ves stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­meis­ter Joa­chim Schmidt in sei­ner Re­de den schei­den­den Amts­in­ha­ber ge­ehrt: „Theo, Du hast dich um die Stadt Kle­ve ver­dient ge­macht. Du warst in den schwie­ri­gen Zei­ten des Wan­dels ei­ne un­ver­wech­sel­ba­re Kon­stan­te“. Kle­ve ha­be ei­nen Bür­ger­meis­ter ge­habt, für den Em­pa­thie das Zau­ber­wort war. Er sei aber auch ei­ne Per­sön­lich­keit mit Ecken und Kan­ten ge­we­sen. Doch Schmidt warn­te auch mit Blick auf Köln vor der in In­ter- net­fo­ren oder Blogs ver­brei­te­ten Her­ab­wür­di­gung von Per­so­nen, die die Gren­zen des An­stan­des über­schrit­ten: „Zwi­schen übler Het­ze und tät­li­chem An­griff ist nur noch ein klei­ner Schritt“, mahn­te er. Da fra­ge man sich, wie der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker die Nä­he zum Bür­ger durch­hal­ten sol­le. Theo ha­be das ge­schafft, er ha­be sei­ne Leut­se­lig­keit nie auf­ge­ge­ben.

Brau­ers Re­fe­ren­tin­nen Da­nie­la Renne­cke und Mar­ti­na Wel­bers dank­ten mu­si­ka­lisch - mit Si­na­tra und dem „Sum­mer­ti­me-Blues“, dem sich Brau­er jetzt wohl hin­ge­ben darf. Die vie­len Pro­gramm­punk­te der ge­lun­ge­nen Fei­er bis Mit­ter­nacht ver­ban­den die bei­den Mo­de­ra­to­ren Bet­ti­na Key­sers und Hel­mut Veh­re­schild ge­konnt kurz­wei­lig.

„Theo, Du hast dich um

die Stadt Kle­ve ver­dient ge­macht.“

Stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­meis­ter

RP-FO­TOS (3): GOTT­FRIED EVERS

Nach­denk­lich am En­de sei­ner Di­enst­zeit: Bür­ger­meis­ter a.D. Theo Brau­er und sei­ne Frau Jut­ta.

Das Ge­schenk zum Ab­schied wur­de von Se­kre­tä­rin Bar­ba­ra La­mers und den Re­fe­ren­tin­nen Ma­ren Höl­scher und Mar­ti­na Wel­bers (v. l.) über­ge­ben. In der Mit­te Brau­er und sei­ne Frau Jut­ta (mit Blu­men).

Brau­er dank­te den engs­ten Mit­ar­bei­tern: Bar­ba­ra La­mers (rechts) und ih­re Vor­gän­ge­rin Mecht­hild Ger­ling-Wos­ni­ak (2.v.r.) so­wie den Fah­rern Karl-Heinz En­ge­len (2.v.l.) und Wil­li Hend­ricks (links).

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