Fi­fa-Ethik­kom­mis­si­on er­hebt An­kla­ge ge­gen Be­cken­bau­er

Rheinische Post Goch - - SPORT -

DÜSSELDORF/ZÜ­RICH (pet) Franz Be­cken­bau­er ist nicht nur durch die „Spie­gel“-Ge­schich­te über an­geb­li­che schwar­ze Kas­sen und Kor­rup­ti­on bei der Ver­ga­be der WM 2006 nach Deutsch­land ins Ge­re­de ge­ra­ten. Auch die Fi­fa-Ethik­kom­mis­si­on hat den deut­schen Fuß­ball-Kai­ser ins Vi­sier ge­nom­men. Sie schloss ih­re Un­ter­su­chun­gen, die min­des­tens seit dem Som­mer 2014 ge­führt wur­den, ab und er­hob ges­tern An­kla­ge ge­gen Be­cken­bau­er.

Es geht of­fen­bar um die Ver­ga­be der WM-Tur­nie­re 2018 nach Russ­land und 2022 nach Ka­tar. Dar­über hat­te im Jahr 2010 das Exe­ku­tiv­ko­mi­tee des Welt­ver­bands ent­schie­den, in dem Be­cken­bau­er saß. Wie al­le an­de­ren 21 Mit­glie­der des da­ma­li­gen Ko­mi­tees hat­te der 70-Jäh­ri­ge be­reits vor der Ethik­kom­mis­si­on aus­sa­gen müs­sen. Sie be­stä­tig­te noch im Ju­li ein Ver­fah­ren ge­gen den Eh­ren­prä­si­den­ten des FC Bay­ern München.

Vor gut ei­nem Jahr hat­te sie Be­cken­bau­er be­reits ein­mal mit ei­ner 90-Ta­ge-Sper­re be­legt, weil er auf ei­nen An­hö­rungs­bo­gen nicht ant­wor­ten woll­te. Sei­ne Be­grün­dung: Der Fra­ge­bo­gen sei auf eng­lisch ver- fasst. Spä­ter ant­wor­te­te er doch. Durch die Sper­re al­ler­dings, die ihm al­le Tä­tig­kei­ten im Fuß­ball für drei Mo­na­te un­ter­sag­te, reis­te Be­cken­bau­er auch nicht zur Welt­meis­ter­schaft nach Bra­si­li­en.

Seit län­ge­rer Zeit gibt es An­zei­chen da­für, dass bei der Ver­ga­be der Tur­nie­re an Ka­tar und Russ­land Kor­rup­ti­on im Spiel ge­we­sen sein könn­te. Selt­sa­me Zu­fäl­le wie die Tat­sa­che, dass der Sohn des Ko­mi­tee-Mit­glieds Mi­chel Pla­ti­ni nach der Ab­stim­mung für Ka­tar ei­nen gut do­tier­ten Job bei den Scheichs be­kam, näh­ren den Ver­dacht. Pla­ti­ni ist bis heu­te das ein­zi­ge Ko­mi­teeMit­glied, das of­fen sei­ne Un­ter­stüt­zung für Ka­tar er­klär­te. Be­cken­bau­er ließ sich vom rus­si­schen Staats­kon­zern „Gaz­prom“als Sport­bot­schaf­ter ver­pflich­ten – nach der Wahl Russ­lands.

Von den 22 Mit­glie­dern des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees, das 2010 im Amt war, sind neun Män­ner ge­sperrt – teil­wei­se le­bens­lang. Die pro­mi­nen­tes­ten sind Fi­fa-Prä­si­dent Sepp Blat­ter und Ue­fa-Prä­si­dent Mi­chel Pla­ti­ni. Die ehe­ma­li­gen Fi­fa-Vi­ze­prä­si­den­ten Jack Warner und Mo­ha­med bin Ham­mam sind auf Leb- zeit aus Sport­äm­tern ent­fernt wor­den. Is­sa Ha­ya­tou, der bis zum En­de von Blat­ters Sper­re den Welt­ver­band führt, wur­de vom In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee of­fi­zi­ell ge­rügt, weil er in ei­ne Kor­rup­ti­ons­af­fä­re um den Sport­ver­mark­ter ISL ver­wi­ckelt war.

Noch hat die Ethik­ko­mis­si­on den In­halt der An­kla­ge ge­gen Be­cken­bau­er nicht ver­öf­fent­licht. Ein Ur­teil wird der Aus­tra­li­er Alan Sul­li­van spre­chen. Sein Kol­le­ge in der recht­spre­chen­den Kam­mer, der Münch­ner Rich­ter Hans-Joa­chim Eckert, gilt als be­fan­gen.

FOTO: DPA

Franz Be­cken­bau­er wäh­rend ei­nes Fi­fa-Ter­mins.

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