DJK Kle­ve lebt die Will­kom­mens­kul­tur

Rheinische Post Goch - - SPORT LOKAL - VON STE­FAN BEI­SEL

Auf der Sport­an­la­ge im Stil­len Win­kel herrscht seit ei­ni­ger Zeit ein bun­tes Spra­chen­ge­misch. Durch den Kon­takt des Ver­eins zur Hoch­schu­le Rhein-Waal und zu den Flücht­lings­un­ter­künf­ten spie­len dort mitt­ler­wei­le Fuß­bal­ler aus 20 Na­tio­nen.

Ein ver­reg­ne­ter Don­ners­tag­abend. Wäh­rend an­de­re Ver­ei­ne ihr Trai­ning ab­sa­gen oder in Hal­len ver­le­gen, be­auf­sich­tigt In­go Pauls, Fuß­ball­trai­ner bei der DJK Kle­ve, et­wa 30 Ki­cker auf dem Platz am Stil­len Win­kel. „Das sind noch we­nig, wir ha­ben schon mit 40 und mehr Leu­ten trai­niert“, er­zählt Pauls und lä­chelt da­bei. Die ers­te Mann­schaft der Kle­ver DJK ist in den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­ten auf knapp 50 Spie­ler an­ge­wach­sen.

Ein Groß­teil der Ak­teu­re sind Stu­den­ten der Hoch­schu­le Rhein-Waal. „Die ers­ten Stu­den­ten ka­men vor drei Jah­ren zur DJK“, er­klärt Nils Nel­lis­sen, der als Ma­na­ger fun­giert und sich um die Or­ga­ni­sa­ti­on der Mann­schaft küm­mert, aber auch selbst als Tor­wart ak­tiv ist. „Seit dem letz­ten Win­ter ha­ben wir dann ver­mehrt Wer­bung an der Hoch­schu­le ge­macht. Ei­ne be­son­de­re Po­si­ti­on hat da­bei Hau­ke Ben­jes ein­ge­nom­men.“Ben­jes, der „In­ter­na­tio­nal Re­la­ti­ons“an der Kle­ver Hoch­schu­le stu­diert und da­zu aus Bre­men an den Nie­der­rhein ge­kom­men ist, in­ten­si­vier­te die Be­mü­hun­gen der DJK und lots­te als ei­ne Art „Hoch­schul-Scout“mehr und mehr Stu­den­ten an den Stil­len Win­kel.

„Ich ha­be mich sel­ber von An­fang an gut auf­ge­nom­men und wohl ge­fühlt bei der DJK. Da ich sel­ber mal ein Jahr in ei­nem spa­ni­schen Kin­der­gar­ten ge­ar­bei­tet ha­be, weiß ich, wie schwer es ist, in ei­nem neu­en Land, mit neu­er Spra­che Fuß zu fas­sen. Für die neu­en Stu­den­ten hier in Kle­ve bie­tet Fuß­ball ei­ne ein­fa­che Mög­lich­keit der In­te­gra­ti­on in ei­ne lo­ka­le Ge­mein­schaft“, be­grün­det Ben­jes sein En­ga­ge­ment.

Die Kle­ver, die in der ver­gan­ge­nen Sai­son im­mer wie­der mit Per­so­nal­pro­ble­men zu kämp­fen hat­ten, bo­ten am En­de der Spiel­zeit ein Pro­be­trai­ning für Stu­den­ten an. Ben­jes hol­te die Kom­mi­li­to­nen an der Hoch­schu­le ab und führ­te die­se ge­schlos­sen zur Platz­an­la­ge. Mehr als 15 Teil­neh­mer ent­schie­den sich für die DJK, so dass Nel­lis­sen an die Ar­beit ge­hen konn­te. Noch vor der Som­mer­pau­se wi­ckel­te er die nö­tig­ten Pass­for­ma­li­tä­ten ab.

Zu Be­ginn der ak­tu­el­len Sai­son hat­te sich auf dem Kle­ver Cam­pus dann her­um­ge­spro­chen, dass Stu­den­ten bei der DJK ger­ne ge­se­hen sind. Zehn wei­te­re Hoch­schü­ler fan­den so den Weg zur DJK. Doch nicht nur Stu­den­ten, auch Flücht­lin­ge aus den Un­ter­künf­ten an der Sta­di­on­stra­ße und in Bedburg-Hau fan­den ei­nen Platz im Team von Trai­ner In­go Pauls. „Bei so vie­len Spie­lern ist der Leis­tungs­stand na­tür­lich un­ter­schied­lich. Vie­le spie­len zum ers­ten Mal ak­tiv im Ver­ein“, er­läu­tert der Übungs­lei­ter.

Mitt­ler­wei­le ist die An­zahl der im Team ver­tre­te­nen Na­tio­nen auf mehr als 20 an­ge­stie­gen. Die Ver­stän­di­gung er­folgt haupt­säch­lich in Eng­lisch. Aber auch an­de­re Spra­chen sind auf dem Platz zu hö­ren. Ei­ne be­son­de­re Funk­ti­on ha­ben hier Spie­ler wie Ben­jes in­ne, der mit Deutsch, Eng­lisch und Spa­nisch gleich drei Spra­chen be­herrscht. „Ei­ni­ge Spie­ler agie­ren als Dol­met­scher und hel­fen mir, den Spie­lern die ver­schie­de­nen Übun­gen zu er- klä­ren. Oft be­ginnt auch ei­ne Grup­pe mit der Übung, so dass die an­de­ren sich die Auf­ga­be zu­nächst an­se­hen kön­nen und es dann ein­fa­cher ha­ben, sie nach­ma­chen“, sagt der Trai­ner.

Trotz der na­tio­na­len Un­ter­schie­de sind bis­her kaum Pro­ble­me auf­ge­tre­ten. Pauls freut sich vor al­lem über die zwi­schen­mensch­li­chen Er­fah­run­gen: „Die Spie­ler sind nicht nur fuß­bal­le­risch ein Ge­winn für uns, sie stel­len auch ei­ne men­sch­li­che Be­rei­che­rung für den Ver­ein dar. Al­le sind sehr en­ga­giert und auch bei ver­meint­lich nicht ganz so schö­nen Ar­bei­ten an der Platz­an­la­ge zur Stel­le.“

In Zu­kunft soll der Aus­tausch mit der Hoch­schu­le in­ten­si­viert wer­den. „Ir­gend­wann wa­ren wir ein­fach zu vie­le Spie­ler für nur ei­ne Mann­schaft. Wir ha­ben uns dies­be­züg­lich schon Ge­dan­ken ge­macht und sind da­mit auf die Hoch­schu­le zu­ge­gan­gen“, er­läu­tert Nel­lis­sen. Her­aus­ge­kom­men ist ei­ne Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Ver­ein und Hoch­schu­le, de­ren Um­set­zung an­ge­nehm un­bü­ro­kra­tisch ver­lief.

In Kür­ze wird ei­ne drit­te Mann­schaft das Trai­ning auf­neh­men. Im Rah­men des Hoch­schul­sports stellt die Hoch­schu­le als Trai­ner And­rej Kor­nel­sen ab, der auch schon das Fut­sal-Team der Hoch­schu­le be­treut. Ab der Rück­run­de wird das Team au­ßer­halb der Wer­tung in der Kreis­li­ga C an den Start ge­hen. Die Spie­ler kön­nen dann auf die ers­te und drit­te Mann­schaft auf­ge­teilt wer­den. „Al­le Spie­ler, die re­gel­mä­ßig trai­nie­ren, sol­len die Mög­lich­keit ha­ben, am Spiel­be­trieb teil­zu­neh­men“, er­klärt Nel­lis­sen.

Trai­ner Pauls stellt aber auch fest, dass bis­her nicht al­les op­ti­mal lief: „Die Stu­den­ten wa­ren wäh­rend der Sai­son-Vor­be­rei­tung meist nicht in Kle­ve. Das merkt man jetzt na­tür­lich, oft fehlt ih­nen die nö­ti­ge Kon­di­ti­on und Ab­stim­mung.“Nel­lis­sen wirft au­ßer­dem ein, dass das Team sehr jung sei und es ihm ge­le­gent­lich an Er­fah­rung feh­le. Er be­tont aber: „Auch wenn wir oft nicht cle­ver ge­nug spie­len, ist es schön zu se­hen, wel­che Fort­schrit­te die ein­zel­nen Spie­ler ma­chen.“

Ein Blick auf die Ta­bel­le ver­rät, dass der bis­he­ri­ge Sai­son­ver­lauf noch kei­ne Ju­bel­stür­me aus­löst. Trai­ner Pauls freut sich trotz­dem auf die Auf­ga­be, die vor ihm liegt. „Selbst wenn wir in der Meis­ter­schaft erst drei Punk­te ho­len konn­ten, herrscht bei uns ei­ne tol­le Stim­mung. Die Spie­ler mer­ken selbst, dass es Zeit braucht, ein Team aus über 20 Na­tio­nen zu for­men.“

RP-FOTO: GOTT­FRIED EVERS

Er­freu­lich groß ist die Trai­nings­be­tei­li­gung, wenn bei der DJK Rhen­ania Kle­ve am Stil­len Win­kel der Ball rollt. Fuß­bal­ler aus 20 Na­tio­nen sor­gen für ei­ne in­ter­na­tio­na­le At­mo­sphä­re.

FOTO: PRI­VAT

In­go Pauls sieht in den neu­en Spie­lern ei­ne gro­ße Be­rei­che­rung für sei­nen Klub.

FOTO: PRI­VAT

Hau­ke Ben­jes hält als „Hoch­schu­lS­cout“die Ver­bin­dung zwi­schen Ver­ein und Hoch­schu­le.

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