Slo­we­ni­en: 12.500 Flücht­lin­ge an ei­nem Tag

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON MAR­TIN KESS­LER UND GRE­GOR MAYNTZ

Die Zahl der Straf­ta­ten ge­gen Flücht­lin­ge nimmt zu. In Fran­ken wird ei­ne rechts­ex­tre­me Grup­pe zer­schla­gen, die An­schlä­ge plan­te.

BERLIN/LJUBLJANA Der Zustrom an Flücht­lin­gen über die Bal­kan­rou­te droht au­ßer Kon­trol­le zu ge­ra­ten. Al­lein in den ver­gan­ge­nen 24 St­un­den ka­men 12.500 Flücht­lin­ge im EU-Land Slo­we­ni­en an, so vie­le wie noch nie. Seit Un­garn die Gren­zen ge­schlos­sen hat, neh­men die Men­schen die Rou­te von Ser­bi­en über Kroa­ti­en und Slo­we­ni­en. Der Zug reißt nicht ab. In Ser­bi­en sind er­neut 9000 Flücht­lin­ge an­ge­kom­men, Zehn­tau­sen­de sind auch in jüngs­ter Zeit auf den grie­chi­schen In­seln ge­lan­det. Seit Sep­tem­ber sind 217.000 Mi­gran­ten über die Bal­kan­rou­te ge­flo­hen. Wei­te­re wer­den aus der Tür­kei er­war­tet.

Das Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) ist un­ter­des­sen in ei­ner in­ter­nen La­ge­ein­schät­zung zu dem Schluss ge­kom­men, dass im Zu­ge des Flücht­lings­zu­stroms mit ver­mehr­ten An­schlä­gen auf Po­li­ti­ker und an­de­re Ver­ant­wort­li­che ent­spre­chen­der Ein­rich­tun­gen zu rech­nen sei. Zu­dem kön­ne es „neue Pro­test­for­men wie zum Bei­spiel die Blo­cka­de von Ver­kehrs­we­gen ge­ben“, be­stä­tig­te das BKA.

Nach den jüngs­ten Sta­tis­ti­ken der Si­cher­heits­be­hör­den sind al­lein im drit­ten Quar­tal die­ses Jah­res mit 285 Straf­ta­ten ge­gen Flücht­lings­un­ter­künf­te mehr der­ar­ti­ge De­lik­te ver­zeich­net wor­den als im gan­zen ver­gan­ge­nen Jahr. Es gab 2015 al­lein 46 Brand­an­schlä­ge un­ter 576 „la­ge­re­le­van­ten De­lik­ten“. Un­ter den be­kann­ten Tat­ver­däch­ti­gen stamm­ten 73 Pro­zent aus dem Ort, in dem die Tat be­gan­gen wur­de.

Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) sprach von ei­ner „ab­scheu­li­chen Bi­lanz“. Der stell­ver­tre­ten­de CDUVor­sit­zen­de Tho­mas Strobl sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Wir wer­den nicht zu­las­sen, dass Rechts­ex­tre­me den Ruf Deutsch­lands als welt­of­fe­nes Land be­su­deln.“Des­halb müs­se im Kampf ge­gen rechts­ex­tre­mis­ti­sche Straf­ta­ten auch der Ver­fas­sungs­schutz ge­stärkt wer­den. Die Ko­ali­ti­on ist fest ent­schlos­sen, noch in den lau­fen­den Haus­halts­be­ra­tun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen mas­si­ven Aus­bau der Si­cher­heits­be­hör­den zu schaf­fen. „Wir brau­chen ei­ne er­heb­li­che Per­so­nal­auf­sto­ckung so­wohl beim Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz als auch beim BKA“, sag­te SPD-In­nen­ex­per­te Burk­hard Lisch­ka un­se­rer Re­dak­ti­on. In­tern wird von ei­ner Zu­nah­me um ei­ne drei­stel­li­ge Zahl von Mit­ar­bei­tern aus­ge­gan­gen.

Die „größ­te Sor­ge“be­ste­he dar­in, dass sich aus der ver­stärk­ten Nei­gung zu rechts­ex­tre­mis­ti­scher Ge­walt er­neut rechts­ter­ro­ris­ti­sche Zel­len wie sei­ner­zeit der NSU ent­wi­ckeln könn­ten, er­klär­te Lisch­ka.

Sei­ne Be­fürch­tun­gen schei­nen be­rech­tigt zu sein: Bei ei­ner Raz­zia in Fran­ken ist ei­ne rechts­ex­tre­me Grup­pe zer­schla­gen wor­den, die laut Staats­an­walt­schaft An­schlä­ge auf Asyl­be­wer­ber­hei­me und An­ge­hö­ri­ge des lin­ken Spek­trums ge­plant hat­te. Die Be­schul­dig­ten hät­ten En­de Ok­to­ber un­ter an­de­rem Spreng­sät­ze in zwei Bam­ber­ger Un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge wer­fen wol­len, sag­te Ober­staats­an­walt Erik Oh­len­schla­ger. Bei Durch­su­chun­gen von zwölf Woh­nun­gen in Ober­und Mit­tel­fran­ken wa­ren zu­vor Schuss­waf­fen mit Mu­ni­ti­on, ver­bo­te­ne py­ro­tech­ni­sche Ge­gen­stän­de, Base­ball­schlä­ger, Stich­waf­fen und rech­tes Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­al si­cher­ge­stellt wor­den, et­wa ei­ne gro­ße Ha­ken­kreuz­fah­ne.

Im drit­ten Quar­tal gab

es mehr Straf­ta­ten ge­gen Flücht­lin­ge als im

ge­sam­ten Jahr 2014

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