Kar­stadt macht wie­der Ge­winn

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

Der Kon­zern be­lohnt sei­ne Mit­ar­bei­ter. Für 2015 kün­digt er erst­mals seit Jah­ren schwar­ze Zah­len an.

ES­SEN Heu­te in neun Wo­chen ist der Hei­lig­abend schon wie­der vor­bei. Die meis­ten Ge­schen­ke sind aus­ge­packt, und et­li­che da­von ha­ben die Schen­ken­den vom Weih­nachts­geld be­zahlt, das ih­nen ihr Ar­beit­ge­ber (ver­mut­lich En­de No­vem­ber) aus­ge­zahlt hat. Das gilt auch für die Be­leg­schaft des Wa­ren­haus­kon­zerns Kar­stadt. Die be­kommt ent­ge­gen den bis­he­ri­gen Pla­nun­gen nun doch Weih­nachts­geld für 2015. Da­mit will sich der Kon­zern so­zu­sa­gen für har­te Ar­beit in schwe­ren Zei­ten be­dan­ken. „Wir wer­den mit Zu­stim­mung un­se­rer Ei­gen­tü­mer und in Ab­stim­mung mit dem Ge­samt­be­triebs­rats­chef den Mit­ar­bei­tern in die­sem Jahr Weih­nachts­geld be­zah­len“, hat Vor­stands­chef Ste­phan Fan­derl der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ge­sagt. Wo­mög­lich mo­ti­viert das die Ar­beit­neh­mer im be­vor­ste­hen­den Weih­nachts­ge­schäft zu­sätz­lich. Die vier Wo­chen vor dem Christ­fest, vor al­lem die Ad­vents-Wo­che­n­en­den, sind für ein Han­dels­un­ter­neh­men in Deutsch­land die wich­tigs­te Zeit des Jah­res.

Es ist nicht das ers­te Mal in die­sem Jahr, dass Kar­stadt po­si­ti­ve Bot­schaf­ten aus­sen­det. Im Som­mer ist das im Zu­ge der Sa­nie­rung ge­stun­de­te Ur­laubs­geld ge­zahlt wor­den, und nach dem Ver­kauf der Fi­lia­len an ei­nen neu­en Ei­gen­tü­mer wur­den die Nie­der­las­sun­gen in Mön­chen­glad­bach und Des­sau vor der Schlie­ßung be­wahrt. In die­sem Jahr wird der Kon­zern erst­mals seit Jah­ren we­nigs­tens ope­ra­tiv wie­der Ge­winn ma­chen. Ges­tern hat Kon­zern­chef Fan­derl dem Auf­sichts­rat die Zah­len für das am 30. Sep­tem­ber zu En­de ge­gan­ge­ne Ge­schäfts­jahr 2014/15 vor­ge­legt, und die wa­ren den An­ga­ben des Ma­na­gers zu­fol­ge po­si­tiv: „Wir ver­die­nen an der La­den­kas­se wie­der Geld und sind mit ei­nem zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag im Plus. Das ist ei­ne Rie­sen­leis­tung.“

Zu­min­dest sind die Zah­len ein Be­leg da­für, dass die Sa­nie­rung bei Kar­stadt ein Stück weit greift. Der Um­satz soll 2014/15 zwar um fast drei Pro­zent auf rund 2,1 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­sun­ken sein, doch die Pro­fi­ta­bi­li­tät ha­be sich deut­lich ver­bes­sert, heißt es. Das Er­lös­mi­nus ist dem­nach un­ter an­de­rem auf die zwi­schen­zeit­li­che Straf­fung des Sor­ti­ments und groß an­ge­leg­te Ra­bat­tak­tio­nen zu­rück­zu­füh­ren. Mitt­ler­wei­le ist das An­ge­bot ver­än­dert wor­den, mehr re­gio­nal zu­ge­schnit- ten, mit we­ni­ger La­ger­be­stand, was die Kos­ten bei Kar­stadt hat sin­ken las­sen.

Un­ter dem Strich steht zwar im­mer noch ein Mi­nus, aber auch das ist dem Ver­neh­men nach um zwei Drit­tel auf knapp 70 Mil­lio­nen Eu­ro ge­schrumpft. Da­bei pro­fi­tiert Kar­stadt al­ler­dings auch von den Früch­ten des Spar­pro­gramms. Rund 50 Mil­lio­nen Eu­ro sind an Per­so­nal­kos­ten ge­spart wor­den. Nach so viel er­neu­ten Op­fern durch die Mit­ar­bei­ter ist es kein Wun­der, dass Ge­samt­be­triebs­rats­chef Jür­gen Ettl in die­ser Wo­che das Ma­nage­ment auf­ge­for­dert hat­te, für 2015 Weih­nachts­geld zu zah­len. Und so­mit ist es nicht klar, ob der Vor­stand die­se Zah­lung schon vor Ettls Aus­sa­gen ge­plant hat­te oder ob die Füh­rungs­rie­ge erst durch die Aus­sa­gen Ettls mo­ti­viert wor­den ist.

Wie auch im­mer: Kar­stadt hat ei­nen Schritt ge­tan, oh­ne dass die Zei­ten in Es­sen des­halb schon ro­sig wä­ren. Die Rück­kehr in die Ta­rif­bin­dung, aus der das Un­ter­neh­men vor drei Jah­ren aus­ge­stie­gen ist, wird seit­her er­folg­los von der Ge­werk­schaft Ver­di ein­ge­for­dert. Von Fi­li­al­schlie­ßun­gen ist der­zeit in der Es­se­ner Zen­tra­le kei­ne Re­de, aber das Spar­pro­gramm läuft wei­ter. Die Zu­kunft des Wa­ren­haus-Be­trei­bers hängt da­von ab, ob sich das Um­bau­kon­zept dau­er­haft am Markt durch­setzt. Kar­stadt, das sein An­ge­bot stark auf Tex­ti­li­en aus­ge­rich­tet hat, muss sei­nen Platz fin­den zwi­schen Spe­zia­lis­ten wie H&M und Za­ra auf der ei­nen so­wie Tex­til­dis­coun­tern wie Kik auf der an­de­ren Sei­te. Die Sa­nie­rung ist noch auf zwei wei­te­re Jah­re an­ge­legt. Ein har­ter Weg.

FOTO: DPA

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