Wo­chen­markt als si­che­rer Treff­punkt

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON AN­JA SETT­NIK

Zwi­schen Rat­haus und Fuß­gän­ger­zo­ne er­streckt sich der Go­cher Markt­platz, auf dem diens­tags und frei­tags die Händ­ler das Sa­gen ha­ben. Vie­le Stamm­kun­den nut­zen den Ein­kauf für ei­nen Plausch. Ir­gend­wen trifft man im­mer.

GOCH Wer an ei­nem trü­ben Mor­gen si­cher sein will, Ge­sprächs­part­ner für ei­nen klei­nen Plausch zu fin­den, ist mit ei­nem Be­such des Wo­chen­mar­kes auf der si­che­ren Sei­te. Kaum denk­bar, dort kei­nen Be­kann­ten zu tref­fen: Wer Zeit hat und Freu­de an fri­schen Nah­rungs­mit­teln, geht diens­tags oder frei­tags zum Go­cher Markt. Und fühlt sich dort ganz be­stimmt hei­me­lig hei­mat­lich.

Nicht nur die Be­su­cher sind oft gut mit­ein­an­der be­kannt – auch die Markt­be­schi­cker ha­ben ver­trau­te Ge­sich­ter. Ein Groß­teil von ih­nen baut seit vie­len Jah­ren, oft so­gar seit Jahr­zehn­ten, sei­nen Stand auf dem Platz zwi­schen Rat­haus, evan­ge­li­scher Kir­che, Fünf-Rin­ge-Haus und dem Ein­gang zur Fuß­gän­ger­zo­ne auf. Dort ist das in­ners­te Go­cher Zen­trum mit der größ­ten Wahr­schein­lich­keit, vie­le Ein­woh­ner an­zu­tref­fen – auch al­le Par­tei­en­ver­tre­ter wis­sen das und be­zie­hen im Wahl­kampf am liebs­ten an den Wo­chen­markt-Ta­gen Stel­lung.

Das dürf­te vor­läu­fig nicht nö­tig sein, schließ­lich ist der neue Bür­ger­meis­ter ge­fun­den und muss sich die Rats­mann­schaft nun nach in­nen neu sor­tie­ren. Drau­ßen ha­ben wie­der Händ­ler und Kun­den das Sa­gen. Auch im feuch­ten Herbst­wet­ter las­sen sie die Ter­mi­ne nicht aus­fal­len. „Es sind jetzt ein paar Händ­ler we­ni­ger als im Som­mer, aber der har­te Kern bleibt uns im­mer treu“, weiß Markt­meis­ter Ge­org Kröll. 20 bis 25 Händ­ler sei­en es in der Haupt­sai­son. Der Obst- und Ge­mü­se­markt lebt von der Tra­di­ti­on. Übrie­gns ist in Goch bis­lang auch ein „Fei­er­abend­markt“, wie er in ei­ni­gen grö­ße­ren Städ­ten ver­sucht wird, kein The­ma. „Ich glau­be nicht, dass so et­was für klei­ne­re Kom­mu­nen der rich­ti­ge Weg ist“, meint Kröll. Lud­ger Rüt­ter­mann, Ge­mü­se­händ­ler aus Xan­ten, ist ei­ner der lang­jäh­ri­gen Be­schi­cker. Vor sei­nem Stand tref­fen sich dies­mal Ger­trud Fran­ken und Thea Hend­ricks – zwei Schwes­tern. „Wir ha­ben uns nicht ver­ab­re­det“, sagt die 80-jäh­ri­ge Ger­trud, die im Grü­nen wohnt und mit dem Stadt­bus zum Markt fährt. Thea (86) hin­ge­gen lebt im Kol­ping­haus und schafft den Weg zu Fuß. Bei­de Frau­en sind sehr froh, in ge­müt­li­cher At­mo­sphä­re klei­ne Men­gen ge­sun­der Sa­chen ein­kau­fen zu kön­nen und da­bei noch – zum Bei­spiel – An­ge­hö­ri­ge zu tref­fen.

„Hier wird viel er­zählt, über die Fa­mi­lie, übers Wet­ter, über die Po­li­tik“, zählt Rüt­ter­mann auf. Auch über die Park­ge­büh­ren, die ins­be­son­de­re bei Go­chern we­nig be­liebt sind. „Wir mer­ken, dass die Leu­te jetzt hek­ti­scher ein­kau­fen als frü­her“, sagt der Xan­te­ner. Wer 40 Cent in die Park­uhr ge­wor­fen hat, hat 40 Mi­nu­ten Zeit zum Ein­kau­fen. „Da ist der ge­müt­li­che Schwatz nicht mehr drin“, be­ob­ach­tet Rüt­ter­mann. War­um die Kun­den nicht vor­sichts­hal­ber ei­nen Eu­ro ein­wer­fen? „Die Leu­te sind spar­sam und feil­schen auch bei uns um zehn Cent“, ist sei­ne Er­fah­rung.

Hu­ber­ti­ne Wey­ers ist Stamm­kun­din bei Klaus und An­ge­li­ka Schmei­ßer, die mit Blu­men und Ge­ste­cken han­deln. „Wir sind seit 27 Jah­ren auf dem Go­cher Markt und ha­ben ei­ni­ge treue Be­su­che­rin­nen, die so­gar mal ein­fach so zum Er­zäh­len kom­men“, be­rich­tet Schmei­ßer. Sei­ne Schwie­ger­el­tern hät­ten das Ge­schäft schon Jahr­zehn­te vor­her be­trie­ben. Ob Schnitt­blu­men, et­was für die Töp­fe oder Fried­hofs­ge­ste­cke – er weiß, wo­nach die Kun­den Aus­schau hal­ten. Und wenn sie et­was nicht fin­den, wird er es beim nächs­ten Mal mit­brin­gen. man re­det schließ­lich mit­ein­an­der.

RP-FOTO: GOTT­FRIED EVERS

Ger­trud Fran­ken und Thea Hend­ricks (v.l.): Die Schwes­tern sind re­gel­mä­ßi­ge Markt­be­su­cher.

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