Trai­ner Schu­bert sam­melt Plus­punk­te

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Die Über­gangs­lö­sung auf Bo­rus­si­as Bank be­treibt Wer­bung für ein dau­er­haf­tes En­ga­ge­ment. Auch un­ter den Spie­lern gibt es Für­spre­cher.

TU­RIN Die T-Fra­ge, die Fra­ge nach dem neu­en Chef­trai­ner, ist in die­sen Ta­gen un­ver­meid­lich bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Das ist so seit dem Tag nach dem Rück­tritt von Lu­ci­en Fav­re. Sport­di­rek­tor Max Eberl ent­schied sich da­mals für ei­ne Über­gangs­lö­sung: An­dré Schu­bert, der bis da­hin Bo­rus­si­as U23 be­treu­te. Schu­bert war ge­ra­de erst ge­kom­men, weil der Trai­ner­job beim Re­gio­nal­li­ga-Team va­kant war. Bo­rus­sia wähl­te ihn auch des­we­gen aus, weil die Wan­kel­mü­tig­keit Fav­res be­kannt war. Ein Trai­ner in Re­ser­ve für den Fall der Fäl­le. Der trat nach dem Der­by in Köln ein.

Seit­dem ist Schu­bert Trai­ner auf Zeit. Eberl hat ihn in­stal­liert, um in Ru­he nach dem „neu­en per­fek­ten Trai­ner“fahn­den zu kön­nen. Schu­bert hat Er­folg. Vier Sie­ge in der Li­ga gab es, seit er über­nom­men hat. Kein an­de­rer Glad­bach-Trai­ner ist so gut ge­star­tet. Nun hat er den zwei­ten Ge­schichts­buch­ein­trag si­cher: Das 0:0 bei Ju­ven­tus Tu­rin ist der ers­te Punkt, den Glad­bach in der Cham­pi­ons Le­ague hol­te. In Tu­rin zeig­te Bo­rus­sia ein eher Schu­bert­un­ty­pi­sches Spiel: Sie ver­tei­dig­te auf­op­fe­rungs­voll und ver­zich­te­te (auch vom Geg­ner er­zwun­gen) auf das üb­li­che ho­he Pres­sing. Schu­berts Glad­bach kann al­so nicht nur ge­win­nen, son­dern auch auf Er­geb­nis spie­len. Das ist ein neu­er Aspekt in der lau­fen­den Echt­zeit-Be­wer­bung des Trai­ners. In der ste­hen in­zwi­schen so vie­le Plus­punk­te, dass längst ver­mu­tet wird, Schu­berts Be­för­de­rung zum of­fi­zi­el­len Chef ist die lo­gi­sche Fol­ge.

Doch Eberl bleibt da­bei, dass Schu­bert ei­ne Über­gangs­lö­sung ist. Gleich­wohl hat er auch nie völ­lig aus­ge­schlos­sen, dass der Bun­des­li­ga-No­vi­ze am En­de den Job doch ma­chen darf. „Es kann auch sein, dass An­dré Schu­bert Trai­ner wird“, sag­te Eberl nun in Tu­rin. Zur Frak­ti­on de­rer, die das emp­feh­len, ge­hört Mit­tel­feld­mann Gra­nit Xha­ka. „Er macht es wirk­lich gut“, sag­te auch Stür­mer An­dré Hahn. Was der Un­ter­schied ist zwi­schen der Zu­sam­men­ar­beit mit Schu­bert und Fav­re, be­schrieb nun der ver­letz­te Ka­pi­tän Mar­tin Stranzl, der wäh­rend des Spiels in Tu­rin Ex­per­te bei Sky war. „Es war im­mer schwie­rig, ei­nen Weg ge­mein­sam zu fin­den. Er hat sei­ne Ge­dan­ken­we­ge. Wenn et­was an­de­res hin­zu­kam, war es im­mer di­rekt ei­ne Er­schüt­te­rung“, sag­te Stranzl über Fav­re. Schu­bert hin­ge­gen „ist sehr kom­mu­ni­ka­tiv und tauscht sich ger­ne aus. Er bleibt fo­kus­siert, aber bringt auch Lo­cker­heit rein“.

Eberl ist al­so in der Kom­fort­zo­ne un­ter­wegs. Da­bei hilft der Um­stand, dass Schu­bert „beim Team den Nerv trifft“(Eberl). Für den Mo­ment ist Schu­bert der rich­ti­ge Trai­ner für das Team. Der Ma­na­ger kann den Markt son­die­ren und die Op­ti­on Schu­bert be­ob­ach­ten: Wie geht der Kan­di­dat mit Rück­schlä­gen um? Ist er über den Mo­ti­va­tor hin­aus auch ei­ner, der dem Team ei­ne (neue) Rich­tung ge­ben kann?

Bis­lang hat sich Schu­bert ein sehr gu­tes Zeug­nis ver­dient. Die vier Sie­ge ha­ben sein Team in der Li­ga von Rang 18 auf zehn ge­hievt. Mit ei­nem Sieg am Sonn­tag ge­gen Schal­ke, wä­re Bo­rus­sia in der obe­ren Ta­bel­len­hälf­te an­kom­men – „da, wo wir hin­ge­hö­ren. Letz­te Sai­son ha­ben wir uns al­les von oben an­ge­schaut, jetzt ist das Mot­to von un­ten nach oben zu kom­men“, sag­te Xha­ka. Das gilt auch für die Cham­pi­ons Le­ague: Der Punkt aus Tu­rin hält die Mög­lich­keit of­fen, 2016 wei­ter in­ter­na­tio­nal da­bei zu sein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.