Un­ter­neh­mer für die Ei­gen­ver­wal­tung sen­si­bi­li­sie­ren

Rheinische Post Goch - - EXTRA INSOLVENZ - VON PATRICK PE­TERS

Der Ge­setz­ge­ber hat vor ei­ni­gen Jah­ren ei­ne Op­ti­on für Un­ter­neh­men zur Re­ge­lin­sol­venz ge­schaf­fen. Durch ESUG kön­nen Un­ter­neh­mer ge­mein­sam mit ei­nem Sa­nie­rungs­be­ra­ter an der Re­struk­tu­rie­rung ih­res Be­triebs ar­bei­ten und selbst Ent­schei­dun­gen für die Zu­kunft tref­fen.

Es be­steht seit 2012, das Ge­setz zur wei­te­ren Er­leich­te­rung der Sa­nie­rung von Un­ter­neh­men, kurz: ESUG. Doch in der Wirt­schaft sind die Mög­lich­kei­ten, die ESUG er­öff­net, noch im­mer nicht all­zu be­kannt – und das kann Un­ter­neh­mern die Chan­ce neh­men, ih­re Un­ter­neh­men vor dem Hin­ter­grund fes­ter ge­setz­li­cher Re­ge­lun­gen zu sa­nie­ren und so in ei­ne neue Zu­kunft zu füh­ren.

Ei­ne der ers­ten Kanz­lei­en, die sich mit ESUG und des­sen Aus­wir­kun­gen auf die Sa­nie­rung von not­lei­den­den Un­ter­neh­men kon­zen­triert hat, ist Bucha­lik Bröm­me­kamp aus Düsseldorf. Die So­zie­tät kom­bi­niert Rechts- und Un­ter­neh­mens­be­ra­tung mit ei­nem Schwer­punkt auf Sa­nie­rung und hat es sich seit der Ein­füh- rung von ESUG zur Auf­ga­be ge­macht, Un­ter­neh­mens­len­ker da­für zu sen­si­bi­li­sie­ren und die Vor­tei­le des Ge­set­zes auf­zu­zei­gen. Das ge­lingt im­mer öf­ter, be­tont Dr. Jas­per Stahl­schmidt, seit kur­zem ei­ner der vier Part­ner von Bucha­lik Bröm­me­kamp. „Wir ha­ben mitt­ler­wei­le 70 ESUG-Ver­fah­ren durch­ge­führt und Un­ter­neh­men auf die­se Wei­se sa­niert.“

Er stellt auch den Un­ter­schied zu ei­nem Re­ge­lin­sol­venz­ver­fah­ren deut­lich her­aus: „Wäh­rend bei der Re­ge­lin­sol­venz der In­sol­venz­ver­wal­ter die kom­plet­te Füh­rung des zah­lungs­un­fä­hi­gen Be­triebs über­nimmt und der Un­ter­neh­mer kei­ne Ein­fluss­mög­lich­kei­ten mehr be­sitzt, schafft das ESUG die Mög­lich­keit der so­ge­nann­ten Ei­gen­ver­wal­tung. Da­bei ar­bei­ten der Un- ter­neh­mer und ein Sa­nie­rungs­be­ra­ter auf Au­gen­hö­he mit­ein­an­der, un­ter Auf­sicht ei­nes ge­richt­lich be­stell­ten Sach­wal­tes“, er­läu­tert Jas­per Stahl­schmidt. „Das heißt kon­kret, dass die Un­ter­neh­mens­füh­rung die Rol­le des In­sol­venz­ver­wal­ters über­nimmt, ih­ren Ein­fluss er­hält die Sa­nie­rung ak­tiv steu­ert. Ent­schei­dun­gen zu not­wen­di­gen Ein­schnit­ten wer­den ge­mein­sam mit dem Be­ra­ter ge­trof­fen, wäh­rend der Sach­wal­ter die Ein­hal­tung der In­sol­venz­ord­nung über­wacht.“

Denn na­tür­lich un­ter­lä­gen auch Ver­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung der In­sol­venz­ord­nung und dem wich­tigs­ten Grund­satz der best­mög­li­chen Gläu­bi­ger­be­frie­di­gung. „Na­tür­lich be­steht die­se häu­fig dar­in, den Be­trieb zu sa­nie­ren, denn aus ei­nem stö­rungs­frei lau­fen­den Ge­schäfts­be­trieb las­sen sich Schul­den in der Re­gel bes­ser be­die­nen als aus der In­sol­venz­mas­se. Und ge­ra­de Lie­fe­ran­ten wol­len ja ih­ren Ge­schäfts­part­ner nicht ver­lie­ren. Den­noch sind die Gläu­bi­ger die wich­tigs­te Par­tei auch in ei­nem Ver­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung, da ih­re Rech­te und In­ter­es­sen ge­wahrt wer­den müs­sen.“Ih­re Zu­stim­mung sei not­wen­dig, um über­haupt ei­ne Ei­gen­ver­wal­tung in Gang set­zen zu kön­nen, be­tont der Fach­an­walt für In­sol­venz­recht, der frü­her selbst be­stell­ter In­sol­venz­ver­wal­ter war, aber seit sei­ner Sa­nie­rungs­tä­tig­keit kei­ne Re­ge­lin­sol­venz­ver­fah­ren mehr be­treut.

Es sei des­halb Auf­ga­be des Sa­nie­rungs­be­ra­ters, vor ei­nem mög­li­chen An­trag auf Ei­gen­ver­wal­tung al­le De­tails zu über­prü­fen, um fest­zu­stel­len, ob ei­ne Ei­gen­ver­wal­tung über­haupt er­folg­ver­spre­chend sein kön­ne. „Au­ßer­dem soll­te er mit den Gläu­bi­gern spre­chen, um de­ren Hal­tung zu ei­ner Ei­gen­ver­wal­tung ab­zu­klop­fen und die­se ge­ge­be­nen­falls zu er­läu­tern. Das hat den Vor­teil, dass das Ge­richt den An­trag auf Ei­gen­ver­wal­tung nicht ab­leh­nen kann, wenn sich der vor­läu­fi­ge Gläu­bi­ger­aus­schuss ein­stim­mig da­für aus­ge­spro­chen hat“, sagt Jas­per Stahl­schmidt, der re­gel­mä­ßig auch in gro­ßen Ver­fah­ren als Sa­nie- rungs­ge­schäfts­füh­rer auf­tritt. Sei­ne Auf­ga­be: Er re­struk­tu­riert das Un­ter­neh­men im Hin­ter­grund, wäh­rend die Un­ter­neh­mens­lei­tung für das ope­ra­ti­ve Ge­schäft zu­stän­dig ist.

Na­tür­lich trifft er als Sa­nie­rungs­ge­schäfts­füh­rer zu­sam­men mit den Alt­ge­schäfts­füh­rern auch un­an­ge­neh­me Ent- schei­dun­gen, zum Bei­spiel die Schlie­ßung von ma­ro­den Be­triebs­tei­len oder den Ver­kauf von As­sets. „Wir tun das, was das Un­ter­neh­men lang­fris­tig wie­der auf die Bei­ne brin­gen kann. Selbst­ver­ständ­lich kann der Un­ter­neh­mer dies ab­leh­nen, aber das könn­te mög­li­cher­wei­se den Er­folg des an­schlie­ßen­den In­sol­venz­plans ge­fähr­den, der ja für die wei­te­re Fort­füh­rung un­ter Ei­gen­re­gie not­wen­dig ist.“Der Bucha­lik Bröm­me­kamp-Part­ner be­tont des­halb, dass der Un­ter­neh­mer die Ei­gen­ver­wal­tung als zwei­te Chan­ce se­hen müs­se, die er dem­ent­spre­chend an­neh­men soll­te.

Im bes­ten Fal­le war­tet der Un­ter­neh­mer üb­ri­gens nicht, bis sich die fi­nan­zi­el­len und ope­ra­ti­ven Schwie­rig­kei­ten sta­peln, son­dern geht den Schritt in die Sa­nie­rungs­be­ra­tung schon viel frü­her. „Dann sind die Gestal­tungs­spiel­räu­me na­tür­lich grö­ßer. Und es ist kei­ne Schan­de, ei­ne sol­che Be­ra­tung in An­spruch zu neh­men“, sagt Jas­per Stahl­schmidt.

Dr. Jas­per Stahl­schmidt (links) und Ro­bert Bucha­lik wol­len Un­ter­neh­mern die Vor­tei­le des ESUG na­he­brin­gen.

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