FRH Fink Rinckens Heer­ma Rechts­an­wäl­te ha­ben be­kann­te Düs­sel­dor­fer Un­ter­neh­men wie Pan­nen­be­cker und Cos­mo Sports sa­niert. Zur­zeit füh­ren sie Hein Ge­ri­cke durch ein Schutz­schirm­ver­fah­ren.

Rheinische Post Goch - - EXTRA INSOLVENZ - VON AN­JA KÜH­NER

„Un­glaub­lich in­ter­es­sant“fin­det Dr. Paul Fink sei­ne Auf­ga­be als In­sol­venz­ver­wal­ter und Re­struk­tu­rie­rer. In­ner­halb von we­ni­gen St­un­den muss er sich in ein Un­ter­neh­men und des­sen Pro­ble­me ein­ar­bei­ten und die ers­ten Ent­schei­dun­gen tref­fen. „Die Grund­satz­ent­schei­dung, ob es noch zu ret­ten ist oder nur noch ab­ge­wi­ckelt wer­den kann, fällt sehr schnell.“Da­bei hel­fen ihm sei­ne mehr als 20 Jah­re Be­rufs­er­fah­rung.

„Auf mei­nen Na­men sind bis­her et­wa 1200 In­sol­venz­ver­fah­ren ge­lau­fen“, rech­net Fink zu­sam­men. Al­lein in die­sem Jahr hat FRH ei­ni­ge be­kann­te Fäl­le auf dem Tisch ge­habt: Cos­mo Sports in Düs­sel­dor­fGer­res­heim bei­spiels­wei­se, das zu den größ­ten Frei­zeit­und Sport­zen­tren Deutsch­lands zählt. Nach nur acht Mo­na­ten kam ein In­sol­venz­plan mit 100-Pro­zent Zu­stim­mung al­ler Gläu­bi­ger zu­stan­de. Und die meis­ten Kun­den hät­ten die In­sol­venz gar nicht be­merkt. Ganz an­ders beim Bus­un­ter­neh­men Pan­nen­be­cker. Dort lös­te der Me­di­en­wir­bel um die In­sol­venz ei­ne Flut an Bu­chun­gen aus. „Vie­le Düs­sel­dor­fer er­in­ner­ten sich, dass sie schon in der Schul­zeit mit Pan­nen­be­cker ge­fah­ren sind und ha­ben die Bus­se für ih­re Aus­flü­ge wie­der bei Pan­nen­be­cker ge­bucht“, sagt Fink. So be­kam das Un­ter­neh­men Auf­schwung, wur­de an ei­nen Mit­be­wer­ber ver­kauft und die Mar­ke eben­so wie die Ar­beits­plät­ze blie­ben er­hal­ten.

Ak­tu­ell ist das Team von FRH Rechts­an­wäl­te da­mit be­auf­tragt, ei­nen In­sol­venz­plan für Hein Ge­ri­cke zu er­stel­len. Der Düs­sel­dor­fer Mo­tor­rad­zu­be­hör-Händ­ler mit 67 Shops in We­st­eu­ro­pa hat erst vor we­ni­gen Ta­gen ein Schutz­schirm­ver­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung be­an­tragt. „In die­sem Ver­fah­ren nut­zen wir un­ser Know­How als In­sol­venz­ver­wal­ter und ge­hen als Re­struk­tu­rie­rer in die Ge­schäfts­füh­rung der Ge­sell­schaft“, be­schreibt Fink. „Läuft al­les plan­mä­ßig, soll­te Hein Ge­ri­cke im Früh­jahr 2016 sa­niert aus dem Schutz­schirm­ver­fah­ren ent­las­sen wer­den, oh­ne dass es zu spür­ba­ren Ein­schrän­kun­gen bei Kun­den und Lie­fe­ran­ten der Tra­di­ti­ons­mar­ke ge­kom­men ist.“

Mit mehr als 70 Mit­ar­bei­tern an sie­ben Stand­or­ten im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet hat FRH Rechts­an­wäl­te sich breit auf­ge­stellt. 15 Ju­ris­ten ar­bei­ten nicht nur in Düsseldorf und Mön­chen­glad­bach, son­dern auch in den Stand­or­ten Hamburg, Bre­men, München, Bochum und Er­furt. Sie be­ar­bei­ten in der Re­gel meh­re­re hun­dert Re­gel­ver­fah­ren und meh­re­re tau­send Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren par­al­lel.

Ju­ris­ti­sche und be­triebs­wirt­schaft­li­che Kennt­nis­se ge­hö­ren zum Hand­werks­zeug. „Ein gu­ter In­sol­venz­ver­wal­ter und Re­struk­tu­rie­rer zeich­net sich durch Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit aus“, ist Fink über­zeugt. Denn er müs­se nicht nur das best­mög­li­che für die Gläu­bi­ger he- raus­ho­len, son­dern da­bei auch al­le an­de­ren Be­tei­lig­ten wie Kun­den, In­ha­ber und nicht zu­letzt die Ar­beits­plät­ze der Mit­ar­bei­ter im Blick be­hal­ten. „Sie al­le ins Boot zu ho­len ist nicht leicht.“

Fas­zi­nie­rend fin­det Fink die Psy­cho­lo­gie in ei­ner Kri­se. „Im Be­wusst­sein der Be­tei­lig­ten ist oft der Tief­punkt er­reicht, wenn wir auf­tau­chen – es kann dann nur noch auf­wärts ge­hen.“Oft­mals sei­en die In­sol­venz­ver­wal­ter die ers­ten, die al­len rei­nen Wein ein­schen­ken. Zu­dem si­che­re ein In­sol­venz­ver­wal­ter nie mehr zu als er auch ein­hal­ten kön­ne. So brin­ge er wie­der Ver­trau­en in das Un­ter­neh­men. „Nach teils mo­na­te­lan­gen un­re­gel­mä­ßi­gen oder aus­ge­fal­le­nen Zah- lun­gen er­hal­ten die Mit­ar­bei­ter wie­der ih­re Löh­ne, die Lie­fe­ran­ten wer­den be­zahlt – al­lein das dreht die Stim­mung im Un­ter­neh­men wie­der ins Po­si­ti­ve“, be­schreibt Fink.

Zwar sei der Be­ginn ei­nes In­sol­venz­ver­fah­rens emo­tio­nal für vie­le Un­ter­neh­mer gleich­be­deu­tend mit dem Ein­ge­ständ­nis des ei­ge­nen Schei­terns. „Doch fällt vie­len Un­ter­neh­mern ein St­ein vom Her­zen, wenn wir ins Un­ter­neh­men kom­men“, be­schreibt Paul Fink. Sie wis­sen, dass die Zeit der Un­ge­wiss­heit ein En­de hat und nun end­lich die not­wen­di­gen Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den.

„Vie­le Un­ter­neh­mer sind er­staunt, wel­che Mög­lich­kei­ten ih­nen das In­sol­venz­recht auch noch in die­ser Pha­se bie­tet“, er­klärt Fink. „Bes­ser ist es aber im­mer, wenn man sich so früh­zei­tig wie die Ge­sell­schaf­ter von Hein Ge­ri­cke da­für ent­schei­det, ak­tiv über ein Schutz­schirm­ver­fah­ren Sa­nie­rungs­maß­nah­men ein­zu­lei­ten.“

„Vie­le Un­ter­neh­mer sind er­staunt, wel­che Mög­lich­kei­ten ih­nen das In­sol­venz

recht bie­tet“

FO­TOS: MICHA­EL LÜB­KE

Ju­ris­ti­sche und be­triebs­wirt­schaft­li­che Kennt­nis­se ge­hö­ren zum Hand­werks­zeug ei­nes gu­ten In­sol­venz­ver­wal­ters, ist Dr. Paul Fink (FRH) über­zeugt.

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