Ett­be­werb zwi­schen den Kanz­lei­en um qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­fah­ren wird schär­fer – auch die r der In­sol­venz for­cie­ren. The­men gab es al­so ge­nug beim zwei­ten Rhei­ni­sche Post-Wirt­schafts­fo­rum

Rheinische Post Goch - - EXTRA INSOLVENZ -

kei­ten durch das ESUG, dem Ge­setz zur wei­te­ren Er­leich­te­rung der Sa­nie­rung von Un­ter­neh­men, zu tun. Ei­ner der ers­ten, die die­se Ei­gen­ver­wal­tung vor­an­ge­trie­ben ha­ben, war Ro­bert Bucha­lik von der auf Sa­nie­rung und Re­struk­tu­rie­rung spe­zia­li­sier­ten Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp. „Die Zahl der ESUG-Ver­fah­ren nimmt je­des Jahr zu, aber vie­le In­sol­venz­ver­wal­ter ha­ben die Be- deu­tung und die Mög­lich­keit noch im­mer nicht ver­stan­den.“Er kri­ti­siert die Plä­ne ei­ni­ger Ver­wal­ter, auf­grund der sich ver­än­dern­den Markt­be­din­gun­gen nun auch Sa­nie­rungs­be­ra­tung und die Be­glei­tung von Ei­gen­ver­wal­tun­gen an­zu­bie­ten. „Das ist un­glaub­wür­dig.“

Dass das nicht un­be­dingt auf Ge­gen­lie­be stößt, ist nicht ver­wun­der­lich. „Sol­len die In­sol- venz­ver­wal­ter ein­fach ab­war­ten und sich mit der Rol­le der Sach­wal­ter in den Ei­gen­ver­wal­tun­gen zu­frie­den ge­ben? Es gibt kei­nen Grund für gu­te Ver­wal­ter, sich nicht neu auf­zu­stel­len“, sagt Dr. Wolf-Rü­di­ger von der Fecht von der gleich­na­mi­gen Kanz­lei, der die vor­insol­venz­li­che Sa­nie­rungs­be­ra­tung be­reits im­ple­men­tiert hat. Und auch Dr. Dirk And­res sagt, dass ei­ne Be­ra­tung hin­sicht­lich Ei­gen­ver­wal­tung und Schutz­schirm durch­aus sinn­voll für In­sol­venz­ver­wal­ter sei. „Nur die aus­schließ­lich leis­tungs­wirt­schaft­lich ori­en­tier­te Be­ra­tung wirkt mög­li­cher­wei­se nicht glaub­wür­dig.“Eben­so Wil­helm Klaas: „Es ist le­gi­tim, nach Al­ter­na­ti­ven zu su­chen. Der Markt wird das re­gu­lie­ren.“Auf die Au­then­ti­zi­tät kommt es auch Dr. Marc d’Avoi­ne an (ATN Rechts­an­wäl­te). „Wir wol­len, in dem was wir tun, Ex­per­ten blei­ben und für et­was ste­hen. Des­halb hängt ei­ne mög­li­che Be­ra­tung im­mer an der qua­li­ta­ti­ven Be­fas­sung mit der Sa­nie­rung und Re­struk­tu­rie­rung“, sagt der In- sol­venz­ver­wal­ter. Gleich­zei­tig for­dert Ge­org Kre­plin aber auch, dass bei die­ser Be­ra­tung im­mer die Ur­sa­chen­for­schung im Vor­der­grund ste­hen müs­se. Nur der kurz­fris­ti­ge Ein­satz be­stimm­ter ge­setz­li­cher In­stru­men­te, um die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on zu ver­bes­sern, sei noch kei­ne ech­te Sa­nie­rung und erst recht kei­ne nach­hal­ti­ge Re­struk­tu­rie­rung.

Dr. Ma­xi­mi­li­an Pluta (Pluta Rechts­an­walts Gm­bH) be­tont, dass al­lein die An­for­de­run­gen der Man­dan­ten im Fo­kus ste­hen: „Kom­ple­xe Re­struk­tu­rie­run­gen und Ei­gen­ver­wal­tun­gen ge­lin­gen nur in ei­nem in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Team aus Sa­nie­rungs­ex­per­ten mit ju­ris­ti­scher, be­triebs­wirt­schaft­li­cher und steu­er­recht­li­cher Ex­per­ti­se so­wie ei­nem ho­hen Maß an un­ter­neh­me­ri­schem Ver­ständ­nis.“In schwie­ri­gen Fäl­len kön­nen so­gar Auf­ga­ben der Ge­schäfts­füh­rung kurz­fris­tig mit er­fah­re­nen Kri­sen-Ma­na­gern be­setzt wer­den.

Co­rin­ne Ren­nert-Ber­gen­thal, Part­ne­rin bei Abels De­cker Kuh­fuss Lenzen & Part­ner (ADKL), be­tont, dass die Ar­beit in der Sa­nie­rung ei­ne psy­cho­lo­gisch an­de­re sei. „Der Un­ter­neh­mer ist der Auf­trag­ge­ber, mit ihm muss man auf Au­gen­hö­he um­ge­hen.“Sie ist über­zeugt, dass ei­ne Wel­le in der Be­ra­tung kom­men wird, aber gleich­zei­tig be­merkt sie, dass vie­le Un­ter­neh­mer sich lei­der noch im­mer zu spät um ei­ne hoch­wer­ti­ge Be­ra­tung küm­mern wür­den. Phy­si­ker, IBM-Ma­na­ger, Raum­fah­rer an Bord der Co­lum­bia, Pro­fes­sor für Raum­fahrt­tech­nik in München: Ul­rich Wal­ter ist ein viel­sei­ti­ger Mann und je­mand, dem man nicht je­den Tag be­geg­net. Und so war auch sei­ne Key No­te auf dem zwei­ten RP-Wirt­schafts­fo­rum „In­sol­ven­zen und Sa­nie­rung“nicht all­täg­lich.

„Die Wirt­schaft kann von der Raum­fahrt ler­nen. Da­mit ein Pro­jekt per­fekt funk­tio­niert, braucht es meh­re­re Jah­re Vor­be­rei­tung. Denn der Schlüs­sel zum Er­folg liegt nicht im Prin­zip des ‚Tri­al and Er­ror’, al­so Ver­such und Schei­tern, son­dern in zehn spe­zi­el­len Maß­nah­men“, sagt Ul­rich Wal­ter.

Ei­ne Maß­nah­me laut dem re­nom­mier­ten For­scher, der im Rah­men der 55. Space Shut­tle-Mis­si­on fast zehn Ta­ge im All war, sei es, die An­for­de­run­gen im Ver­lau­fe ei­nes Pro­jek­tes nicht zu ver­än­dern. Auch wenn sich ein Pro­jekt als (ppe) Was in den USA bei­na­he zum gu­ten Ton in der Wirt­schafts­welt ge­hört, ist in Deutsch­land wei­ter­hin ver­pönt. Schei­tern ist hier­zu­lan­de ein Ma­kel, kein Zei­chen von un­ter­neh­me­ri­scher Er­fah­rung oder mu­ti­gen Ent­schei­dun­gen. Da­bei ist für den Ver­mö­gen­s­psy­cho­lo­gen und Zu­kunfts­for­scher Pro­fes­sor Tho­mas Druy­en (Sig­mund Freud Pri­vat­uni­ver­si­tät Wi­en Pa­ris) der „Um­gang mit Schei­tern ein un­ter­neh­me­ri­scher Akt“, und Druy­en for­dert ei­ne „Kul­tur des Schei­terns“– wo­bei Horst Pie­pen­burg, In­sol­venz­ver­wal­ter bei Pie­pen­burg-Ger­ling, dar­auf hin­weist, dass das Schei­tern bei Un­ter­neh­men na­tür­lich nicht zur Re­gel wer­den dür­fe.

Grund­sätz­lich hät­ten ge­ra­de Ei­gen­tü­mer gro­ße Schwie­rig­kei­ten mit dem Schei­tern. Das stellt Tho­mas Aust­mann her­aus, sei­ne Kanz­lei Aust­mann & Part­ner be­rät re­gel­mä­ßig In­ha­ber mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men in wirt­schafts­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen. Die Teil­neh­mer des zwei­ten Rhei­ni­sche Post-Wirt­schafts­fo­rums „In­sol­ven­zen und Sa­nie­rung“sind sich ei­nig: Für schwie­rig her­aus­stel­le, die ur­sprüng­lich avi­sier­te ho­he Qua­li­tät dür­fe nicht in Fra­ge ge­stellt wer­den. Eben­so wich­tig für Ul­rich Wal­ter: „Wer am An­fang viel Zeit in Pla­nung und Vor­be­rei­tung in­ves­tiert, spart spä­ter Geld.“

Dass ei­ne un­zu­rei­chen­de Pla­nung zu ei­ner Ka­ta­stro­phe füh­ren kann, zeigt Wal­ter am Bei­spiel des Co­lum­bia-Ab­stur­zes 2003. Auf­grund ei­nes tech­ni­schen Feh­lers am Shut­tle war die Co­lum­bia 16 Mi­nu­ten vor der ge­plan­ten Lan­dung in ei­ner Hö­he von 63,1 Ki­lo­me­tern über Te­xas aus­ein­an­der­ge­bro­chen. „Die an­schlie­ßen­de Un­ter­su­chung hat er­ge­ben, dass vor al­lem or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ur­sa­chen zu dem Un­glück ge­führt ha­ben. Das Pro­blem des feh­ler­an­fäl­li­gen Bau­teils war be­kannt, aber durch un­ter an­de­rem un­zu­rei­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on und das Igno­rie­ren von Hin­wei­sen wur­de es nicht an­ge­packt.“Schließ­lich hät­ten die vor­an­ge­gan­ge­nen Mis­sio­nen auch feh­ler­frei funk­tio­niert.

Bei der Be­ra­tung

muss die Ur­sa­chen­for­schung im Vor­der­grund

ste­hen

Un­ter­neh­mer ist ei­ne ech­te Kri­sen­si­tua­ti­on – ins­be­son­de­re mit der In­sol­venz als Kon­se­quenz – ei­ne per­sön­li­che Nie­der­la­ge. In dem Zu­sam­men­hang weiß Co­rin­ne Ren­ner­tBer­gen­thal, Part­ne­rin bei Abels De­cker Kuh­fuss Lenzen & Part­ner (ADKL), dass das Schei­tern im Mit­tel­stand zwar kein um­fas­sen­des Ta­bu mehr sei, aber oft igno­riert wür­de: „Gu­te Sa­nie­rung kos­tet Geld, aber das wird zu­vor sehr oft in den schwan­ken­den Be­trieb ge­steckt, so­dass spä­ter nicht mehr ge­nü­gend für die wirk­lich wich­ti­gen Maß­nah­men üb­rig ist.“

Für Dr. Paul Fink ( FRH Rechts­an­wäl­te) ist ei­ne Kom­po­nen­te in der Ar­beit der Sa­nie­rungs­be­ra­ter und In­sol­venz­ver­wal­ter wich­tig: „Wir müs­sen Psy­cho­lo­gen sein und er­spü­ren, was im Be­trieb los ist.“Und Dr. Marc d’Avoi­ne von ATN Rechts­an­wäl­te de­fi­niert ei­ne Kern­auf­ga­be der In­sol­venz­ver­wal­ter: „Der pro­fes­sio­nel­le Um­gang mit dem Schei­tern und die Neu­aus­rich­tung für ei­ne er­folg­rei­che Zu­kunft sind die An­for­de­run­gen an ei­ne mo­der­ne In­sol­venz­ver­wal­tung.“

Für Un­ter­neh­mer

ist ei­ne ech­te Kri­sen­si­tua­ti­on ei­ne per­sön­li­che

Nie­der­la­ge

FO­TOS: ALOIS MÜLLER

nie­rungs­ex­per­ten über die Markt­si­tua­ti­on und die Her­aus­for­de­run­gen für Un­ter­neh­men und Kanz­lei­en.

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