Tau­sche Alt­schul­den ge­gen Hoch­pro­zen­ti­ges

Rheinische Post Goch - - EXTRA INSOLVENZ - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Im­mer mehr Un­ter­neh­men lö­sen ih­re Bank­ver­bind­lich­kei­ten ab und ge­ben da­für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus. Die Um­schul­dung kann sich aus ver­schie­de­nen Grün­den loh­nen.

Hoch­zins­an­lei­hen, in der in­ter­na­tio­na­len Ban­ken­spra­che High-Yield-Bonds ge­nannt, gal­ten lan­ge Zeit als Wert­pa­pie­re für Zo­cker-Na­tu­ren. Denn sol­che An­lei­hen bie­ten zwar deut­lich hö­he­re Ren­di­ten als si­che­re Staats­an­lei­hen wie bei­spiels­wei­se Bun­des­pa­pie­re. Da­mit ist aber auch das ent­spre­chend grö­ße­re Ri­si­ko ei­nes Zins­aus­falls oder so­gar ei­nes To­tal­ver­lusts ver­bun­den. Ra­ting-Agen­tu­ren be­wer­ten Hoch­zins­an­lei­hen un­ter­halb des so­ge­nann­ten In­vest­ment Gra­de. Bei Stan­dard & Poor’s so­wie Fitch ist das BB+ und je­des Ra­ting dar­un­ter, bei Moo­dy’s Ba1 und je­des Ra­ting dar­un­ter.

Sol­che Ra­tings sa­gen: Wer als An­le­ger kei­ne gu­ten Ner­ven hat, soll­te die Fin­ger da­von las­sen. Zo­cker­pa­pie­re sind Hoch­zins­an­lei­hen des­halb je­doch nicht. Der Markt hat sich enorm ent­wi­ckelt. Das wird schon an der Um­satz­ent­wick­lung deut­lich: Vor zehn Jah­ren gab es in Eu­ro­pa de fac­to noch kei­nen Markt für Hoch­zins­an­lei­hen. Vor fünf Jah­ren wur­den High-Yield-Bonds im Wert von ins­ge­samt 61 Mil­li­ar­den USDol­lar emit­tiert. Im ver­gan­ge­nen Jahr be­trug das Emis­si­ons­vo­lu­men in Eu­ro­pa 121 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Kein Wun­der, dass der Markt boomt: Für in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren sind High-Yield-Bonds als De­pot­bei­mi­schung im­mer in­ter­es­san­ter ge­wor­den.

Denn bei­spiels­wei­se Pen­si­ons­fonds, Hed­ge­fonds oder Ver­si­che­run­gen ha­ben an­ge­sichts des lang­an­hal­tend nied­ri­gen Zins­ni­veaus im­mer mehr Pro­ble­me da­mit, die Ren­di­teVer­spre­chen zu hal­ten, die sie ih­ren Kun­den vor Jah­ren ge­ge­ben ha­ben. Staats­an­lei­hen mit ho­her Bo­ni­tät wie et­wa Bun- des­an­lei­hen bie­ten nur noch Ren­di­ten na­he der Null­li­nie. Die In­sti­tu­tio­nel­len grei­fen des­halb ger­ne zu, wenn Pa­pie­re auf den Markt kom­men, die ei­ne über­durch­schnitt­li­che ho­he Ver­zin­sung bie­ten.

„Für Un­ter­neh­men, die ih­re Bank-Ver­bind­lich­kei­ten neu sor­tie­ren wol­len oder müs­sen, ist das ei­ne Chan­ce“, sagt Dr. Mar­co Wil­helm von der Wirt­schafts­kanz­lei Mayer Brown. Fir­men, die ei­nen Teil ih­rer Kre­di­te bei den Ban­ken ab­lö­sen und da­für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus­ge­ben, hat­ten in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren gu­te Chan­cen, Ab­neh­mer da­für zu fin­den.

Vor­teil solch ei­ner Um­schul­dungs­maß­nah­me: Schul­den die Un­ter­neh­men ei­nen Groß­teil ih­rer Ver­bind­lich­kei­ten um, sorgt das lang­fris­tig für mehr Pla­nungs­si­cher­heit. An­lei­hen mit Lauf­zei­ten zwi­schen fünf und sie­ben Jah­ren mit fes­ten Zin­sen sor­gen da­für, dass die Un­ter­neh­men Zeit ge­win­nen. Ge­ra­de für Fir­men, die sich in ei­nem Re­struk­tu­rie­rungs­pro­zess be­fin­den, sind wich­ti­ge Ar­gu­men­te. Und es gibt wei­te­re gu­te Grün­de. So pro­fi­tie­ren zu­wei­len auch die be­tref­fen­den Ban­ken von sol­chen Um­schul­dun­gen: „Durch die neu­en Re­gu­lie­rungs­vor­schrif­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re sind Ban­ken an­ge­hal­ten, ih­re Ei­gen­ka­pi­tal­struk­tur zu ver­bes­sern. Da kam es der ei­nen oder an­de­ren Bank schon ein­mal ge­le­gen, wenn sie ei­nen Schuld­ner aus ih­ren Bü­chern strei­chen konn­te“, er­klärt Wil­helm. Denn schließ­lich muss je­der Kre­dit, den ei­ne Bank aus­gibt, mit Ei­gen­ka­pi­tal hin­ter­legt sein. Die Re­geln da­für sind seit der Fi­nanz­kri­se im­mer wei­ter ver­schärft wor­den.

Zwar gibt es bei ei­ner Um­struk­tu­rie­rung der Schul­den in Hoch­zins­an­lei­hen schein­bar nur Ge­win­ner. Das heißt je­doch nicht, dass die­se Op­ti­on für al­le Un­ter­neh­men ge­eig­net ist. „Um solch ei­nen Schritt zu ge­hen, muss ein Un­ter­neh­men schon ei­ne ge­wis­se Grö­ße ha­ben“, sagt Mar­co Wil­helm. Denn die Emis­si­on von An­lei­hen ist mit ei­ner Men­ge Auf­wand ver­bun­den. Die Pro­spek­ter­stel­lung, die Road­shows zu den po­ten­zi­el­len Käu­fern, die Due Dil­li­gence, al­so die Be­wer­tung des Un­ter­neh­mens, der Ge­schäfts­ent­wick­lung und des Ri­si­ko­po­ten­zi­als, schließ­lich der Ver­kauf der An­lei­hen über die Ban­ken an die In­ves­to­ren. Da kom­men ho­he Kos­ten zu­sam­men, die sich erst ab ei­nem ge­wis­sen Be­trag rech­nen.

Kon­kret: Hier geht es um Kre­dit­vo­lu­mi­na von min­des­tens 200 Mil­lio­nen Eu­ro. „Für ei­nen mit­tel­gro­ßen Ma­ler­mei- ster­be­trieb ist das In­stru­ment nicht ge­eig­net“, so Wil­helm. In Deutsch­land kal­ku­liert ei­ne gan­ze Rei­he von mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men mit sol­chen Kre­dit­vo­lu­mi­na. „Ge­ra­de ei­gen­tü­mer­ge­führ­te Un­ter­neh­men sind oft über die Jahr­zehn­te ge­wach­sen – und mit ih­nen auch ih­re Kre­dit­struk­tu­ren. Da macht es zu­wei­len Sinn, die­se mal an­zu­pas­sen“, sagt Mar­co Wil­helm.

Da­bei gilt die Faust­re­gel: Je kri­sen­fes­ter die Pro­dukt­pa­let­te der Un­ter­neh­men und ih­re Bi­lanz, des­to we­ni­ger Zin­sen müs­sen sie er­fah­rungs­ge­mäß für ih­re An­lei­hen bie­ten, und des­to leich­ter fin­den sich Käu­fer. „Im Ide­al­fall ist die Fi­nan­zie­rung über An­lei­hen für die Fir­men un­term Strich manch­mal so­gar güns­ti­ger als die al­ten Bank­kre­di­te“, er­klärt Wil­helm. Fa­zit: Hoch­pro­zen­ti­ges muss für Un­ter­neh­mer nicht teu­er sein.

Es geht bei der Emis­si­on von An­lei­hen um Kre­dit­vo­lu­mi­na

von min­des­tens 200 Mil­lio­nen Eu­ro

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