Lot­sen durch schwie­ri­ge Zei­ten

Rheinische Post Goch - - EXTRA INSOLVENZ - VON JÜR­GEN GRO­SCHE

Wenn in­sol­venz­er­fah­re­ne Kanz­lei­en in der Sa­nie­rung be­ra­ten, trau­en sie sich auch an Tä­tig­kei­ten her­an, die an­de­re Be­ra­ter oft scheu­en. Und ih­re Tipps zeu­gen von der in In­sol­venz­ver­fah­ren er­wor­be­nen Kennt­nis.

Der Na­me sagt schon viel: Die Düs­sel­dor­fer Kanz­lei von der Fecht LLP führt den Na­mens­zu­satz „Rechts­an­wäl­te & Steu­er­be­ra­ter“; sie ist al­so nicht al­lein in ih­rem klas­si­schen Feld der In­sol­venz­ver­wal­tung tä­tig. Die seit 1970 be­ste­hen­de So­zie­tät hat ihr Ar­beits­ge­biet er­wei­tert – ei­ne Kon­se­quenz der neu­en recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen.

„Seit Ein­füh­rung des ESUG ist al­les aus ei­ner Hand mög­lich, und das wird von den Rich­tern auch ak­zep­tiert“, be­schreibt Part­ner Dr. Wolf-Rü­di­ger von der Fecht ei­nen Wan­del in der Bran­che, der durch das Ge­setz zur wei­te­ren Er­leich­te­rung der Sa­nie­rung von Un­ter­neh­men (ESUG) aus­ge­löst wur­de. In­sol­venz­ver­wal­ter kön­nen jetzt auch Un­ter­neh­men be­ra­ten, Sa­nie­rungs­be­ra­ter ins Ver­wal­ter-Ge­schäft vor­drin­gen.

Da­bei gibt es durch­aus Un­ter­schie­de, sagt von der Fecht: „Mit den Er­fah­run­gen aus der In­sol­venz­ver­wal­tung kön­nen wir an­ders be­ra­ten.“Ein Bei­spiel: Von der Fecht be­ob­ach­tet im­mer wie­der bei Un­ter­neh­men, die trotz gu­ter Be­ra­tung in­sol­vent wur­den, dass kein Geld mehr in der Kas­se ist. „Sie wur­den so lan­ge be­ra­ten, bis kein Geld mehr da war.“Von der Fecht wür­de in ei­nem sol­chen Fall schon in der Sa­nie­rungs­be­ra­tung früh­zei­tig dar­auf hin­wei­sen, dass man li­qui­de Mit­tel vi­el­leicht bes­ser im In­sol­venz­ver­fah­ren nut­zen könn­te, „denn sie blei­ben auch in der In­sol­venz erst ein­mal im Un­ter­neh­men“. Mit li­qui­den Mit­teln ha­be man mehr Spiel­raum für die Sa­nie­rung.

Wei­te­rer Un­ter­schied zu her­kömm­li­chen Be­ra­tun­gen: „Wir ge­hen mit höchs­tens drei Ex­per­ten in die Sa­nie­rungs­be­ra­tung“; an­de­re Un­ter­neh­men wür­den häu­fig viel mehr Be­ra­ter schi­cken. Die ef­fi­zi­en­te­re Ar­beits­wei­se er­klärt von der Fecht eben­falls mit der Er­fah­rung aus der In­sol­venz­ver­wal­tung: „Wir sind firm in der Ana- ly­se der In­sol­venz­grün­de“; die Spe­zia­lis­ten kön­nen schnel­ler Lö­sun­gen auf­zei­gen, die kei­ne Haf­tungs­ri­si­ken ent­hal­ten.

„Wir ge­hen nur mit ge­schäfts­er­fah­re­nen Be­ra­tern in die Un­ter­neh­men“, fügt der Rechts­an­walt hin­zu. Das wirkt sich auf die Qua­li­tät der Sa­nie­rung aus: „Wir sind durch­aus auch mal kan­ti­ger mit un­se­ren Emp­feh­lun­gen“, die­se wür­den dann nicht je­dem in der Fir­ma oder dem Um­feld ge­fal­len. Da­für über­neh­men die Sa­nie­rungs­pro­fis aber auch Or­gan­ver­ant­wor­tung, wenn dies ge­wünscht wird. „Wir ver­ste­hen uns als Spie­ler-Trai­ner, das heißt, wir sit­zen nicht nur auf der Bank, son­dern spie­len auch ak­tiv mit.“Al­so: Schon vor der In­sol­venz bie­ten die Spe­zia­lis­ten an, selbst un­ter- neh­me­risch tä­tig zu wer­den. „Falls dann trotz­dem ei­ne In­sol­venz in Ei­gen­ver­wal­tung un­ver­meid­lich wird, steu­ern wir wei­ter durch.“Da­mit über­neh­men sie qua­si die Funk­ti­on von Lot­sen.

Den Zu­gang zu Un­ter­neh­men mit Sa­nie­rungs­be­darf fin­det die Kanz­lei häu­fig durch Ver­mitt­lung. Ban­ken, Wirt­schafts­prü­fer oder Steu­er­be­ra­ter, die Ein­blick in die Bi­lan­zen und Ent­wick­lun­gen ha­ben und Schief­la­gen er­ken­nen, emp­feh­len von der Fecht wei­ter. „Wir wür­den uns wün­schen, dass Un­ter­neh­mer auch selbst früh­zei­ti­ger ak­tiv wer­den“, sagt von der Fecht. Die Fir­men­len­ker müss­ten aber oft ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Hür­de über­win­den. Von der Fecht ver­sucht, dann hier ei­ne Brü­cke zu bau­en: „Wir zwei­feln nicht die un­ter­neh­me­ri­sche Kom­pe­tenz an, son­dern bie­ten nur zu­sätz­lich un­se­re Re­struk­tu­rie­rungs­kom­pe­tenz an.“

Ei­ne gründ­li­che Sa­nie­rung um­fasst vie­le Be­rei­che: Fi­nanz­wirt­schaft, Ar­beits- und im­mer auch das Steu­er­recht. Im Zu­ge der Er­wei­te­rung ih­rer Tä­tig­keit hat die Kanz­lei ih­re Ka­pa­zi­tä­ten aus­ge­baut und vier Un­ter­neh­mens- so­wie vier Steu­er­be­ra­ter zu­sätz­lich an Bord ge­nom­men. Ins­ge­samt be­schäf­tigt sie der­zeit rund 50 Mit­ar­bei­ter in vier Be­rei­chen. Ne­ben der klas­si­schen In­sol­venz­ver­wal­tung bie­tet ei­ne Rechts­ab­tei­lung Be­ra­tung ins­be­son­de­re im Ge­sell­schafts­und im Ar­beits­recht. Ei­ne Steu­er­be­ra­tungs-Ge­sell­schaft hat auch Buch­hal­tung im An­ge­bot, die Un­ter­neh­mens­be­ra­tung lie­fert ne­ben der Be­ra­tung auch leis­tungs­wirt­schaft­li­che Beur­tei­lun­gen und Ma­nage­ment-Leis­tun­gen.

„Wir ge­hen mit höchs­tens drei

Ex­per­ten in die Sa­nie­rungs

be­ra­tung“

FO­TOS: MICHA­EL LÜB­KE

Dr. Wolf-Rü­di­ger von der Fecht, Part­ner der Düs­sel­dor­fer Kanz­lei von der Fecht LLP

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