Ge­schäfts­füh­rer im Vi­sier

Rheinische Post Goch - - EXTRA INSOLVENZ - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Wer Teil­ha­ber ei­nes Un­ter­neh­mens ist, geht Ri­si­ken ein. Das gilt in der Re­gel auch für Ge­schäfts­füh­rer. „Droht ein Un­ter­neh­men in Schief­la­ge zu ge­ra­ten, schi­cken die Ban­ken ger­ne Sa­nie­rungs­be­ra­ter. Die ha­ben aber vor al­lem die In­ter­es­sen ih­res Auf­trag­ge­bers im Sinn. Und das ist in der Re­gel die Bank und nicht der Un­ter­neh­mer. Und schon gar nicht der Ge­schäfts­füh­rer“, sagt Wil­helm Klaas von der Kanz­lei Klaas & Kol­le­gen.

Die Fol­ge: Bei ei­ner Über­schul­dung wer­den Un­ter­neh­mer und vor al­lem Ge­schäfts­füh­rer oft­mals über ih­re per­sön­li­che fi­nan­zi­el­le Schmerz­gren­ze hin­aus in Haf­tung ge­nom­men. Vor­aus­schau­en­des Han­deln sei ge­fragt: „Wenn ein Un­ter­neh­men in die In­sol­venz geht, wird im­mer ge­schaut, wann der Zeit­punkt war, an dem das Un­ter­neh­men nicht mehr zah­lungs­fä­hig oder über­schul­det war. Für den Ge­schäfts­füh­rer ist das ei­ne wich­ti­ge Haf­tungs­fra­ge. Denn die Fra­ge, ob und wann ei­ne In­sol­venz­rei­fe vor­liegt oder nicht, ent­schei­det dar­über, in wel­chem Um­fang Ge­schäfts­füh­rer haft­bar ge­macht wer­den“, er­klärt Klaas. Des­halb sei es zwin­gend not­wen­dig, dass die Ge­schäf­te grund­sätz­lich, per­ma­nent und über Jah­re hin­aus or­dent­lich do­ku­men­tiert wür­den. „Nur so kann ein Ge­schäfts­füh­rer im Fall des Fal­les be­wei­sen, ob er sorg­fäl­tig ge­han­delt hat“, so Klaas.

Das Pro­blem: Oft­mals er­ken­nen Un­ter­neh­mens­füh­rer die Schwie­rig­kei­ten erst, wenn es zu spät ist. Das hat den Ju­ris­ten Wil­helm Klaas per­sön­lich be­rührt. „Ge­schäfts­füh­rer, die oft­mals über Jah­re hin­aus mit per­sön­li­chem Ein­satz und Herz­blut ein Un­ter­neh­men füh­ren, ma­chen sich meis­tens zu we­nig Ge­dan­ken dar­über, was es für sie und ih­re Fa­mi­lie be­deu­tet, wenn ihr Un­ter­neh­men in Schwie­rig­kei­ten ge­rät“, so Klaas. Sei­ne Kon­se­quenz: Die Kanz­lei hat er kom­plett neu aus­ge­rich­tet. „Seit ei­ni­gen Jah­ren ge­hen wir ge­zielt auf Ge­schäfts­füh­rer und Ge­schäfts­füh­ren­de Ge­sell­schaf­ter zu, um sie um­fas­send zu be­ra­ten, wie sie ih­re per­sön­li­chen Haf­tungs­ri­si­ken re­du­zie­ren kön­nen“, sagt Klaas.

Sei­ne Mis­si­on: Als un­ab­hän­gi­ger Be­ra­ter oh­ne In­ter­es­sen­kon­flikt zeigt er Ge­schäfts­füh­rer Ri­si­ken auf und zeigt Lö­sungs­we­ge, wie das Ge­schäft blei­ben kann, was es an und für sich sein soll: ein Ge­schäft. Und nicht ein un­kal­ku­lier­ba­res per­sön­li­ches Ri­si­ko für den­je­ni­gen, der es be­treibt.

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