Pegida ist das Ge­gen­teil von Chris­ten­tum

Rheinische Post Goch - - POLITIK - Der rhei­ni­sche Prä­ses Man­fred Re­kow­ski schreibt hier an je­dem vier­ten Sams­tag im Mo­nat. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: kolumne@rhei­ni­sche-post.de

Erst Fah­nen und Trans­pa­ren­te, dann Mi­nia­tur-Gal­gen und nun der Mor­d­an­griff auf die Po­li­ti­ke­rin Hen­ri­et­te Re­ker – von der Pa­ro­le zur Lynch-Fan­ta­sie und von der Hass­re­de zur Ge­walt­tat ist es nur ein Kat­zen­sprung. Brand­an­schlä­ge auf Flücht­lings­un­ter­künf­te gibt es seit Mo­na­ten bei­na­he täg­lich. Mich er­schüt­tern Hem­mungs­lo­sig­keit und Ta­bu­bruch, die nicht erst im At­ten­tat von Köln sicht­bar wur­den.

Die Ver­samm­lun­gen von Pegida und Kon­sor­ten sind Brut­stät­ten die­ses Un­geis­tes. Dort und in so­zia­len Netz­wer­ken ge­ben vie­le vor, das christ­li­che Abend­land ver­tei­di­gen zu wol­len. Ih­re Het­ze of­fen­bart aber, dass es ih­nen ums Abend­land nicht ge­hen kann – je­den­falls nicht um das christ­li­che. Wüss­ten sie, was das Christ­li­che am Abend­land aus­macht, wür­den sie an­ders den­ken und re­den und vor al­lem an­ders han­deln. Ich wie­der­ho­le mich, aber

Wem es um die Wer­te des Abend­lands geht, der ist bei den „Asyl­kri­ti­kern“falsch. Dort wird Hass ge­schürt. Ih­re Ver­samm­lun­gen sind Brut­stät­ten des Un­geis­tes.

ich er­klä­re es, wenn nö­tig, im­mer wie­der: Das christ­li­che Abend­land speist sich aus sei­nen jü­di­schen Wur­zeln. Es speist sich aus den Wur­zeln, aus de­nen Je­sus von Na­za­reth, der Chris­tus, ge­lebt hat. Er war Ju­de und kann­te das Ge­setz Got­tes: Dar­in hat Gott den Sei­nen die Fremd­lin­ge ans Herz ge­legt – ge­nau­so wie die Wit­wen und Wai­sen, die heu­te sinn­bild­lich für Men­schen ste­hen, die Schutz und Für­sor­ge brau­chen: zum Bei­spiel Ar­me, Asyl­su­chen­de und Ob­dach­lo­se glei­cher­ma­ßen.

Was das Christ­li­che aus­macht, kann man in der Bi­bel nach­le­sen. Die Bi­bel, das Buch, auf das wir Chris­ten uns nicht nur im Abend­land be­ru­fen, weiß, wie die Men­schen ti­cken. Sie weiß nicht nur um Schutz­be­dürf­ti­ge. Sie er­zählt auch von der Wut de­rer, die mei­nen, zu kurz zu kom­men. Sie kennt Über­heb­lich­keit und Bos­heit der Men­schen. Und Gleich­gül­tig­keit und Ver­sa­gen der Mäch­ti­gen sind ihr auch nicht fremd. Die Bi­bel ist da ganz von die­ser Welt. Aber sie be­schreibt auch We­ge, die aus Angst, Neid und zer­stö­re­ri­schem Hass her­aus­füh­ren. Sie er­zählt, wie Je­sus die­se We­ge vor­ge­lebt hat – ge­walt­frei. Ein­fach zu ge­hen sind die­se We­ge nicht. Auch das weiß die Bi­bel.

Wem es um die Wer­te geht, für die das christ­li­che Abend­land steht, der ist bei Pegida & Co. falsch. Da sind kei­ne Ret­ter des christ­li­chen Abend­lan­des. Dort wird Hass ge­schürt. Das ist das Ge­gen­teil des Chris­ten­tums und sei­nes Kerns. Got­tes Lie­be zu den Men­schen ist der Kern. Die­se Kern-Bot­schaft wei­tet Herz und Ho­ri­zont, und das ha­ben wir bit­ter nö­tig. Weil ich Christ bin, wer­de ich nicht mü­de, auch das im­mer wie­der in Er­in­ne­rung zu ru­fen.

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