43 Men­schen ster­ben bei Bus-Un­glück

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON CHRIS­TI­NE LON­GIN

In der Nä­he von Bor­deaux fuhr der Bus ei­ner Se­nio­ren­grup­pe, die ei­nen Ta­ges­aus­flug in die Py­re­nä­en ma­chen woll­te, in ei­nen Holz­trans­por­ter. Es ist der schwers­te Un­fall in Frank­reich seit mehr als 30 Jah­ren.

BOR­DEAUX Wer das aus­ge­brann­te Wrack des Rei­se­bus­ses sieht, kann sich nicht vor­stel­len, dass je­mand le­bend aus dem ver­kohl­ten Ge­rip­pe her­aus­kam. Min­des­tens 43 Men­schen star­ben laut Gen­dar­me­rie in dem In­fer­no, das sich ges­tern Mor­gen ge­gen 7.30 Uhr auf der Land­stra­ße D17 rund 50 Ki­lo­me­ter öst­lich von Bor­deaux er­eig­ne­te. Ein Rei­se­bus mit 48 Se­nio­ren, die zu ei­nem Ta­ges­aus­flug un­ter­wegs wa­ren, fuhr in ei­ner Kur­ve in ei­nen un­be­la­de­nen Holz­las­ter und fing so­fort Feu­er. Der Lkw-Fah­rer hat­te auf der feuch­ten Stra­ße of­fen­bar die Kon­trol­le über sein Fahr­zeug ver­lo­ren, so dass sein An­hän­ger quer stand. Der Bus­fah­rer sah den Trans­por­ter zu spät und fuhr hin­ein. Nur acht Men­schen über­leb­ten das Un­glück, vier da­von schwer ver­letzt. Für die an­de­ren wird der Bus zur To­des­fal­le. „Wenn ein Feu­er aus­bricht, ist die Flucht qua­si un­mög­lich“, sagt Phil­ip­pe Cour­tois, An­walt der na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung der Un­fall­op­fer, dem Sen­der BFMTV.

Der Bus­fah­rer, der mit leich­ten Bles­su­ren über­leb­te, öff­ne­te geis­tes­ge­gen­wär­tig die Tü­ren, um we­nigs­tens ei­ni­ge In­sas­sen zu ret­ten. Ein Au­to­fah­rer, der hin­ter dem Bus her­fuhr, wur­de eben­falls zum Le­bens­ret­ter: Er schlug laut ei­nem Spre­cher der Gen­dar­me­rie die Schei­be des Un­glücks­fahr­zeugs ein, um Pas­sa­gie­re her­aus­zu­ho­len. In der Ka­bi­ne des Lkw-Fah­rers, der ums Le­ben kam, fan­den die Ret­tungs­kräf­te auch die Lei­che ei­nes drei­jäh­ri­gen Jun­gen, wahr­schein­lich sein Sohn.

Erst sie­ben Ki­lo­me­ter sind die Rei­sen­den un­ter­wegs ge­we­sen, als sich das Dra­ma im be­rühm­ten Wein­an­bau­ge­biet Saint-Emi­li­on er­eig­ne­te. Sie wa­ren am frü­hen Mor- gen in der klei­nen Ge­mein­de Pe­titPa­lais ge­star­tet. Die Mit­glie­der des Se­nio­ren­clubs wa­ren auf dem Weg in die Py­re­nä­en, um dort den be­rühm­ten Bayon­ne-Schin­ken zu kos­ten, und soll­ten am Abend wie­der zu­rück sein. „Ich ha­be die Nach­richt er­hal­ten, als ich Brot kauf­te. Mei­ne Frau ist mit zwei Freun­din­nen ge­gen 7 Uhr auf­ge­bro­chen“, be­rich­te­te der Le­bens­ge­fähr­te ei­nes der Op­fer der Zei­tung „Sud Ou­est“. 31 Se­nio­ren aus Pe­tit-Pa­lais, ei­nem Dorf mit gut 700 Ein­woh­nern, sa­ßen in dem Bus – nur ei­ner über­leb­te. Bür­ger­meis­te­rin Patri­cia Raichi­ni soll drei Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge ver­lo­ren ha­ben. Ihr Vor­gän­ger Mi­chel Ro­ge­rie, Vor­sit­zen­der des Se­nio­ren­clubs, soll eben­falls un­ter den Op­fern sein.

Die Kur­ve, in der sich der Un­fall er­eig­ne­te, war als ge­fähr­lich be­kannt. „Es gab dort schon frü­her Un­fäl­le“, räum­te der stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­meis­ter der Ge­mein­de Puis­se­gu­in, in der die Un­glücks­stel­le liegt, in ei­nem Ra­dio-In­ter­view ein. An­woh­ner be­rich­ten, man kön­ne in der schar­fen Kur­ve „auf 100 Me­tern nichts se­hen“. War­um der Bus so schnell aus­brann­te, ist al­ler­dings noch un­klar. „Das fra­gen wir uns auch“, sag­te der Spre­cher der Gen­dar­me­rie.

„Das ist ein furcht­ba­rer Schock für die Re­gi­on und ganz Frank­reich“, sag­te Re­gie­rungs­chef Ma­nu­el Valls in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on. Zu­sam­men mit In­nen­mi­nis­ter Ber­nard Ca­ze­neuve und Ver­kehrs­mi­nis­ter Alain Vi­da­lies mach­te er sich vor Ort in Puis­se­gu­in ein Bild von der La­ge. Prä­si­dent François Hol­lan­de äu­ßer­te sich in At­hen, wo er zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Be­such weilt. Der Staats­chef sprach auf ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit dem grie­chi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Al­exis Tsi­pras von ei­ner Ka­ta­stro­phe – „das Wort ist nicht zu stark“. We­ni­ge St­un­den zu­vor hat­te der Ely­sée-Pa­last be­reits er­klärt, der Un­fall sei ei­ne „sehr gro­ße Tra­gö­die“. Bei­leids­be­kun­dun­gen ka­men aus al­ler Welt, auch von Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck.

Es han­delt sich um den schwers­ten Un­fall in Frank­reich seit mehr als 30 Jah­ren. 1982 wa­ren auf ei­ner Au­to­bahn in der Nä­he von Di­jon 52 Men­schen ums Le­ben ge­kom­men, als eben­falls ein Rei­se­bus mit meh­re­ren Au­tos kol­li­dier­te. Un­ter den Op­fern wa­ren 44 Kin­der auf dem Weg ins Fe­ri­en­la­ger. 2003 star­ben im Groß­raum Lyon 23 Deut­sche, die mit dem Bus un­ter­wegs nach Spa­ni­en wa­ren.

FO­TOS: RTR

Die Sze­ne aus ei­nem Vi­deo zeigt den Un­glücks­ort in ei­ner schar­fen Kur­ve. Der Holz­las­ter und der Rei­se­bus brann­ten kom­plett aus. War­um der Bus so schnell Feu­er fing, ist für die Gen­dar­me­rie noch ein Rät­sel.

Ver­zweif­lung und Trau­er über das Un­glück sind groß.

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