Im­mo­bi­li­en um bis zu 57 Pro­zent teu­rer

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

Ein re­la­tiv klei­nes Haus im Rhein­land kann 120.000 Eu­ro mehr kos­ten als vor fünf Jah­ren, ei­ne Ei­gen­tums­woh­nung 70.000 Eu­ro oder mehr. Das zeigt ei­ne ex­klu­si­ve Un­ter­su­chung. Dank nied­ri­ge­rer Zin­sen ist Kau­fen oft bes­ser als Mie­ten.

DÜSSELDORF Sind Im­mo­bi­li­en noch be­zahl­bar? Auf den ers­ten Blick im­mer schwe­rer: Ein nicht ge­ra­de rie­si­ges Haus für ei­ne oder zwei Fa­mi­li­en mit 125 Qua­drat­me­tern in Düsseldorf kos­te­te Mit­te des Jah­res im Schnitt 433.000 Eu­ro, fast 100.000 Eu­ro mehr als vor fünf Jah­ren. Noch stär­ker ist der Preis­sprung bei Ei­gen­tums­woh­nun­gen: 217.000 Eu­ro, 47 Pro­zent mehr als vor fünf Jah­ren, muss­ten Käu­fer für 80 Qua­drat­me­ter über­wei­sen – der Auf­schlag be­trägt rund 70.000 Eu­ro.

Die Zah­len hat die Bon­ner For­schungs­fir­ma Em­pi­ri­ca ex­klu­siv für un­se­re Re­dak­ti­on für 26 Städ­te des Rhein­lan­des er­ho­ben. Der Trend: Rund um Düsseldorf, in Mett­mann, Ra­tin­gen oder Hil­den, sind Preis- sprün­ge be­son­ders hef­tig. So stie­gen in Meer­busch die Kos­ten für ein Haus um ein Drit­tel auf durch­schnitt­lich 474.000 Eu­ro. Käu­fer zah­len 120.000 Eu­ro mehr als 2010.

Die Prei­se für Ei­gen­tums­woh­nun­gen zie­hen da­bei stär­ker an als für Häu­ser. So kos­tet ei­ne 80 Qua­drat­me­ter-Eta­gen­woh­nung in Hil­den 56 Pro­zent und in Mett­mann 57 Pro­zent (plus 86.000 Eu­ro) mehr als vor fünf Jah­ren. Ins­ge­samt gin­gen die No­tie­run­gen für Woh­nun­gen im Schnitt um 32 Pro­zent hoch, bei Häu­sern um neun Pro­zent.

Ein Grund ist: An­ge­bo­te­ne Ei­gen­tums­woh­nun­gen lie­gen häu­fi­ger in zen­tra­len Stadt­la­gen als frü­her. Hin­zu kommt, dass we­gen der von rund vier Pro­zent auf zwei Pro­zent ab­ge­rutsch­ten Zin­sen für Bau­geld neue Käu­fer­schich­ten in den Markt drän­gen. „Häu­ser wa­ren schon im­mer ge­mes­sen am durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men ei­ne kost­spie­li­ge Sa­che und stei­gen dar­um nicht so stark beim Preis“,er­klärt Em­pi­ri­ca-Ex­per­te Tho­mas Abra­ham, „wo­ge­gen mit den nied­ri­gen Zin­sen nun vie­le Bür­ger ei­nen Im­mo­bi­li­en­kauf wa­gen, die da­vor frü­her zu­rück­schreck­ten.“ 196.000 € +43% 231.000 € -12% 191.000 € +50% 256.000 € +1% 187.000 € +19% 249.000 € -1% 225.000 € +41% 277.000 € -2% 97.000 € +3% 297.000 € +15% 197.000 € +45% 218.000 € -16% 146.000 € +37% 242.000 € +4% 199.000 € 361.000 € 196.000 € +30% 325.000 € +13% Preis für Ei­gen­tums­woh­nun­gen (80m2) +/- Pro­zen­tua­le Ve­rän­de­rung seit 2010 Preis für Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser (125m2) +/- Pro­zen­tua­le Ve­rän­de­rung seit 2010 217.000 € +47% 433.000 € +29% 248.000 € +42% 474.000 € +33% 218.000 € +38% 408.000 € +13% 239.000 € +56% 332.000 € +0% 223.000 € +34% 326.000 € +1% 203.000 € +33% 326.000 € +6% 87.000 € +9% 237.000 € +14% 88.000 € +2% 237.000 € +12% 225.000 € 306.000 € 174.000 € +3% 316.000 € +31% 234.000 € +57% 342.000 € -3% 195.000 € +22% 373.000 € +24% 118.000 € +16% 252.000 € +5% 238.000 € +41% 389.000 € +23% 111.000 € 306.000 € +47% +6% +7% +3%

Den Trend zur Markt­ver­brei­tung be­stä­ti­gen Mak­ler. „Die Prei­se für Top­adres­sen wie Düsseldorf-Ober­kas­sel gin­gen zu­erst in die Hö­he“, sagt Wul­ff Aen­ge­velt, ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter von Aen­ge­velt Im­mo­bi­li­en in Düsseldorf, „und jetzt fol­gen vie­le wei­te­re Stadt­tei­le und Ge­gen­den in der Re­gi­on.“

Die Fra­ge ist, ob Mie­ter schnell kau­fen soll­ten, be­vor die No­tie­run­gen wei­ter stei­gen. Pau­scha­le Ant­wor­ten gibt es nicht. So lohnt sich ein Kauf für Alt­mie­ter mit nied­ri­ger Mie­te we­ni­ger als für die­je­ni­gen, die neu in ei­ne Ge­gend zie­hen und ei­nen teu­ren Ver­trag er­hal­ten.

Für ei­nen Kauf spricht, dass die nied­ri­ge­ren Zin­sen bei nicht zu ho­hem Preis ei­ne schnel­le­re Til­gung mög­lich ma­chen: Wenn al­so ei­ne Fa­mi­lie die zwei Pro­zent­punk­te ge-

„Wer schnell tilgt, ist vor dem Ri­si­ko künf­tig stei­gen­der Zin­sen deut­lich

bes­ser ge­schützt“

„Die Prei­se für Top­adres­sen gin­gen zu­erst hoch, jetzt fol­gen vie­le

wei­te­re Ge­gen­den“

spar­ter Zin­sen in ei­ne jähr­li­che Til­gung von vier Pro­zent statt zwei Pro­zent steckt, kann sie in zehn Jah­ren rund 45 Pro­zent til­gen. „Wer schnell tilgt, ist vor dem Ri­si­ko künf­tig stei­gen­der Zin­sen deut­lich bes­ser ge­schützt“, sagt Em­pi­ri­ca-Ex­per­te Abra­ham. Mak­ler Aen­ge­velt rät da­bei zu ge­staf­fel­ten Kre­di­ten: „Für ei­nen Teil des ge­lie­he­nen Gel­des könn­te man sich das nied­ri­ge Zins­ni­veau für 15 Jah­re si­chern. Aber man könn­te auch ei­nen Teil der Fi­nan­zie­rung nur für fünf Jah­re mit be­son­ders nied­ri­gem Zins­satz ab­schlie­ßen, wenn man die­sen Teil­be­trag fast kom­plett ab­trägt.“

Um­ge­kehrt ist das Ri­si­ko hoch, wenn Bür­ger we­gen der nied­ri­ge­ren Zin­sen viel hö­he­re Kre­di­te auf­neh­men. Da­zu ei­ne Rech­nung: Ei­ne Fa­mi­lie nimmt 300.000 Eu­ro auf und tilgt nur mit ei­nem Pro­zent pro Jahr. Dann muss sie nur 750 Eu­ro im Mo­nat zah­len, wenn sie zwei Pro­zent Zin­sen zahlt. Nach zehn Jah­ren liegt der Schul­den­berg aber noch bei 267.000 Eu­ro. Steigt der Zins­satz dann auf vier Pro­zent, wä­ren im Mo­nat 1112 Eu­ro fäl­lig – bei nur ei­nem Pro­zent Til­gung.

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