Das Ama­zon-Goog­le-Mi­cro­soft-Bör­sen­be­ben

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON FLO­RI­AN RINKE

Die Kur­se der Tech-Kon­zer­ne sind ges­tern um Mil­li­ar­den Dol­lar ge­stie­gen. Da­bei fie­len die Ge­schäfts­zah­len ganz un­ter­schied­lich aus.

MOUN­TAIN VIEW Wer noch an der Do­mi­nanz der US-Di­gi­tal­kon­zer­ne zwei­felt, soll­te sich fol­gen­de Zah­len ver­ge­gen­wär­ti­gen: Nach­dem die Un­ter­neh­men Al­pha­bet (frü­her be­kannt als Goog­le), Ama­zon und Mi­cro­soft ih­re Ge­schäfts­zah­len vor­ge­stellt hat­ten, schnell­ten die Kur­se der drei nach Bör­sen­schluss so ge­wal­tig in die Hö­he, dass ihr Un­ter­neh­mens­wert in der Sum­me zwi­schen­zeit­lich um mehr als 100 Mil­li­ar­den Eu­ro stieg.

Das be­deu­tet kon­kret: Die Zah­len für das drit­te Quar­tal reich­ten aus, um für ei­nen Wert­zu­wachs zu sor­gen, der hö­her lag als der Un­ter­neh­mens­wert von Daim­ler (81 Mil­li­ar­den Eu­ro). Das be­deu­tet auch: Ama­zon-Grün­der Jeff Be­zos ist plötz­lich um fünf Mil­li­ar­den Dol­lar (4,5 Mil­li­ar­den Eu­ro) rei­cher – und da­mit mit ei­nem Ver­mö­gen von 55 Mil­li­ar­den Dol­lar (49,8 Mil­li­ar­den Eu­ro) laut Be­rech­nun­gen des Fi­nanz­diens­tes Bloom­berg drittreichs­ter Ame­ri­ka­ner.

Vor ihm liegt ne­ben In­ves­to­renLe­gen­de War­ren Buf­fet aus­ge­rech­net Mi­cro­soft-Grün­der Bill Ga­tes, der ge­nau wie Be­zos von den Kurs­sprün­gen pro­fi­tier­te. Da­bei sank der Um­satz des Soft­ware-Kon­zerns so­gar deut­lich um zwölf Pro­zent auf 20,38 Mil­li­ar­den Dol­lar. Denn auch das neue Mi­cro­soft Be­triebs­sys­tem Win­dows 10 konn­te nicht ver­hin­dern, dass welt­weit im­mer we­ni­ger PCs und Lap­tops ver­kauft wer­den. Trotz­dem ver­dien­te Mi­cro­soft noch 4,62 Mil­li­ar­den Dol­lar. We­ni­ger Um­satz und mehr Ge­winn – das sorg­te bei An­le­gern für Be­geis­te­rung. Der Grund ist ein­fach: Mi­cro­soft ver­dient im­mer mehr mit sei­nem Cloud-Ge­schäft, bei dem Spei­cher­und Re­chen­diens­te ins In­ter­net aus­ge­la­gert wer­den.

Das gro­ße Pro­blem von Mi­cro­soft trägt ei­nen Na­men: Al­pha­bet. So hat­te sich Goog­le zu­letzt um­be­nannt, um zu ver­deut­li­chen, wie ernst es dem Un­ter­neh­men da­mit ist, Ord­nung in sein Fir­men­ge­flecht zu brin­gen. Denn ne­ben der Such­ma­schi­ne Goog­le gibt es mit der Vi- de­o­platt­form Youtube, der Ent­wick­lung fah­rer­lo­ser Au­tos und von Com­pu­ter­bril­len so­wie an­de­ren Pro­jek­ten ei­ne Viel­zahl von Ge­schäfts­be­rei­chen. Dies al­les soll über­sicht­li­cher in ei­ner Hol­ding­Struk­tur ge­bün­delt wer­den.

Zu den Goog­le- bzw. Al­pha­be­tPro­jek­ten ge­hört auch An­dro­id, je­nes mo­bi­le Be­triebs­sys­tem, das Mi­cro­soft so stark zu­setzt. Vie­len Nut­zern reicht heu­te ein Smart­pho­ne oder Ta­blet – und hier heißt das do­mi­nie­ren­de Be­triebs­sys­tem ne­ben dem von App­le nun mal An­dro­id.

Das ist ein Vor­teil für das Un­ter­neh­men aus dem ka­li­for­ni­schen Moun­tain View, aber gleich­zei­tig ei­ne Ge­fahr. Denn der Kon­zern muss das bis­he­ri­ge Ge­schäfts­mo­dell – den Ver­kauf von An­zei­gen, die an­schlie­ßend in Such­an­fra­gen an­ge­zeigt wer­den – auf viel klei­ne­re Bild­schir­me über­tra­gen. Wie wich­tig Mo­bil­ge­rä­te in­zwi­schen sind, mach­te Goog­le-Chef Sun­dar Pich­ai deut­lich: „Welt­weit gab es erst­mals mehr Such­an­fra­gen über Han­dys als über her­kömm­li­che PCs.“

Die An­zei­gen­er­lö­se von Goog­le leg­ten trotz­dem kräf­tig zu und klet­ter­ten im drit­ten Quar­tal um 13 Pro­zent auf 16,8 Mil­li­ar­den Dol­lar. Der Ge­samt­um­satz von 18,7 Mil­li­ar­den Dol­lar zeigt, dass der Kon­zern noch im­mer fast sein ge­sam­tes Ge­schäft mit Wer­bung macht – und da­von ab­hän­gig ist. Be­son­ders wich­tig ist da­bei in­zwi­schen die Vi­deo-Platt­form Youtube. Der Kon­zern nann­te zwar kei­ne ge­nau­en Zah­len, be­ton­te aber, dass die Platt­form ein wich­ti­ger Grund für das star­ke Wachs­tum im Ge­schäft mit Wer­bung auf mo­bi­len Ge­rä­ten sei.

Ei­ne Ge­fahr für Goog­le könn­ten lang­fris­tig al­ler­dings die sin­ken­den An­zei­gen­prei­se sein. Durch Kon­kur­ren­ten wie Face­book ist der Markt in­zwi­schen ex­trem um­kämpft, da­durch sin­ken na­tür­lich auch die Prei­se. Um­so mehr ach­tet Al­pha­bet/Goog­le in­zwi­schen dar­auf, die Kos­ten im Kon­zern nicht aus­ufern zu las­sen. Auch da­durch stieg der Quar­tals­ge­winn deut­lich im Jah­res­ver­gleich um 45 Pro­zent auf 3,98 Mil­li­ar­den Dol­lar.

Da­von kön­nen Ama­zon-An­le­ger nur träu­men. Weil der On­line­Händ­ler in der Re­gel fast sei­ne ge­sam­ten Ein­nah­men wie­der re­inves­tiert, fal­len im­mer wie­der Ver­lus­te an oder es gibt le­dig­lich ver­gleichs­wei­se klei­ne Ge­win­ne. Dies­mal wa­ren es – nach ei­nem Ver­lust von 437 Mil­lio­nen Dol­lar im Vor­jah­res­quar­tal – im­mer­hin 79 Mil­lio­nen Dol­lar, die am En­de üb­rig blie­ben. Vie­le Bör­sen­ana­lys­ten hat­ten er­neut mit ei­nem Ver­lust ge­rech­net. Die­sen gab es auch, al­ler­dings nicht auf dem nord­ame­ri­ka­ni­schen Markt, son­dern nur im in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft. Der Um­satz stieg deut­lich um gut 23 Pro­zent auf 25,36 Mil­li­ar­den Dol­lar.

Da­für war nicht nur der On­line­Han­del ver­ant­wort­lich, son­dern – wie bei Mi­cro­soft – auch das Clou­dGe­schäft. Auch dies be­legt, wie sehr sich die im­mer stär­ke­re Di­gi­ta­li­sie­rung auf Ge­schäfts­mo­del­le aus­wirkt – so stark, dass Kon­zer­ne über Nacht so viel an Wert zu­le­gen, wie ein Au­to­her­stel­ler über Jahr­zehn­te auf­baut.

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