An­griff auf das Ehe­gat­ten­split­ting

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Die SPD will wie­der den Kanz­ler stel­len. Des­halb er­ar­bei­tet sie wich­ti­ge Po­li­tik­fel­der, die 2017 die Wahl ent­schei­den könn­ten. Ei­nes da­von ist die Fa­mi­li­en­po­li­tik. Die agi­le und sym­pa­thi­sche Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig hat ein Pro­gramm vor­ge­legt, das Kin­der för­dern, Frau­en ent­las­ten und Fa­mi­li­en stär­ken soll.

Das ist al­les zu be­grü­ßen. In ih­rem Kon­zept greift die SPD aber auf Alt­be­kann­tes zu­rück: Frei­be­trä­ge und Ehe­gat­ten­split­ting be­güns­ti­gen Gut­ver­die­ner und die kin­der­lo­se Haus­frau. Sie sind da­her ab­zu­leh­nen. Eben­so ty­pisch für die SPD ist es, das Steu­er­sys­tem als Mit­tel für ei­ne pro­gres­si­ve Fa­mi­li­en­po­li­tik ein­zu­set­zen.

Das ist aber grund­ver­kehrt. Denn das Steu­er­sys­tem soll ge­ra­de nicht zur Durch­set­zung ge­sell­schaft­li­cher Zie­le miss­braucht wer­den. Hier geht es um die gleich­mä­ßi­ge Be­las­tung der Staats­bür­ger. Ge­ra­de das Ehe­gat­ten­split­ting, das die SPD durch

Die SPD hat ei­nes ih­rer Lieb­lings­the­men neu ent­deckt: die Ab­schaf­fung des Ehe­gat­ten­split­tings. Doch das trägt mehr zur Gleich­be­rech­ti­gung bei, als die SPD denkt.

ein kom­pli­zier­tes Fa­mi­li­en­split­ting er­set­zen will, trägt maß­geb­lich zur Gleich­be­hand­lung von Paa­ren und zwi­schen den Part­nern zu je­ner von Mann und Frau bei. Wenn Ehe­leu­te ei­ne Wirt­schafts­ge­mein­schaft bil­den, bei der sie ge­mein­sam ein­neh- men und aus­ge­ben, darf die Auf­tei­lung des Er­werbs­ein­kom­mens zwi­schen Mann und Frau nicht die Be­steue­rung be­stim­men. Paa­re, in de­nen ei­ner ver­dient, müs­sen gleich be­han­delt wer­den mit Paa­ren, in de­nen die bei­den et­wa gleich viel ver­die­nen. Denn die Ein­nah­men bei ei­nem Ein­zel­ver­die­ner-Ehe­paar kom­men bei­den glei­cher­ma­ßen zu­gu­te. Das be­stim­men Ar­ti­kel drei und sechs des Grund­ge­set­zes, die die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau so­wie den Schutz der Ehe fest­le­gen.

Zu­dem will die SPD die Kin­der­frei­be­trä­ge ab­schaf­fen und so­mit Kin­der­lo­se bei glei­chem Ein­kom­men deut­lich bes­ser stel­len – an­geb­lich zu­guns­ten der är­me­ren Fa­mi­li­en. Wie­der wird deut­lich, dass Steu­er­po­li­tik für ge­sell­schaft­li­che Zie­le un­ge­eig­net ist. Die SPD soll­te an­de­re Mit­tel da­für wäh­len.

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