Der Kon­for­mi­täts­druck steigt

Rheinische Post Goch - - HOCHSCHULE - VON HEI­NER BARZ

War­um ver­stum­men Pro­fes­so­ren, fragt die „Zeit“in ei­ner ak­tu­el­len De­bat­ten-Se­rie. Dass die Mecha­nis­men der Fehl­steue­rung nicht nur Eva­lua­ti­ons­pro­gram­men und Ka­ta­lo­gen von Be­ru­fungs­kri­te­ri­en, nicht nur eng­lisch­spra­chi­gen Peer-Re­view­Fach­zeit­schrif­ten und Dritt­mit­telRan­kings ge­schul­det sind, ist ei­ne Er­gän­zung, die man vi­el­leicht ma­chen soll­te. Die strom­li­ni­en­för­mi­ge Zu­rich­tung der For­schungs­pro­gram­me der Wis­sen­schaft durch bi­blio­me­tri­sche und fi­nanz­sta­tis­ti­sche For­schungs­be­wer­tung ist das ei­ne. Es gibt aber, mög­li­cher­wei­se als Kol­la­te­ral­scha­den des Ran­kin­gund Pro­fi­lie­rungs-Im­pe­ra­tivs, of­fen­bar auch ei­ne neue Kon­for­mis- mus-Er­war­tung von­sei­ten der Hoch­schul­lei­tun­gen. Je­den­falls le­gen das Be­rich­te na­he, die da­von han­deln, dass Rek­to­ren ih­re Pro­fes­so­ren zum Rap­port ein­be­stel­len, wenn sie sich öf­fent­lich nicht ganz im Sin­ne der Hoch­schul­lei­tung ge­äu­ßert ha­ben. (Um Miss­ver­ständ­nis­se zu ver­mei­den, sei er­gänzt, dass das ak­tu­el­le Düs­sel­dor­fer Rek­to­rat kei­nes­falls ge­meint ist.) „Ich will hier nicht die dienst­recht­li­che Kar­te zie­hen“ist ei­ne vor­der­grün­dig kon­zi­li­an­te For­mu­lie­rung – um dann aber um­so deut­li­cher na­he­zu­le­gen, dass sich ein Pro­fes­sor doch in der Öf­fent­lich­keit bit­te nicht zu Hoch­schul­an­ge­le­gen­hei­ten zu äu­ßern hät­te. Das sei al­lein Sa­che des Rek­to­rats. An­läs­se kön­nen schon harm­lo­se Ko­lum­nen über die Qua­li­tät des Men­sa­es­sens sein oder öf­fent­li­che Ein­mi­schun­gen in Zei­ten der Schwei­ne­grip­pe-Hys­te­rie oder in den blei­er­nen Mo­na­ten des Scha­van-Ver­fah­rens. Dass durch der­ar­ti­ge In­ter­ven­tio­nen ei­ne aka­de­mi­sche Streit­kul­tur nicht un­be­dingt be­för­dert wird und der ein­zel­ne Wis­sen­schaft­ler oder die ein­zel­ne Wis­sen­schaft­le­rin sich nicht un­be­dingt er­mu­tigt fin­det, in­di­vi­du­el­le Stand­punk­te zu ent­wi­ckeln und öf­fent­lich zu ver­tre­ten, liegt auf der Hand.

FOTO: WER­NER GA­B­RI­EL

Un­ser Au­tor ist Bil­dungs­for­scher an der Uni Düsseldorf.

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