Soap für Se­nio­ren

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KULTUR - VON PE­TER MOHR

Isa­bel Al­len­des „Der ja­pa­ni­sche Lieb­ha­ber“

Die in­zwi­schen 73-jäh­ri­ge Er­folgs­au­to­rin Isa­bel Al­len­de („Das Geis­ter­haus“) hat es im­mer wie­der ge­schafft, welt­weit ein mil­lio­nen­star­kes Pu­bli­kum in den Bann zu zie­hen – zu­meist mit im­po­san­ten his­to­ri­schen Frau­en­fi­gu­ren. An die­sem Strick­mus­ter hat Al­len­de auch in ih­rem neu­en Ro­man „Der ja­pa­ni­sche Lieb­ha­ber“fest­ge­hal­ten.

Im Mit­tel­punkt steht die einst er­folg­rei­che Künst­le­rin Al­ma Be­las­co, die ih­re 80 Jah­re über­schrit­ten hat, sich aber mit Macht ge­gen das Al­ter wehrt. Rück­bli­ckend wer­den wir mit ih­rem Le­bens­weg kon­fron­tiert, den ih­re Ge­sell­schaf­te­rin Iri­na und Al­mas En­kel Seth re­kon­stru­ie­ren.

Blitz­schnell wer­den wir von ei­nem rei­ßen­den Er­zähl­stru­del er­fasst, der uns durch die Un­tie­fen et­li­cher un­glück­li­cher Lie­bes­be­zie­hun­gen, ei­ne freud­lo­se Ehe und ei­ne dra­ma­tisch-trau­ri­ge Kind­heit führt. Al­mas El­tern sind im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger er­mor­det wor­den, sie selbst kam zu Ver­wand­ten in die USA, wo sie sich als Te­enager un­sterb­lich in den Sohn des ja­pa­ni­schen Gärt­ners Fu­ku­da ver­lieb­te.

Al­ma schlit­tert in ei­ne un­glück­li­che Ehe mit Nat­ha­ni­el, der sich als Schwu­ler ou­tet. Sie tritt die Flucht in vie­le Af­fä­ren an, die in Buch­hal­ter­ma­nier ab­ge­ar­bei­tet wer­den. Al­mas Ju­gend­schwarm Ichi­mei wird als „Mann der hit­zi­gen Lie­be, der ero­ti­schen Ein­fäl­le“be­schrie­ben. Noch in fort­ge­schrit­te­nem Al­ter sen­det ihr der Land­schafts-Künst­ler de­zen­te flo­ra­le und poe­ti­sche Lie­bes­grü­ße. Da wird die Kitsch­gren­ze doch um ei­ni­ge Zoll über­schrit­ten.

Im Ro­man knackt und knirscht es an al­len Ecken und Kan­ten, und man be­geg­net Sät­zen, die in kei­nem Volks­hoch­schul­kurs für krea­ti­ves Schrei­ben durch­ge­hen wür­den. Oft ist es mehr Fluch als Se­gen, wenn ei­nem Schrift­stel­ler mit dem De­büt­werk gleich ein ganz gro­ßer Wurf ge­lingt.

Vom Glanz ih­res Erst­lings „Das Geis­ter­haus“, den sie spä­ter nur noch punk­tu­ell er­reich­te, ist Isa­bel Al­len­de in­zwi­schen Licht­jah­re ent­fernt. Ih­re so ge­heg­ten star­ken Frau­en­fi­gu­ren wir­ken wie aus ei­ner Doku-Soap für Se­nio­ren.

Vom Ni­veau ih­res Erst­lings hat sich Al­len­de Licht­jah­re

ent­fernt

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