Fortu­na tritt zu harm­los auf

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON BERND JOLITZ

Mit 1:2 hat Düsseldorf das Zweit­li­ga-Fuß­ball­spiel bei RB Leipzig ver­lo­ren. Die Sach­sen fei­er­ten ei­nen ver­dien­ten Er­folg.

LEIPZIG Für die Düs­sel­dor­fer Me­di­en­ver­tre­ter nahm die Zweit­li­ga­Par­tie der Fortu­na in Leipzig kei­nen an­ge­neh­men An­fang. Kaum hat­ten sie den Pres­se­raum der Are­na be­tre­ten, schlug ih­nen in oh­ren­be­täu­ben­der Laut­stär­ke die Geiß­bockHym­ne „Mer stonn zo dir, FC Köl­le“ent­ge­gen. Ein klei­nes Miss­ver­ständ­nis beim Ver­such, rhei­ni­sche Hei­mat­ge­füh­le zu er­zeu­gen – oder soll­te es da ei­nen heim­li­chen FC-Fan im Ge­fol­ge des Brau­se­klubs ge­ben? Wie auch im­mer: Der Auf­takt­schre­cken fand – dies­mal für die Spie­ler der Düs­sel­dor­fer – sei­ne Fort­set- zung auf dem Platz. Die Mann­schaft von Trai­ner Frank Kra­mer un­ter­lag dem Auf­stiegs­fa­vo­ri­ten 1:2 und muss sich vor­erst auf ei­nen län­ge­ren Ver­bleib in der Ab­stiegs­zo­ne ein­rich­ten.

Wie er­war­tet hat­te Kra­mer Ex-Na­tio­nal­spie­ler Alexander Mad­lung, den Fortu­na am Mitt­woch ver­pflich­tet hat­te, zu­nächst (bis zur 82. Mi­nu­te) auf der Bank Platz neh­men las­sen. Dort saß al­ler­dings auch Ihlas Bebou, den nach der ver­let­zungs­be­ding­ten Ab­sa­ge Ma­this Bol­lys vie­le auf der rech­ten Au­ßen­bahn ge­se­hen hat­ten. Die­se Po­si­ti­on nahm statt­des­sen der Nie­der­län­der Mi­ke van Dui­nen ein, von Haus aus Mit­tel­stür­mer und da­her wohl auch mit ent­spre­chen­den Pro­ble­men in der Flü­gel­rol­le.

Ganz vorn in die Spit­ze be­or­der­te der Trai­ner Jo­el Poh­jan­pa­lo – nicht al­lein, weil der Fin­ne in bei­den Ver­glei­chen mit Leipzig in der Vor­sai- son ge­trof­fen hat­te. „Mir hat ge­fal­len, dass er sich beim 1:0 ge­gen Bielefeld sei­ne Mög­lich­kei­ten selbst er­ar­bei­tet hat“, er­klär­te Kra­mer. „Jol­le hat sehr gut mit­ge­macht, auch bei der De­fen­siv­ar­beit. Und wer hart ar­bei­tet, wird ir­gend­wann da­für be­lohnt.“Wie im Na­tio­nal­tri­kot, dach­te Kra­mer si­cher: Da hat­te Poh­jan­pa­lo in den jüngs­ten drei Par­ti­en je­weils ein Tor er­zielt.

Der 21-Jäh­ri­ge konn­te al­ler­dings auch nicht ver­hin­dern, dass die Gast­ge­ber viel Druck ent­fach­ten. Im­mer­hin setz­te Fortu­na lan­ge ei­ne or­dent­li­che und struk­tu­rier­te De­fen­siv­ar­beit ent­ge­gen, so dass wirk­lich zwin­gen­de Chan­cen der Leip­zi­ger zu­nächst Man­gel­wa­re blie­ben. Auf der Ge­gen­sei­te galt dies frei­lich in noch stär­ke­rem Ma­ße. Die Düs­sel­dor­fer ver­buch­ten zwar reich­lich Bal­le­r­obe­run­gen, mach­ten aber zu we­nig dar­aus. Zu un­ge­nau­es Pass­spiel mach­te durch­aus viel­ver­spre- chen­de Kon­ter­chan­cen zu­nich­te, die Quo­te der Ball­ver­lus­te war zu hoch. Den­noch hät­te die KramerT­rup­pe bei­na­he ein 0:0 in die Pau­se ge­ret­tet, was den Druck auf die oh­ne­hin oft et­was hek­tisch wir­ken­den Sach­sen er­höht hät­te. Dem stand in der Nach­spiel­zeit der ers­ten Hälf­te ein Mo­ment der Schlaf­müt­zig­keit ent­ge­gen: Ke­rem De­mir­bay lief nach ei­nem ab­ge­wehr­ten Eck­stoß zu lang­sam vom ei­ge­nen Tor weg, hob da­mit nach Lu­kas Klos­ter­manns ver­un­glück­tem Tor­schuss die Ab­seits­stel­lung von gleich drei Leip­zi­gern auf. Ei­ner da­von, Ge­burts­tags­kind Fors­berg (wur­de ges­tern 24), nutz­te das zum 1:0.

Ob­wohl die Gäs­te nach dem Sei­ten­wech­sel et­was mu­ti­ger wur­den, wa­ren mit die­sem Rück­stand zu ei­nem denk­bar un­güns­ti­gen Zeit­punkt die Wei­chen ge­stellt. Den schnel­len Leip­zi­gern er­öff­ne­ten sich noch mehr Räu­me für ihr Tem­po­spiel, und die führ­ten nach 64 Mi­nu­ten zu ei­nem Kon­ter­tor Mar­cel Sa­bit­zers. Fortu­na kam zwar noch zum An­schluss­tref­fer durch Ka­rim Hag­gui und ei­ner zu Un­recht we­gen Ab­seits zu­rück­ge­pfif­fe­nen Chan­ce Ke­vin Ak­po­gu­mas, war je­doch an die­sem Abend zu harm­los, um der Be­geg­nung noch ei­ne Wen­de zu ge­ben. Ver­dient wä­re sie trotz gu­ter Moral nicht ge­we­sen.

FOTO: DPA

Leip­zigs Davie Selke (l.), Tor­schüt­ze Emil Fors­berg (ver­deckt) und Mar­cel Sa­bit­zer auf dem Weg zum 1:0, Düs­sel­dorfs Tor­hü­ter Micha­el Ren­sing (r.) hat kei­ne Chan­ce.

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