Der Grö­ßen­wahn der Cham­pi­ons-Le­ague-Ma­cher

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Ei­nes der pro­gram­ma­ti­schen Schlag­wör­ter der Eu­ro­päi­schen Fuß­ball-Uni­on lau­tet „Re­spect“. Das ist lo­bens­wert, aber auch ziem­lich ab­surd, wenn man sieht, was ge­ra­de bei den Fuß­ball­ver­bän­den – ob Fi­fa, Ue­fa oder DFB – los ist. Nun gut. Es ist si­cher ein ge­recht­fer­tig­tes An­lie­gen, dass Spie­ler, Schieds­rich­ter und Zu­schau­er durch Wort und Tat Re­spekt vor­ein­an­der be­kun­den. Und zum Re­spekt ge­hört vi­el­leicht auch, dass die Fans ar­tig lau­schen, wenn vor den Spie­len der Cham­pi­ons Le­ague die von gro­ßem Selbst­ver­trau­en kün­den­de Hym­ne des Wett­be­werbs („Sie sind die Bes­ten“) er­klingt.

Man­ches­ter Ci­ty muss wohl ei­ne Stra­fe zah­len, weil Fans wäh­rend der Hym­ne des Wett­be­werbs ge­pfif­fen ha­ben. Die Ue­fa nimmt sich da­mit wie­der viel zu wich­tig.

Schließ­lich ver­bin­det sich mit der Me­lo­die ge­ra­de für Neu­lin­ge im Wett­be­werb wie Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach das Ge­fühl, es jetzt zu den Gro­ßen ge­schafft zu ha­ben.

Beim Spiel zwi­schen Man­ches­ter Ci­ty und dem FC Se­vil­la pfif­fen die Fans der Bri­ten wäh­rend der Wett­be­werbs-Hym­ne. Das ist zwar nicht die fei­ne eng­li­sche Art, aber si­cher­lich kein gro­bes Ver­ge­hen. Grund für die Pfif­fe: Die Fans pro­tes­tier­ten auf die­se ver­gleichs­wei­se harm­lo­se Art da­ge­gen, dass ZSKA Mos­kau Geis­ter­spie­le ge­gen die Ci­ti­zens (wie auch ge­gen Bay­ern München) be­strei­ten muss und auch kei­ne Gäs­tefans zu­ge­las­sen sind.

Die Ue­fa lei­te­te we­gen der Pfif­fe wäh­rend der Hym­ne nun ein Dis­zi­pli­nar-Ver­fah­ren ein. Denn die Er­ken­nungs­me­lo­die der Kö­nigs­klas­se ist der Ue­fa hei­lig. In den Re­gu­la­ri­en des Ver­ban­des re­gelt Punkt 16 g hoch­of­fi­zi­ell den Schutz des nach Ge­org Fried­rich Hän­dels „Za­dok The Priest“vor mehr als 20 Jah­ren von To­ny Brit­ten kom­po­nier­ten Stücks. Stö­run­gen wäh­rend der Hym­ne zie­hen zwangs­läu­fig ein Ver­fah­ren nach sich. Der Kon­troll-, Ethik- und Dis­zi­pli­nar­aus­schuss der Ue­fa wird sich am 19. No­vem­ber mit dem Fall be­fas­sen. Ha­ben die Sit­ten­wäch­ter am Gen­fer See ge­ra­de nichts Bes­se­res zu tun?

Die­ser Pas­sus im 108-sei­ti­gen Re­gle­ment der Cham­pi­ons Le­ague macht den Grö­ßen­wahn, der den ver­meint­lich gro­ßen Fuß­ball be­glei­tet, mal wie­der deut­lich. Die so ge­nann­te Hym­ne der Cham­pi­ons Le­ague wird zu et­was Be­son­de­rem über­höht – und das ganz be­stimmt oh­ne Au­gen­zwin­kern. Der Fuß­ball be­kommt da­mit von of­fi­zi­el­ler Sei­te ei­nen re­li­giö­sen An­strich. Oder das Cham­pi­ons-Le­ague-Lied­chen wird gleich­ge­setzt mit ei­ner Na­tio­nal­hym­ne, wäh­rend der sich Pfif­fe na­tür­lich ver­bie­ten.

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