Kreuz­feu­er

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Und wo kommt es her?“, frag­te ich ihn. „Von lau­ter Dumm­köp­fen“, mein­te er und lach­te. „Der Dum­me sind Sie“, sag­te ich. „Se­hen Sie sich doch an. Den klügs­ten Ein­druck ma­chen Sie im Au­gen­blick nicht. Und ich wet­te, von dem Geld be­kom­men Sie auch nicht viel.“

„Mein An­teil prahl­te er.

„Und wie vie­le Jah­re Knast ist Ih­nen Ihr An­teil wert, wenn das Gan­ze in sich zu­sam­men­fällt, was ja nur ei­ne Fra­ge der Zeit ist? Was, wenn War­ren und Gar­ra­way ir­gend­wann fin­den, dass Sie Ih­ren An­teil nicht mehr ver­die­nen? Dann er­trin­ken Sie vi­el­leicht auch in der Ba­de­wan­ne wie Ro­de­rick.“

„Die brau­chen mich“, ver­kün­de­te er stolz. „Ich bin be­ei­dig­ter Wirt­schafts­prü­fer. Die brau­chen mich, um ih­re Bi­lanz in Ord­nung zu brin­gen. Sie sind bloß nei­disch auf un­se-

ist groß ge­nug“, re Ge­schäfts­idee.“– „Was für ein Ge­schäft?“, ent­geg­ne­te ich. „Sie neh­men ein­fach Leu­te aus.“

„Die kön­nen sich’s doch leis­ten“, mein­te er höh­nisch grin­send.

Ich hielt es für sinn­los, ihm zu wi­der­spre­chen. Sei­ne Phi­lo­so­phie ent­sprach wahr­schein­lich der von Pol Pot und den Ro­ten Kh­mer.

„Wo­her ken­nen sich denn Jack­son War­ren und Pe­ter Gar­ra­way?“

„Das weiß ich nicht“, sag­te er. „Aber es sind al­te Freun­de von Jack­son. Schon Jah­re be­vor ich sie ken­nen­lern­te.“

„Und seit wann ken­nen Sie sie?“, frag­te ich.

„Schon zu lan­ge“, sag­te er, wie da­mals bei Isa­bel­las Abend­es­sen.

„Seit wann denn nun?“, fass­te ich nach. „Seit rund vier Jah­ren.“„Da fing die Sa­che mit dem Hedge-Fonds an?“

„Ja, so un­ge­fähr.“– „Und dar­um ging es auch bei Ih­rem Streit mit Jack­son War­ren an dem Abend bei Isa­bel­la?“– „Nein“, sag­te er. „Da ging’s um den an­de­ren klei­nen Schwin­del von ihm und Pe­ter.“„Näm­lich?“„M-m“, mach­te er. „Ich ha­be schon zu viel ge­sagt.“Da­mit hat­te er al­ler­dings recht. „Sie be­fürch­ten, dass das Fi­nanz­amt die­sen an­de­ren Schwin­del un­ter­sucht?“, frag­te ich und dach­te an sei­nen Wort­wech­sel mit Jack­son bei dem Abend­es­sen zu­rück. Was hat­te er da­mals ge­sagt? ,Wer weiß, was das Fi­nanz­amt dann noch al­les zu­ta­ge för­dert’ oder so. „Und Sie ha­ben Angst, dass bei der Prü­fung dann al­les raus­kommt?“

Es war ge­ra­ten, aber gar nicht schlecht.

„Sau­blöd, wenn Sie mich fra­gen“, sag­te er. Ich hat­te ihn ja ge­fragt. „Un­nö­ti­ges Ri­si­ko?“, ver­mu­te­te ich.

„Ge­nau.“– „Bei dem an­de­ren klei­nen Schwin­del geht es al­so um Steu­ern?“

„Hö­ren Sie“, sag­te er, statt auf mei­ne Fra­ge ein­zu­ge­hen, „ich ha­be auf dem Flug ein paar Bier ge­trun­ken, und jetzt muss ich drin­gend mal.“

Ich dach­te an mei­ne Ge­fan­gen­schaft im Stall zu­rück. Soll­te ich ihn zwin­gen, sich in die Ho­se zu ma­chen, so wie ich da­zu ge­zwun­gen ge­we­sen war?

„Na los“, schrie er mich an. „Mir platzt die Bla­se.“

Wi­der­stre­bend hol­te ich ei­ne Sche­re aus dem Ruck­sack, beug­te mich vor und schnitt die Plas­tik­bän­der durch, mit de­nen Alex’ Hän­de auf dem Rü­cken zu­sam­men­ge­bun­den wa­ren. – „Und wenn ich jetzt ab­haue?“Er setz­te sich auf­recht und rieb sich die Hand­ge­len­ke.

„So doch nicht.“Ich wies auf die Fes­seln an sei­nen Fü­ßen.

„Na los“, mein­te er. „Schnei­den Sie die auch auf.“

(Fort­set­zung folgt)

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