Ei­ne ziem­lich schrä­ge Po­li­zis­ten­fa­mi­lie

Rheinische Post Goch - - FERNSEHEN AM SAMSTAG - VON TIL­MANN P. GANG­LOFF

Viel­spre­chen­der Auf­takt zu ei­ner neu­en Sams­tags­kri­mi­rei­he: „Schwar­zach 23“spielt mit un­ter­schied­lichs­ten Gen­res.

STUTTGART Dass die Au­to­ren ei­nem Film von vorn­her­ein ein ent­spre­chen­des Eti­kett ver­pas­sen, ist sel­ten. Chris­ti­an Jeltsch und Micha­el Com­tes­se ha­ben nach ei­ge­ner Aus­sa­ge die Gen­re­zu­ta­ten „Fa­mi­lie, Kri­mi, Bay­ern“in ei­nen Topf ge­schüt­tet, „das Bun­te, das Lieb­li­che, das Har­mo­nie­be­dürf­nis ge­stri­chen“, die gan­ze Sa­che ge­er­det „und da­bei Ab­sur­des, Ab­grün­di­ges, Wahr­haf­ti­ges ge­fun­den.“Das Er­geb­nis ist „Schwar­zach 23“, ein „Wes­tern“, wie das Duo fin­det; al­ler­dings in An­füh­rungs­zei­chen.

Dass die neue Sams­tags­kri­mi­rei­he im ZDF aus dem Rah­men fällt, deu­tet schon der Ti­tel an: Es han­delt sich schlicht um die Vo­r­ort­adres­se der Mün­che­ner Fa­mi­lie, die im Zen­trum der Ge­schich­ten steht. Auch die Ein­füh­rung der Haupt­fi­gur ist mehr als un­ge­wöhn­lich: Franz Ger­min­ger ju­ni­or (Ma­xi­mi­li­an Brück­ner), ein Kom­mis­sar, der hin und wie­der Vi­sio­nen hat, sieht ei­nen Je­sus, der nicht am Kreuz hängt, son­dern drum her­um­tanzt. Bei der Ar­beit er­wei­sen sich die Er­schei­nun­gen hin­ge­gen als hilf­reich. Ger­min­ger se­ni­or (Fried­rich von Thun), auch er ein Franz, ist eben­falls kei­ne üb­li­che Kri­mi­fi­gur: Der al­te Herr, gleich­falls Po­li­zist, al­ler­dings im Ru­he­stand, trägt Le­der­ja­cke und Wo­chen­bart, gönnt sich gern ei­nen Jo­int und mischt sich in die Ar­beit sei­nes Soh­nes ein. Dass der Ju­ni­or aus sei­ner Wut kein Hehl macht, hat Eri­ka Ger­min­ger 27 Jah­re wa­ren Eri­ka (Gun­di El­lert) und Franz ein Paar. Sie ha­ben die Kin­der Franz und An­na. Sie ver­sucht, ih­re Fa­mi­lie zu­sam­men­zu­hal­ten. Franz Ger­min­ger Jun. Der Haupt­kom­mis­sar (Ma­xi­mi­li­an Brück­ner) ist al­lein­er­zie­hen­der Va­ter von Em­ma (Stel­la Fö­rin­ger). Sie teilt den Ge­rech­tig­keits­sinn ih­rer Fa­mi­lie und er­mit­telt auch ger­ne mit. den­noch an­de­re Grün­de. Drit­te im Bun­de ist An­na (Mar­le­ne Mor­reis), Toch­ter des ei­nen Franz und Schwes­ter des an­de­ren, ei­ne hoch­be­gab­te Er­mitt­le­rin, die min­des­tens so stur ist wie die bei­den.

Die­se per­so­nel­le Kon­stel­la­ti­on aber ist ja nur das Spiel­ma­te­ri­al; zwar ori­gi­nell, aber nicht au­ßer­ge­wöhn­lich, schließ­lich sind die Ger­min­gers nicht die ers­te Po­li­zis­ten­fa­mi­lie im deut­schen Fern­se­hen. Glei­ches gilt für den Kern der Hand­lung, die Grim­me-Preis­trä­ger Jeltsch („Ei­ner geht noch“) und Ko­au­tor Com­tes­se er­zäh­len. Letzt­lich ist das je­doch zweit­ran­gig, denn das Dreh­buch weckt oh­ne­hin mehr Neu­gier auf die Ver­stri­ckung der ein­zel­nen Fi­gu­ren in den Fall als auf sei­ne Auf­lö­sung: Nicht nur die Ger­min­gers, auch al­le an­de­ren Be­tei­lig­ten sind min­des­tens schräg oder sonst­wie aus der Art ge­schla­gen.

Buch­stäb­lich se­hens­wert ist „Schwar­zach 23 und die Hand des To­des“we­gen der Ins­ze­nie­rung, weil Mat­thi­as Tie­fen­ba­cher und Ka- Franz Ger­min­ger Sen. Der pen­sio­nier­te Po­li­zist (Fried­rich von Thun) ist von sei­ner Frau ge­trennt, al­ler­dings le­ben bei­de wei­ter im sel­ben Haus: Schwar­zach 23. me­ra­mann Mar­tin Far­kas da­für sor­gen, dass der Kri­mi dank der ein­falls­rei­chen Blick­win­kel auch op­tisch be­son­ders wird. Das Licht und die ra­sche Brenn­wei­ten­ver­än­de­rung er­in­nern an Stil­mit­tel des Ita­lo-Wes­terns, der Un­ter­arm im Hun­de­maul zu Be­ginn ist seit „Yo­jim­bo“und seit Ser­gio Leo­nes Re­make „Für ei­ne Hand­voll Dol­lar“ein be­lieb­tes Film­zi­tat. Jeltsch und Com­tes­se be­die­nen sich ei­ner ver­gleich­bar la­ko­ni­schen Er­zähl­wei­se, die gern auch mal ma­ka­ber aus­fällt: Die Ge- An­na Ger­min­ger Franz’ und Eri­kas Toch­ter (Mar­le­ne Mor­reis) wur­de schon zwei­mal bei der Po­li­zei zwangs­ver­setzt. Die bei­den Ge­schwis­ter sind Ri­va­len. schich­te be­ginnt da­mit, dass ein Schrott­händ­ler (Al­bert Kitzl) samt Au­to Op­fer sei­ner Schrott­pres­se wird. Tot war er schon vor­her, und wie er ums Le­ben ge­kom­men ist, ge­hört zu den vie­len skur­ri­len Ein­fäl­len. Wäh­rend bei ei­ni­gen Fi­gu­ren lan­ge of­fen bleibt, auf wel­cher Sei­te sie ste­hen, steht der Bö­se­wicht früh fest, zu­mal Tho­mas Schmau­ser die Rol­le mit Ma­cken ver­sieht. „Schwar­zach 23 und die Hand des To­des“, ZDF, Sa., 20.15 Uhr

FOTO: ZDF

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