Ein Hauch von Ka­ri­bik weht durch Ha­mil­ton

Rheinische Post Goch - - EXTRA WOHIN - VON MAR­KUS WASCH

Die Be­woh­ner in Ber­mu­das Haupt­stadt ver­mit­teln das ka­ri­bi­sche Le­bens­ge­fühl – abends ist das an­sons­ten le­ben­di­ge Städt­chen al­ler­dings wie leer ge­fegt.

Vom Tru­bel am Tag ist bei Ein­bruch der Dun­kel­heit nichts mehr zu spü­ren. Wie aus­ge­stor­ben wirkt Ha­mil­ton, wenn die An­ge­stell­ten in ih­ren schi­cken An­zü­gen und fei­nen Ko­s­tüm­chen die glä­ser­nen Pa­läs­te der Ver­si­che­rungs­kon­zer­ne und Kre­dit­in­sti­tu­te in Ber­mu­das Haupt­stadt ver­las­sen. Von den klei­nen Häu­schen in Pa­s­tell­tö­nen ist hier kei­nes zu se­hen. „In der Stadt selbst wohnt kaum je­mand. Die Leu­te kom­men je­den Tag nur zur Ar­beit hier hin“, er­zählt Fah­rer und Gui­de Lar­ry Ro­gers wäh­rend der Tour ent­lang der Ha­fen­pro­me­na­de. Tags­über kön­nen Be­su­cher da­ge­gen die ka­ra­bi­sche Le­bens­art spü­ren, die bis auf die At­lan­tik-In­sel weht.

„Hel­lo Dar­ling“oder „Hi Sweethe­art“– ent­lang der Front Street, der Ein­kaufs­stra­ße di­rekt am Ha­fen, sind al­le mit­ein­an­der be­freun­det und ken­nen sich seit Jah­ren. So zu­min­dest der Ein­druck. Die Be­grü­ßung ist herz­lich. Ein Hand­schlag hier, ein kur­zes Tät­scheln da: Für ein paar net­te Wor­te nimmt man sich die Zeit. „Vie­le der Leu­te ken­nen sich aber bes­ten­falls flüch­tig“, klärt Ro­gers mit sei­nem strah­lend wei­ßen Zahn­pas­ta-Lä­cheln auf.

Tou­ris­ten, die über die fünf Haupt­stra­ßen in Ha­mil­tons über­schau­ba­rer In­nen­stadt mit den en­gen Sei­ten­gas­sen schlen­dern, kön­nen kaum ih­ren Stadt­plan zü­cken, oh­ne, dass ih­nen Hil­fe an­ge­bo­ten wird. „Die Leu­te hier küm­mern sich ger­ne. Nicht sel­ten wird man di­rekt ein­ge­la­den“, be­rich­tet Ro­gers. Der 53-Jäh­ri­ge bie­tet ei­ne der we­ni­gen Mög­lich­kei­ten, die In­sel im Au­to zu er­kun­den. Denn gro­ße Miet­wa­gen sind auf Ber­mu­da sel­ten, da die Be­steue­rung sehr hoch ist. Le­dig­lich Mo­tor­rol­ler kön­nen aus­ge­lie­hen wer­den.

Die Haupt­stadt Ha­mil­ton, an­ge­sie­delt im zen­tral ge­le­ge- nen Pem­bro­ke Pa­rish der In­sel – ei­nem der neun Be­zir­ke Ber­mu­das – ist sehr ge­pflegt. Kein Müll liegt auf den Stra­ßen, al­les wirkt sehr or­ga­ni­siert – ein deut­li­cher Un­ter­schied zu so manch an­de­rer Ka­ri­bik-In­sel. Auch was das Es­sen an­geht. Denn das bri­ti­sche Über­see­ge­biet hat sämt­li­che Fast-Foo­dKet­ten von der In­sel ver­bannt: mit Aus­nah­me ei­nes staat­li­che be­trie­be­nen Ken­tu­cky Fried Chi­cken in Ha­mil­ton.

Bei den meis­ten Ein­woh­nern Ber­mu­das lan­den aber eher fri­scher Fisch und Mee­res­früch­te auf dem Tel­ler. Na­tür­lich hat auch die bri­ti­sche Kü­che ih­re Spu­ren auf der In- sel hin­ter­las­sen. Den Ber­mu­da-Hum­mer (von Sep­tem­ber bis Mit­te April), Mu­schel­pas­te­te, See­schne­cken­ein­topf oder Fisch­sup­pe (mit Sher­ry, Pfef­fer­scho­ten und Rum) gibt es in klei­nen Re­stau­rants in der In­nen­stadt.

„Vie­le zie­hen sich da­nach ger­ne noch in den Park zu­rück“, be­schreibt Gor­don John­son die üb­li­che Pro­ze­dur in der Mit­tags­pau­se. Der ge­bür­ti­ge Ka­na­di­er ver­bringt die Mit­tags­zeit mit ei­nem Ar­beits­kol­le­gen in der klei­nen Grün­an­la­ge Queen Eliz­a­beth Park. Für ihn auch bei 15 Grad selbst­ver­ständ­lich: in Ber­mu­da­shorts. Der Ge­schäfts­mann kom­bi­niert wie vie­le männ­li­che An­ge­stell­te die kur­ze Ho­se mit dunk­len Knie­so­cken, Hemd und ed­lem Sak­ko.

In den Park, der an­läss­lich des dia­man­te­nen Kron­ju­bi­lä­ums der bri­ti­schen Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. im Jahr 2012 an­ge­legt wur­de, zieht sich John­son ger­ne für ein paar Mi­nu­ten Ent­span­nung zu­rück. Ei­ne grü­ne Oa­se mit­ten in der Stadt, durch die ab und zu ein paar Hüh­ner stol­zie­ren. Hier ge­nießt der Ver­si­che­rungs­kauf­mann die letz­ten Son­nen­strah­len des Ta­ges, be­vor es für ihn raus aus Ha­mil­ton nach War­wick Pa­rish im Sü­den der In­sel zu sei­ner Frau und sei­nen bei­den Töch­tern geht.

Denn woh­nen möch­te er in Ha­mil­ton trotz sei­ner klei­nen Ruhe­oa­se nicht.

FOTO: THINKSTOCK/ONEPONY

Die Ha­fen­pro­me­na­de in Ha­mil­ton ist nur tags­über gut be­sucht, denn in die Haupt­stadt fah­ren vie­le le­dig­lich zur Ar­beit.

FOTO: MAR­KUS WASCH

Die Ber­mu­da­shorts sind für Gor­don John­son ein fes­ter Be­stand­teil der Klei­dung – auch im Win­ter.

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