Der In­nen­raum der Zu­kunft

Rheinische Post Goch - - EXTRA WOHIN - VON MAR­KUS WASCH

Das au­to­ma­ti­sier­te Fah­ren wirft sei­nen Schat­ten vor­aus. Die In­nen­räu­me der Au­tos wer­den sich in den kom­men­den Jah­ren grund­le­gend ver­än­dern.

Ein kur­zer Warn­ton er­klingt. Auf Knopf­druck ver­färbt sich das Licht der LED-Leis­ten blau. Der Start­schuss für den Au­to­ma­tik-Mo­dus. Lang­sam schiebt sich das Lenk­rad in das Ar­ma­tu­ren­brett. Der Fah­rer­sitz rückt nach hin­ten und schwenkt nach rechts in Rich­tung Bei­fah­rer. Ein kur­zer Hand­griff, schon klappt aus der Mit­tel­kon­so­le ein Holz­tisch über dem Schoß des Fah­rers aus. Will­kom­men in der Zu­kunft des au­to­ma­ti­sier­ten Fah­rens! Zwar wird es noch ei­ni­ge Jah­re dau­ern, bis man sich bei der Fahrt ent­spannt zu­rück­leh­nen kann. Doch die In­nen­raum­her­stel­ler ste­hen schon in den Start­lö­chern, die Fahr­zeu­ge pas­send aus­zu­rüs­ten. Zwei Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on be­stim­men die Zu­kunft von Ar­ma­tu­ren­brett und Co. maß­geb­lich mit.

„Der In­nen­raum wird sich in den kom­men­den zehn bis 15 Jah­ren stär­ker ver­än­dern als in den ver­gan­ge­nen 100 Jah­ren“, pro­gnos­ti­ziert Han Hen­driks, glo­ba­ler In­no­va­ti­ons­lei­ter bei Yan­feng Au­to­mo­ti­ve. Das in die­sem Som­mer ge­grün­de­te Jo­int Ven­ture mit Sitz in Neuss ist mit ei­nem Um­satz von rund 8,5 Mil­li­ar­den US-Dol­lar nach ei­ge­nen An­ga­ben welt­weit größ­ter An­bie­ter au­to­mo­bi­ler In­nen­aus­stat­tung. Auf der In­ter­na­tio­na­len Au­to­mo­bil-Aus­stel­lung (IAA) in Frank­furt am Main hat das Un­ter­neh­men jüngst sei­ne Vor­stel­lung vom In­nen­raum der Zu­kunft prä­sen­tiert. Das Kon­zept­fahr­zeug „In­no­va­ti­on De­mons­tra­tor 2016“ver­eint 30 Neu­hei­ten im In­ne­ren. Rie­si­ge Dis­plays er­set­zen die ana­lo­gen Ar­ma­tu- ren, durch ein neu­es De­sign der Mit­tel­kon­so­le er­ge­ben sich ganz neue Auf­be­wah­rungs­mög­lich­kei­ten und ein Luft­schlitz statt der bei vie­len De­si­gner un­ge­lieb­ten Ge­blä­se­dü­sen er­mög­li­chen neue Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten „Die Tech­no­lo­gi­en sind mehr­heit­lich markt­reif“, sagt Hen­driks. Wel­che Kon­zep­te sich künf­tig tat­säch­lich in neu­en Mo­del­len wie­der­fin­den, lie­ge an der Rück­mel­dung der Ver­brau­cher und der Kun­den – bei Yan­feng sind es vor al­lem die gro­ßen Au­to­her­stel­ler.

Wie ei­ne Idee in der Pra­xis um­ge­setzt wird, zeigt die Wisch­tech­nik im neu­en 7er BMW. Per Hand­be­we­gung wird der Ra­dio­sen­der ge­wech- selt, ein An­ruf an­ge­nom­men oder das Na­vi be­dient. Doch der Wup­per­ta­ler Au­to­zu­lie­fe­rer Del­phi, der die Ges­ten­steue­rung ent­wi­ckelt hat, denkt noch ei­nen Schritt wei­ter: „Da­durch ha­ben wir in Zu­kunft ganz neue An­sät­ze, zum Bei­spiel Men­schen mit kör­per­li­chen Be­hin­de­run­gen das Fah­ren zu er­mög­li­chen“, er- läu­tert Del­phi-Pres­se­spre­cher Tho­mas Au­rich.

In ei­nem auf der IAA aus­ge­stell­ten Vor­führ­mo­dell wur­de die Ges­ten­er­ken­nung ver­fei­nert. Ei­ne 3D-Ka­me­ra über der Mit­tel­kon­so­le er­kennt, wel­che Fin­ger­be­we­gun­gen der Fah­rer macht. Dreht er den Fin­ger im Kreis, wird die Laut­stär­ke re­gu­liert, for­men Zei­ge- und Mit­tel- der da­ma­li­ge VW-Vor­stands­vor­sit­zen­de Mar­tin Win­ter­korn auf der IAA an. Die Ver­net­zung und Di­gi­ta­li­sie­rung spielt da­bei ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Nach ei­ner Stu­die des Ver­ban­des der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ha­ben 2017 vier von fünf Au­tos, die vom Band lau­fen, ei­nen In­ter­net­an­schluss.

Da­durch kön­nen künf­tig Ge­sund­heits­da­ten der Fahr­zeug­in­sas­sen in Echt­zeit über­wacht wer­den. Der Elek­tro­nik­her­stel­ler Flex über­mit­telt zum Bei­spiel die Herz­fre­quenz oder Kör­per­tem­pe­ra­tur an das Au­to. Kommt es zu Pro­ble­men, wir das au­to­ma­ti­sche No­t­ruf­sys­tem ak­ti­viert. Der Zu­lie­fe­rer Fau­re­cia de­mons­trier­te auf der IAA ei­nen Sitz, der Vi­tal­da­ten des Fah­rers er­mit­telt. Das ist – wie so manch an­de­re In­no­va­ti­on – nicht nur prak­tisch, son­dern kann Le­ben ret­ten.

FO­TOS (2): FRANK RUM­PEN­HORST

Das Kon­zept­fahr­zeug „In­no­va­ti­on De­mons­tra­tor 2016“ver­eint 30 Neu­hei­ten in sei­nem In­ne­ren. In­no­va­ti­ons­lei­ter Han Hen­driks vom Ent­wick­ler Yan­feng zeigt, wie es sich im Au­to­ma­tik-Mo­dus fährt. Dann klappt das Lenk­rad ein und der Sitz fährt nach hin­ten.

Ei­nen Sitz, der die Vi­tal­da­ten des Fah­rers über­prüft, hat der Zu­lie­fe­rer Fau­re­cia auf der IAA prä­sen­tiert.

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