Braun­koh­le-De­al kos­tet 1000 RWE-Jobs

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON ANTJE HÖNING

Strom­kun­den zah­len 1,6 Mil­li­ar­den Eu­ro für die neue Kraft­werks­re­ser­ve.

ES­SEN Nach zä­hem Rin­gen hat sich die Bun­des­re­gie­rung mit den drei Braun­koh­le-Be­trei­bern ge­ei­nigt: Um die deut­sche Kli­ma­bi­lanz zu ver­bes­sern, neh­men sie bis zum Jahr 2020 Kraft­wer­ke mit ei­ner Ka­pa­zi­tät von 2,6 Gi­ga­watt vom Netz. RWE steu­ert 1,5 Gi­ga­watt bei und nimmt da­für fünf 300-Me­ga­watt­Blö­cke im rhei­ni­schen Re­vier vom Netz. Das sind je zwei Blö­cke in Frim­mers­dorf und Nie­der­au­ßem so­wie ein Block in Neu­rath, wie das Un­ter­neh­men mit­teil­te. Be­reits im Ju­li hat­te Mat­thi­as Har­tung, der Chef der Kraft­werks­spar­te RWE Po­wer, er­klärt, dass durch die Ver­ein­ba­rung bis zu 1000 Jobs be­droht sei­en. Am Wo­che­n­en­de er­klär­te er, der nun not­wen­di­ge Stel­len­ab­bau sol­le für die Mit­ar­bei­ter so­zi­al­ver­träg­lich und fair ge­stal­tet wer­den. Der Be­trei­ber Vat­ten­fall wird zwei 500 Me­ga­watt-Blö­cke im bran­den­bur­gi­schen Jänsch­wal­de bei­steu­ern, die ost­deut­sche Mi­brag den Block Busch­haus mit 200 Me­ga­watt.

Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) be­grüß­te die Ei­ni­gung: „Die Maß­nah­me ist wich­tig, um un­se­re Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen und zu­gleich si­cher­zu­stel­len, dass es in den be­trof­fe­nen Re­gio­nen nicht zu Struk­tur­brü­chen kommt.“

Be­zah­len muss den De­al aber der Strom­kun­de. Denn die be­trof­fe­nen Kraft­wer­ke wer­den nicht ein­fach still­ge­legt, son­dern in ei­ne „Kraft­werks­re­ser­ve“über­führt, die in Not­la­gen zu­ge­schal­tet wer­den kann. Da­für er­hal­ten die Be­trei­ber ei­nen Aus­gleich von 1,6 Mil­li­ar­den Eu­ro. Ent­spre­chend er­höht sich die Be­las­tung für die Ver­brau­cher: Laut Bun­des­re­gie­rung stei­gen die Netz­ent­gel­te, die al­le Strom­kun­den be­zah­len müs­sen, um rund 0,05 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de.

Die Ge­werk­schaft IG BCE be­grüß­te die Ei­ni­gung – nun sei die Un­si­cher­heit be­sei­tigt. Gre­en­peace kri­ti­sier­te: „Das ist ein mil­li­ar­den­schwe­res Ge­schenk an die Koh­le­kon­zer­ne auf Kos­ten der Strom­kun­den.“Der De­al rei­che zu­dem nicht aus: Um ihr Kli­ma­ziel zu er­rei­chen, müs­se die Bun­des­re­gie­rung drei­mal so vie­le Braun­koh­le-Kraft­wer­ke ab­schal­ten wie bis­lang ge­plant.

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