Links­ex­tre­mis­ten grei­fen Po­li­zis­ten an

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER UND JAN DREBES

Mit Was­ser­wer­fern und Schlag­stö­cken ist die Po­li­zei ge­gen Links­ex­tre­me in Köln vor­ge­gan­gen. Die Au­to­no­men hat­ten die Po­li­zis­ten at­ta­ckiert und ver­sucht, die „Ho­ge­sa“-De­mo zu stö­ren.

KÖLN Do­mi­nik Roe­seler tritt zu­nächst mit ei­ner schlech­ten Nach­richt vor sei­ne rund 1500 An­hän­ger auf dem Bar­mer Platz in KölnDeutz. Der Or­ga­ni­sa­tor der frem­den­feind­li­chen „Ho­ge­sa“-De­mons­tra­ti­on muss ver­kün­den, dass 50 Ord­ner feh­len. Oh­ne sie kann die Ver­an­stal­tung nicht be­gin­nen. Ei­ligst bit­tet er An­we­sen­de, sich frei­wil­lig für die Auf­ga­be zu mel­den. „Aber ihr dürft nicht al­ko­ho­li­siert sein, kei­ne Straf­ta­ten be­gan­gen ha­ben, und ihr müsst im Not­fall zu­pa­cken kön­nen“, nennt Roe­seler als Auf­la­gen. Es dau­ert mehr als 90 Mi­nu­ten, bis sich 50 Per­so­nen ge­fun­den ha­ben, die al­len An­for­de­run­gen ge­nü­gen. Erst dann gibt die Po­li­zei ihr Ein­ver­ständ­nis.

Mehr als 10.000 Men­schen ha­ben ges­tern den gan­zen Tag un­ter dem Mot­to „Schützt Flücht­lin­ge und Men­schen­wür­de“über­wie­gend fried­lich ge­gen die Kund­ge­bung der Grup­pie­rung „Hoo­li­gans ge­gen Sala­fis­ten“de­mons­triert, dar­un­ter Kar­ne­vals­ver­ei­ne und Schü­ler. Auf Ban­nern und Trans­pa­ren­ten ste­hen Slo­gans wie „Kein Mensch ist il­le- gal“oder „Bun­te Fun­ken ge­gen brau­ne Ha­lun­ken“. Nur ei­ne Min­der­heit von rund 1000 ver­mumm­ten Linskau­to­no­men sorgt im­mer wie­der für zum Teil schwe­re Kra­wal­le. Zu­nächst ha­ben et­wa 100 von ih­nen den Deut­zer Bahn­hof mit ei­ner Sitz­blo­cka­de auf ei­ni­gen Glei­sen lahm­ge­legt, die die Po­li­zei nur mit gro­ßer Mü­he auf­lö­sen kann. Da­mit wol­len die Links­ex­tre­mis­ten ver­hin­dern, dass die „Ho­ge­sa“-Teil­neh­mer an­rei­sen. Spä­ter wer­den die Po­li­zis­ten von 150 Ex­tre­mis­ten ge­zielt an­ge­grif­fen. „Die Atta­cke war so mas­siv, dass wir Pfef­fer­spray und Schlag­stö­cke ein­set­zen muss­ten, um die La­ge un­ter Kon­trol­le brin­gen zu kön­nen“, sagt ein Spre­cher der Köl­ner Po­li­zei.

Doch da­mit nicht ge­nug. We­nig spä­ter schmei­ßen Au­to­no­me Pflas­ter­stei­ne von ei­ner Brü­cke auf ei­nen Strei­fen­wa­gen. Ein Po­li­zist wird da­bei ver­letzt. Als die lin­ken Kra­wall­ma­cher schließ­lich ein wei­te­res Fahr­zeug der Po­li­zei mit Ge­gen­stän­den be­wer­fen, set­zen die Be­am­ten kurz­zei­tig ei­nen Was­ser­wer­fer ein. „Wir ha­ben ein mas­si­ves Pro­blem mit den lin­ken Ex­tre­mis­ten“, be­tont Ar­nold Plickert, Vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei in NRW.

Die „Ho­ge­sa“Teil­neh­mer, un­ter ih­nen auch die Or­ga­ni­sa­to­rin des Düs­sel­dor­fer Pegida-Ab­le­gers „Dü­gi­da“. Me­la­nie Ditt­mer, wer­den auf dem Schot­ter­platz hin­term Deut­zer Bahn­hof von der Po­li­zei be­wacht. Je­der Ver­samm­lungs­teil­neh­mer wird ab­ge­tas­tet und nach Waf­fen, Feu­er­werks­kör­pern und Al­ko­hol durch­sucht. Der Köl­ner PegidaAb­le­ger „Kögi­da“sagt kurz­fris­tig ei­ne an­ge­kün­dig­te Kund­ge­bung ab und schließt sich der „Ho­ge­sa“-Ak­ti­on an.

An­ders als im ver­gan­ge­nen Jahr dür­fen die rechts­ge­sinn­ten Hoo­li­gans dies­mal nicht durch die Stadt zie­hen, son­dern müs­sen auf dem zu­ge­wie­se­nen Platz blei­ben. Im Ok­to­ber 2014 hat­te es bei der ers­ten „Ho­ge­sa“-De­mons­tra­ti­on in Köln schwe­re Aus­schrei­tun­gen ge­ge­ben. Da­bei wa­ren 49 Po­li­zis­ten ver­letzt

„Wir Köl­ner sind ge­gen

Leu­te, die an­de­re Men­schen aus­gren­zen“

wor­den. Da­mals hat­te die Po­li­zei die La­ge falsch ein­ge­schätzt.

Die des­halb auch in die­sem Jahr von vie­len be­fürch­te­ten Stra­ßen­schlach­ten blei­ben aber aus. Ins­ge­samt sind mehr als 4000 Po­li­zis­ten im Ein­satz. Nur in den Abend­stun­den wird es doch noch ein­mal brenz­lig. Mit ei­nem Groß­auf­ge­bot muss die Po­li­zei bei­de La­ger bei der Abrei­se im Bahn­hof von­ein­an­der tren­nen. Bis auf ei­ni­ge klei­ne Aus­ein­an­der­set­zun­gen hat die Po­li­zei al­les un­ter Kon­trol­le.

NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) be­zeich­net „Ho­ge­sa“als „ge­fähr­li­ches Sam­mel­be­cken für Rechts­ex­tre­me“. „Hier ha­ben sich Hoo­li­gans, Rechts­ex­tre­me und kri­mi­nel­le Schlä­ger zu ei­ner be­son­ders ge­walt­be­rei­ten For­ma­ti­on zu­sam­men­ge­tan“, sagt Jä­ger un­se­rer Re­dak­ti­on. Sie wür­den ein po­li­ti­sches The­ma wie die Flücht­lings­de­bat­te miss­brau­chen, um ih­ren Hass aus­zu­le­ben. „Das wird ei­ne wehr­haf­te De­mo­kra­tie nicht hin­neh­men“, so der Mi­nis­ter.

Der Grü­nen-Bun­des­po­li­ti­ker Vol­ker Beck zeigt sich an­schlie­ßend er­freut dar­über, dass so vie­le Men­schen ge­kom­men sind, um ge­gen Frem­den­feind­lich­keit zu de­mons­trie­ren. „Ge­ra­de nach dem At­ten­tat auf Hen­ri­et­te Re­ker ist es ein star­kes Zei­chen der Köl­ner, dass so vie­le auf die Stra­ßen ge­gan­gen sind. Köln ist bunt, un­se­re Stadt ist viel­fäl­tig. Wir sind ge­gen Leu­te, die an­de­re aus­gren­zen.“

Vol­ker Beck

Grü­ne

FO­TOS (3): DPA

Auf dem Bar­mer Platz in Köln-Deutz tra­fen sich die „Ho­ge­sa“-De­mons­tran­ten zu ih­rer Kund­ge­bung – ab­ge­schirmt von Po­li­zis­ten und in Sicht­wei­te von Was­ser­wer­fern und an­de­ren schwe­ren Ein­satz­fahr­zeu­gen.

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